Kurz, prägnant und auf den Punkt – so sollten Wahlplakate sein: Unser Reporter hat sich die Slogans auf den Plakaten zur Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen angeschaut und verglichen.
Oft gehen wir an ihren vorbei, ohne ihnen große Beachtung zu schenken: Denn Wahlplakate sind meist sehr generisch: Sie überraschen selten und bieten kaum Informationen, die uns neu sind.
Meist zeigen sie das Porträt einer Politikerin oder eines Politikers und dazu einen wenig einprägsamen Slogan. Des Weiteren findet man auf ihnen immer mal eine Handlungsaufforderung: das Kreuzchen bei der anstehenden Kommunalwahl bei einer bestimmten Partei zu setzen.
Austauschbare Wahlslogans
In der Regel haben Wahlplakate wenig Interessantes zu bieten. Zum Hingucker werden sie meist dann, wenn sie illegal mit Edding bemalt werden oder – wie im Fall von "Die Partei" – mit satirischen Pointen überraschen.
"Um fair zu bleiben: Es gibt schon Plakate, auf denen man ganz eindeutig merkt, wofür die Leute denn eigentlich stehen."
Wir wollten wissen, wie sehr Wahlplakate tatsächlich den Markenkern widerspiegeln und eine Botschaft transportieren, die in diesem Fall eindeutig für eine bestimmte Partei steht.
Unser Reporter Martin Krinner hat sich Plakate aus Nordrhein-Westfalen angesehen und festgestellt, dass es durchaus auch Plakate gibt, in denen Parteien ganz klare thematische Schwerpunkte setzen, wie zum Beispiel das Thema besseren Verkehrsfluss bei den FDP-Plakaten in Bonn oder günstigeren Wohnraum auf SPD-Plakaten in Mühlheim an der Ruhr.
Slogans lassen sich nicht gut zuordnen
Unser Reporter stellt fest, dass sich die oft austauschbaren Slogans auf den Plakaten nicht klar den Parteien, die zur Wahl stehen, zuordnen lassen.
Ein Beispiel ist der Plakatspruch "Siegen kann mehr", der in der Stadt Siegen an vielen Straßenlaternen hängt. Ganz eindeutig uneindeutig, wie die Umfrage unter Passanten ergibt. Die Auflösung: Es handelt sich um ein Plakat der SPD.
"Ganz oft fällt einem auch auf, die Parteien machen es einem nicht leicht. In Köln zum Beispiel haben querbeet alle Parteien für sich das Herz entdeckt."
Auf Plakaten wird anscheinend weniger auf Inhalte gesetzt, aber mehr darauf, dass sie ein positives Grundgefühl hinterlassen sollen. Ein Gefühl der Zuversicht, ein Gefühl, dass Veränderung möglich ist und sich etwas zum Besseren wenden kann.
So findet unser Reporter unter anderem folgende Slogans "Aus Liebe zur Vernunft" – von der FDP. "Damit die Stadt wächst und atmet" von der CDU. Und: "Macht heute, was morgen zählt", von den Grünen.
Ein positiver Ausblick, ohne tatsächlich etwas Konkretes zu versprechen. Dadurch kommen die Parteien schon früh einem möglichen Vorwurf zuvor, dass sie Versprochenes nicht einlösen.
"'Aus Liebe zur Vernunft' – das hat null Inhalt, das könnte genauso Die Linke sein, wie das die AfD sein könnte. Das ist völlig inhaltslos."
Plakate mögen in Zeiten von Social Media überholt und aus der Zeit gefallen wirken, weil es sich um eine alte und konventionelle Form der Außenwerbung handelt, die Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Anfänge hatte.
Dennoch bieten sie viele Vorteile. Sie sind vergleichsweise günstig in der Herstellung und niedrigschwellig: Viele Tausende Menschen sehen sie im Vorbeigehen. Dadurch erreichen sie eine breite Gruppe von Menschen, die sehr unterschiedlich sein können. Beispielsweise, was das Alter, die Beschäftigung und den sozialen Hintergrund angeht.
"Die Plakate werden wahrscheinlich bleiben, weil sie einfach jeder sieht."
Und da es in erster Linie darum geht, möglichst alle Wahlberechtigten zu erreichen, bleiben bei Wahlwerbung die Plakate weiterhin ein Mittel, auf das alle Parteien zurückgreifen. Ein weiterer Pluspunkt ist außerdem, dass auch diejenigen angesprochen werden können, die das Netz und Social Media gar nicht oder nur selten nutzen.
