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Zuerst harmlose Fitnessvideos – und dann krasser Frauenhass. Immer mehr junge Männer rutschen in die sogenannte Manosphere ab. Dahinter steckt nicht nur Antifeminismus, sondern auch politische und wirtschaftliche Interessen. Aus der Bubble rauskommen, ist schwer.

Vielleicht ist das euch auch schon mal passiert: Ihr swiped euch durch irgendwelche Fitness- oder Selbstoptimierungs-Clips und plötzlich bombardieren euch Tiktok, Youtube oder Instagram mit mehr als fragwürdigem Content: Ein echter Mann muss hart sein, Frauen müssten sich unterordnen, solche Dinge.

Über diese Schiene rutschen immer mehr Jungs und Männer in die sogenannten "Manosphere" (eingedeutscht: Mannosphäre). Das ist zunächst mal ein loses Online-Netzwerk, das sich viel mit Männlichkeit auseinandersetzt, erklärt die Journalistin Stefanie Delfs, die für die ARD eine Doku darüber gemacht hat.

Mit Frauenhass erreichen Youtuber und Influencer Millionen

Klingt ja ganz harmlos erst mal – ist es aber nicht. Zum Teil kursiert da extremer Frauenhass, mit dem diese Youtuber und Influencer Millionen erreichen. Dahinter stecken nicht nur Algorithmen, sagt sie, sondern auch Geld und Politik.

In dieser Szene gibt es unterschiedliche Strömungen, erklärt Stefanie. Für den Film haben sie und ihrer Kolleg*innen vor allem zu den sogenannten Red-Pill-Influencern recherchiert. Deren Weltsicht in groben Zügen:

  • Unsere progressive westliche Gesellschaft ist vom Feminismus verklärt.
  • Männer sollen die "Rote Pille" (eine Metapher aus dem Film Matrix) schlucken, um zu erkennen, wie die Welt wirklich ist.
  • Männer sollen sich dann ihren Status als starke Alphas wieder zurückholen.

Lebenshilfe-Versprechen lockt in die Mannosphäre

Das Perfide: Diese Frauenhass-Einstiegsdroge Rote Pille kommt in ganz unverdächtigen Reels und Clips daher, die Themen behandeln, die junge Männer, die ihr Leben verbessern wollen, eben interessieren: Fitness oder Coaching etwa, aber auch Finanzen zum Beispiel.

"Früher oder später", beobachtet die Filmemacherin, "behandeln die aber dann auch immer wieder die Beziehung zwischen Männern und Frauen." Fast unbemerkt schlichen sich dann Botschaften ein wie die Frau müsse sich unterordnen und der Mann sich den Respekt zurückholen.

"Dann verändert sich der Algorithmus so schnell, dass man in so ein Rabbit Hole eintaucht."
Stefanie Delfs, Filmemacherin

Der Content verändere sich durch die Algorithmen so schnell und unbemerkt, dass es für die Männer schwer werden könne, sich da herauszuziehen – insbesondere, wenn sie den Inhalt nicht reflektieren.

Rechtspopulisten schüren und nutzen Frauenhass

Und das machen sich zunehmend rechtspopulistische und rechtsextreme Influencer zunutze, sagt Stefanie Delfs. Denn dieses sehr traditionelle Rollenbild gehe total gut mit rechter Politik einher.

"In den vergangenen zwei Jahren hat man gesehen, dass viele Influencer aus der Manosphere zunehmend rechtspopulistische bis rechtsextreme Positionen vertreten."
Stefanie Delfs, Journalistin

Die neue Rechte habe das Potenzial der Manosphere und deren neuer Männerbünde erkannt, sagt die Journalistin. Als Beispiel nennt sie den AfD-Politiker Maximilian Krah, der wie sein amerikanisches Vorbild Donald Trump dieses Network nutze und mit diesen Narrativen versuche, im Wahlkampf ganz gezielt junge und auch unpolitische Männer anzusprechen.

Gespaltene Generationen

Erschreckend findet Stefanie Delfs besonders, wie sehr dieses Phänomen auch die Generationen spalte: Die meisten der Leute über 30, mit denen sie gesprochen habe, hätten davon noch nie gehört. Jeder unter 25 hingegen würden die Stars der Szene alle kennen.

"Es ist, als würden sich ältere und jüngere Generation in verschiedenen Realitäten bewegen. Das finde ich brandgefährlich."
Stefanie Delfs, Filmemacherin

Auch das, also dass die Generationen scheinbar aneinander vorbei leben und die älteren gar nicht mehr wisse, was die Jugend beschäftigt, findet sie "brandgefährlich".

Shownotes
Manosphere
Warum zieht Frauenhass im Netz so?
vom 04. September 2025
Moderation: 
Lena Mempel
Gesprächspartnerin: 
Stefanie Delfs, Journalistin