Um das Coronavirus einzudämmen, haben Bund und Länder beschlossen, das öffentliche Leben ab dem 2. November drastisch herunterzufahren. Besonders hart treffen die Einschnitte erneut vor allem Gastronomie und Veranstaltungsbranche.

Kitas, Schulen und Supermärkte bleiben geöffnet. Auch Gottesdienste sind weiter erlaubt. Ansonsten gehen die Rollläden vom 2. bis vorerst 31. November vielerorts runter: Bars, Clubs, Kinos, Fitnessstudios, Kosmetiksalons, Theater, Schwimmbäder, Freizeitparks, Saunen, Spielhallen - sie alle bleiben geschlossen.

Auch die Restaurants machen dicht - mit dem weiterhin erlaubten To-Go-Geschäft können sie kaum auffangen, was sie sonst umsetzen, erklärt Sina Fröhndrich aus der Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion. Konzerte und Partys sind abgesagt. Hotels und Pensionen dürfen keine Touristen mehr aufnehmen. Messen finden nicht statt. In erster Linie sind also wieder die Gastronomie und die Veranstaltungsbranche betroffen.

Gastro, Veranstalter, Kommunen, Einzelhandel

Durch die Einschränkungen werden die Kommunen weniger Gewerbesteuern einnehmen. Und auch der Einzelhandel wird die neuen Maßnahmen spüren – die Geschäfte dürfen zwar weiter öffnen, doch viele Menschen halten sich mit dem Shoppen vor Ort gerade zurück und bestellen vermehrt online.

"Cafés, Bars und Restaurants haben zwischen März und August ungefähr 40 Prozent weniger eingenommen als im Vorjahr, sagen die Daten aus dieser Woche."
Sina Fröhndrich, Deutschlandfunk-Wirtschaftsredaktion

Der Umsatz von Cafés, Bars und Restaurants ist im Frühjahr und Sommer um 40 Prozent zurückgegangen. Auch wenn es in den Sommerferien in einigen Regionen schon wieder richtig gut lief: Zuletzt seien immer wieder Stimmen aus der Branche zu hören gewesen, die sagen "Ein zweites Mal schaffen wir das nicht". Die Betroffenen seien auf die von der Bundesregierung besprochenen Wirtschaftshilfen angewiesen, berichtet Sina Fröhndrich.

Gastronomie, Kultur- und Reisebranche wirken sich nicht so extrem auf die Volkswirtschaft aus, sie machen etwa ein Zehntel des Bruttoinlandsprodukts aus. 90 Prozent der Wirtschaftsleistung finden laut Ifo-Chef Clemens Fuest also trotzdem statt. Er stellt aber klar: Damit können wir nicht leben, ganz abgesehen davon, was das für die Beschäftigten bedeutet.

Wachstumsprognosen werden korrigiert

Im Sommer sah es so aus, als ob sich die deutsche Wirtschaft wieder erholt, berichtet Sina Fröhndrich. Es wurde wieder mehr exportiert und die Prognosen waren zuversichtlich für das Jahresende, auch für 2021. Nach und nach werden diese Prognosen jetzt aber wieder nach unten korrigiert. Es könnte sein, dass die Wirtschaft zum Jahresende wieder schrumpft.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will seine Erwartung am Freitag (30.10.2020) bekannt gegeben, in diese sind die neuen Corona-Maßnahmen dann eingerechnet. Der deutsche Einfluss ist aber auch begrenzt. Denn die wesentlichen Treiber für Wachstum sind Export und Konsum. Beim Export sind wir aber natürlich davon abhängig, wie sich die Pandemie in anderen Ländern entwickelt – etwa in Frankreich, den USA und China – und wie offen die Grenzen für den Warenfluss bleiben.

Industrieproduktion gedämpft

Die Industrie produziert weiter – allerdings nicht auf Hochtouren, sondern gedämpft, berichtet Sina Fröhndrich. Auch im Frühjahr sei in den deutschen Fabriken weitergearbeitet worden, etwa in der Pharma- oder Chemiebranche. Eine Anordnung, dass Fabriken heruntergefahren werden müssen, habe es ja auch nie gegeben.

Trotzdem seien Fabriken geschlossen worden, in diesen Fällen waren aber gerissene Lieferketten dafür verantwortlich: produktionsnotwendige Teile konnten aus Ländern wie Spanien oder Italien einfach nicht mehr geliefert werden.

Kitas und Schulen weiter offen

Kitas und Schulen bleiben auch ab dem 2. November geöffnet. Dass viele Menschen ihre Kinder während der ersten Coronawelle betreut haben und nicht arbeiten konnten, hat sich wirtschaftlich ausgewirkt, sagt das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung: Durch die Schulschließungen und Kitaschließungen hätten Erwerbstätige 1,2 Arbeitstage weniger gearbeitet.

Was dort nicht miteingerechnet wurde, sei allerdings die Kurzarbeit, sagt Sina Fröhndrich. Gerade im Frühjahr und auch jetzt noch seien viele Menschen in Kurzarbeit und könnten Kinder gegebenenfalls betreuen.