Groß, sportlich, erfolgreich... sind wir doch alle! Naja, zumindest in unseren Dating-Profilen. Mal Hand aufs Herz: Auch ihr habt da die Realität doch schon mal ein ganz klein bisschen gedehnt, oder? Das sind die Gründe.
Dating-Profilen von Männern in Deutschland zufolge sind wir ein Land voller großer Typen: quasi alle mindestens 1,80 m groß. Wow!
"Ich schreibe immer, ich bin 1,80 m groß, aber in Wahrheit bin ich 1,77 m. Wer misst das schon nach?"
Die Realität sieht natürlich anders aus. Laut Statistischem Bundesamt ist der durchschnittliche Mann in Deutschland 1,79 m groß – der eine oder andere scheint da also auch mal aufzurunden.
"Ich habe mindestens drei, vier Typen gedatet, die gesagt haben, sie sind 1,80 m groß. Als ich sie getroffen habe, dachte ich dann: Oh, Scheiße!"
Über die kollektive Schummelei kann man schmunzeln. Aber es steckt auch etwas Ernstes dahinter: nämlich Erwartungsdruck und Klischee-Vorstellungen davon, wie Männer und Frauen auszusehen haben.
Stereotype fördern Dating-Schummelei
Das kann man deutlich sehen, wenn man etwa die Angaben auf Dating-Sites für Heteros mit denen auf Gay-Sites vergleicht. Die Sozialpsychologin Johanna Degen forscht zu Dating-Profilen. Sie berichtet von einer Studie, die zeigt, dass homosexuelle Männer in ihren Dating-Profilen im Durchschnitt acht Zentimeter kleiner sind als Hetero-Männer – was natürlich nicht der Realität entsprechen kann.
"Das sagt natürlich nur aus, dass Hetero-Männer sich größer schummeln."
Schummeln, ihr könnt es euch denken, ist übrigens nicht nur Männersache. Auch Frauen schrauben gerne mal an Angaben in Profilen – vor allem beim Alter.
Natürlich merkt das Gegenüber beim ersten Date dann schnell, dass da mit der Größe oder auch anderen Angaben etwas nicht stimmt. Aber das Kalkül geht zunächst ja trotzdem auf: Die Schummelei erhöht die Startchancen, dass es überhaupt zu einem Match kommt.
Dating-Motive sind oft unklar
Und das betrifft nicht nur das Äußere, sondern etwa auch Angaben dazu, was wir auf der Dating-Plattform überhaupt suchen: Lieber mal "monogam" angeben, obwohl wir uns ausprobieren wollen oder eigentlich nur Sex suchen, damit wir nicht weitergeswipt werden? Das ist rein pragmatisch gesehen ein verständlicher Move, birgt aber natürlich viel Potential für Enttäuschungen und Verletzungen.
"Alle suchen eigentlich einen Moment, der Sinn macht und wo man anerkannt und gesehen wird. Und dann entwickelt es sich in unterschiedliche Richtungen."
Allerdings, gibt Johanna Degen zu bedenken, hängt das, was wir wollen, ja auch von der Person ab, die wir dann treffen. Nur Sex oder mehr? So einfach könne man diese Frage vorab oft gar nicht beantworten, das entwickle sich dann mit der Zeit.
