Eine TV-Doku erhebt erneut schwerwiegende Vorwürfe gegen Michael Jackson. Zwei Männer berichten, der Star hätte sie in ihrer Kindheit missbraucht. Der Film ist seriös, sagt unser Korrespondent.

Zu Lebzeiten ist Michael Jackson wiederholt Kindesmissbrauch vorgeworfen worden. Eines der Verfahren der US-Justiz wurde eingestellt, ein zweites endete im Jahr 2005 mit Freispruch. Der Popstar starb 2009 im Alter von 50 Jahren.

In der zweiteiligen HBO-Dokumentation Leaving Neverland erheben Wade Robson und James Safechuck nun erneut Vorwürfe gegen Michael Jackson. Beide lernten den Popstar im Showgeschäft kennen. James Safechuck beim Dreh für einen Pepsi-Werbespot. Wade Robson durfte während Jacksons Bad-Tour in Australien im Jahr 1988 auf die Bühne.

Schwerwiegende Anschuldigungen gegen Jackson

Beide sagen, dass Michael Jackson sie im Kindesalter sexuell missbraucht habe. Für die Dokumentation sprechen die beiden Männer und ihre Familien vor der Kamera darüber. Sie beschreiben detailliert Belästigung, Missbrauch und unter anderem auch, mit welchen Signalen Michael Jackson seine sexuellen Ansprüche geltend gemacht haben soll. Sein Verlangen habe der Popstar durch eindeutige Berührungen an der Innenseite seiner Hand gezeigt, sagt James Safechuck. Marcus Schuler hat die Dokumentation für uns angeschaut. Er ist unser Korrespondent für Kalifornien.

"Beide berichten in der Doku von hundertfachem Missbrauch, der sich vor allem auf der Neverland-Ranch ereignet haben soll."
Marcus Schuler, Korrespondent für die USA

Michael Jacksons Nachlassverwalter haben versucht, die Ausstrahlung des Films zu verhindern und bereits Schadenersatzforderungen von rund 100 Millionen Dollar geltend gemacht. Auch der deutsche Musikjournalist Alexander Gernandt ist skeptisch. Er hat Michael Jackson zu Lebzeiten jahrelang begleitet. Alexander Gernandt kritisiert, dass es den Machern der HBO-Dokumentation nur ums Geld gehe und es bis heute keine Beweise für die Missbrauchsvorwürfe gebe.

"Es geht um einen Toten, der sich nicht mehr wehren kann und der in allen Punkten freigesprochen wurde."
Alexander Gernandt, Musikjournalist

Unser Korrespondent Marcus Schuler hingegen hält die Dokumentation für seriös. Auch deswegen, weil der Freispruch Michael Jacksons im Jahr 2005 auf Aussagen von Wade Robson zurückzuführen ist. Dan Reed, der Regisseur von Leaving Neverland, betont, dass die Vorwürfe seiner Protagonisten sich mit den Ermittlungsakten decken. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, dass seine Dokumentation einseitig sei – zuungunsten Michael Jacksons.