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"Macht" von Heidi Furre erzählt von einer Frau, die die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren glaubt - seitdem sie einem Mann begegnet ist, der sie an ihre unbewältigte Vergangenheit erinnert.

Es ist Montag. Nicht Donnerstag. Und er ist trotzdem da: Liv hat ihn über den Parkplatz schlurfen sehen, in der Hand ein Strauß weißer Lilien.

Liv wollte das nicht sehen und hat sich ins Medikamentenlager geflüchtet. Hier drin ist sie sicher - wenn auch nicht vor ihren eigenen Gedanken. In Momenten wie diesen zweifelt sie an ihrer Eignung, für andere Medikamente zu sortieren. Es wäre so einfach, sich bei der Dosierung zu irren. Oder sich daran zu bedienen.

Sie wünscht ihm nichts Schlechtes. Nicht doch. Er ist ja freigesprochen worden. Es ist gut, dass er normal weiterleben kann. Und doch schiebt sich Liv den Schlüsselbund zwischen die Finger und ballt eine Faust, nachdem sie die Tür zum Medikamentenlager abgeschlossen hat.

Da! Er ist zurück auf dem Weg zu seinem Wagen. Liv folgt ihm nach draußen. Ihr Puls steigt. Sie ruft nach ihm und er grüßt sie überrascht. Dann ist sie neben ihm und stellt die Frage, die sie quält, seit der berühmte Mann seine kranke Schwester hierher begleitet hat. Jeden Donnerstag ist er seitdem da gewesen. "Haben Sie es getan? Haben Sie jemanden vergewaltigt?"

Liv kämpft darum, die Macht über ihr eigenes Leben wiederzugewinnen

"Macht" heißt der erste ins Deutsche übersetzte Roman der norwegischen Schriftstellerin Heidi Furre. Er erzählt von Liv. Liv ist Mitte dreißig. Seit einem "Vorfall" während ihres Studiums hat sie Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, sei es im Dunkeln oder auf Reisen, als Mutter oder als Ehefrau.

Seitdem hat Liv das Gefühl, für alle andere in Rollen zu schlüpfen, damit niemand sieht, wie verkommen sie in Wirklichkeit ist. Gleichzeitig sehnt sie sich nach Ruhe, Zufriedenheit und einem stärkeren Selbstwertempfinden.

Als Liv zufällig auf der Arbeit einem Mann begegnet, dem so ein "Vorfall" vorgeworfen wurde, muss Liv das, was Jahre später ihr Leben ist, verteidigen. Sie weiß, dass sie dafür anfangen muss, es als das zu benennen, was es ist. Und sich zu akzeptieren, als das, was sie war: Opfer einer Vergewaltigung.

Das Buch

"Macht" (OT: "Makta", 2021) von Heidi Furre, aus dem Nowegischen ins Deutsche übersetzt von Karoline Hippe, Dumont, 174
Seiten, ET: 14.02.2023.

Shownotes
Das perfekte Buch für den Moment...
...wenn du dich machtlos fühlst
vom 22. April 2023
Autorin: 
Lydia Herms