Die Situation innerhalb der Europäischen Union wird immer prekärer. Nach vielen schweren Herausforderungen in den vergangenen Jahrzehnten stellt die Flüchtlingspolitik die Gemeinschaft nun vor weitere ungelöste Probleme. Nicht viel anders die Lage auf dem Gebiet der Bundesrepublik.

Dort geht ein Riss durch Ost- und Westdeutschland, das hat die Beauftragte für die neuen Länder, Iris Gleicke in ihrem Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit vor dem Deutschen Bundestag deutlich gemacht. Und das, obwohl den ostdeutschen Ländern viel weniger Flüchtlinge zugeteilt worden sind als den westlichen.

Dieser Aspekt war einer von vielen auf der Veranstaltung des Jüdischen Museums Berlin am 7. September 2016 unter dem Titel: "Krisenzeiten - Über die Bedeutung der Vergangenheit für die Politik der europäischen Staaten in den gegenwärtigen Krisen".

"Thüringen ist das Land, das noch weniger Flüchtlinge hat als Mecklenburg-Vorpommern, aber wenn Sie die Bevölkerung fragen würden, dann würden die von riesigen Zahlen sprechen und von großen Veränderungen."
Dietmar Herz, Universität Erfurt

Ähnlich groß seien die Ressentiments gegenüber Flüchtlingen in Frankreich und Polen, wie das hochkarätig besetzte Podium wiederholt darlegt. Der Chefredakteur der polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza spricht gar von alten Dämonen, die in Europa wieder Einzug halten.

"Ein führender Politiker der polnischen Regierungspartei hat öffentlich vor den Flüchtlingen gewarnt, weil sie ansteckende Krankheiten mitbringen würden."
Adam Michnik, Gazeta Wyborcza

Einzig in Großbritannien sei die Lage anders. Dort bereite die Einwanderung speziell aus den europäischen Staaten Sorgen - ein Grund für den Brexit. Einwanderung aus anderen Ländern hingegen ließe sich gut auf der Insel kontrollieren, so der englische Vertreter in der Expertendiskussion.

"Wir sind nicht gegen Einwanderung an sich, sondern gegen die unkontrollierte Einwanderung."
Hans Kundnani, German Marshall Fund

Weil Großbritannien sich gegen eine übermäßige Einwanderung aus Nicht-EU-Staaten abschotte, gebe es dort auch keine Flüchtlingskrise wie in Deutschland, Italien, Spanien oder Griechenland, so Kundnani.

Moderation: Hans-Jürgen Bartsch

Diskussionsteilnehmer:

Dan Diner, Hebrew University of Jerusalem
Adam Michnik, Chefredakteur Gazeta Wyborcza
Dietmar Herz, Universität Erfurt
Etienne François, Pariser Sorbonne
Hans Kundnani, German Marshall Fund

Gesprächsführung: Ines Pohl, Deutsche Welle

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