Europaweit können Getränkehersteller nicht genug Kohlensäure zukaufen. Deswegen könnten es bald harte Zeiten für Fans von prickelnden Getränken werden. Erste Brauereien stoppten bereits einen Teil ihrer Produktion.

Kohlensäure ist aktuell Mangelware – Getränkehersteller können nicht genug davon kaufen, um alle unsere Getränke damit zu versetzen. Wenn wir uns auf ein frisch gezapftes Bier oder einen erfrischendes Sprudelwasser freuen, könnte das bald weniger prickelnd schmecken.

Aber warum fahren wir eigentlich so auf Kohlensäure in Getränken ab? Maik Hünefeld ist Pressesprecher beim Verband Deutscher Mineralbrunnen. Er erklärt, dass Kohlensäure ein Geschmacksträger ist.

"Wir bekommen eine richtige Explosion auf der Zunge, wenn wir Mineralwasser mit Kohlensäure trinken."
Maik Hünefeld, Verband Deutscher Mineralbrunnen

Kohlensäuregehalt eines Getränks ist entscheidend für die Haltbarkeit

Es wirke wie eine Massage der Zunge und führe dazu, dass die Geschmacksknospen der Zunge stimuliert werden. Weiter werde die Durchblutung in der Mundschleimhaut angeregt. Das führe dazu, dass wir wesentlich mehr schmecken, sagt Maik Hünefeld vom Verband Deutscher Mineralbrunnen. Und dadurch könnten wir auch andere Mineralien des Wassers besser wahrnehmen.

Ob wir durch ein Glas Sprudelwasser zu einem Essen auch die verschiedenen Aromen besser wahrnehmen können, möchte Maik Hünefeld nicht behaupten. Diese Frage könne aber ein sogenannter Wassersommelier beziehungsweise eine Sommelière beantworten, "denn die kennen sich tatsächlich mit jedem Geschmack im Mineralwasser aus. Sie können sagen, welche Sorte zu welchem Essen passt."

"Wir haben ungefähr 500 unterschiedliche Mineralwasser in Deutschland, die verschiedene Kohlensäuregehalte haben. Wir finden also sicher zu jedem Essen das passende Wasser."
Maik Hünefeld, Verband Deutscher Mineralbrunnen

Neben dem Geschmack ist der Kohlensäuregehalt eines Getränks entscheidend für die Haltbarkeit, weil es eine leicht desinfizierende Wirkung hat – es tötet Bakterien ab. Stilles Wasser sei deswegen nicht so lange haltbar, erklärt Maik Hünefeld.

Eine Alternative zur Kohlensäure gibt es übrigens nicht. Maik Hünefeld: "Chemisch besteht Kohlensäure aus Kohlendioxid und Wasser. Das können wir in der Form nicht ersetzen. Es besteht immer aus dieser festen Verbindung."

Synthetische vs. natürliche Kohlensäure

Die aktuelle Kohlensäureknappheit bezieht sich nur auf die synthetische Kohlensäure. Es gibt auch natürliche Kohlensäurequellen. Zum Beispiel gibt es Quellen, wo das Wasser schon sprudelnd aus dem Boden kommt. Vor dem Abfüllen wird das Wasser dann noch zusätzlich mit Sprudel versetzt. Diese natürlichen Sprudelquellen seien aber selten.

2021 wurden in Deutschland laut einer Erhebung des Verbands Deutscher Mineralbrunnen durchschnittlich 12.300 Liter Mineralwasser abgesetzt.

  • Moderation: 
  • Gesprächspartner:  Maik Hünefeld, Verband Deutscher Mineralbrunnen