Wenn Katze, Hund, Pferd oder Kuh irgendwann die Schnauze voll haben, könnte es schwierig werden für den Menschen. Und spätestens nach der Lektüre von Nadja Niemeyers Pamphlet "Gegenangriff" sollten wir Menschen alle wachsamer sein.
Luis Gómez Hernándes starrt auf die Bildschirme vor sich. Zuerst glaubt der Schlachthof-Leiter, er hätte Halluzinationen. Doch schnell wird ihm klar, dass das, was er sieht, real ist. Vor ihm offenbart sich ein schreckliches Bild: In der Zerlegerei des Schlachthofes von Parkfield, Monterey County, Kalifornien, kämpfen Männer um ihr Überleben. Vergebens.
Zwar wehren sie sich mit Leibeskräften und den Messern, die sie zum Zerlegen der geschlachteten Tiere benutzen. Aber ihre Gegner lassen sich von den zugefügten Schnittwunden weder abschrecken noch aufhalten. Es gibt kein Entkommen, denn sämtliche Fluchtwege sind versperrt. Von Kühen.
Leitkuh Betsy bläst zum Angriff
Erst jetzt alarmiert Hernándes seinen direkten Vorgesetzten. Der ist nicht minder schockiert, bringt angesichts des Dramas jedoch ganz kurz die überraschend skrupellose Idee hervor, die Sache unter den Teppich zu kehren. Sehr bald muss er aber einsehen, dass das nicht geht. Zu viele Menschen sind bereits gestorben. Nicht nur in der Zerlegerei. Ja nicht einmal nur im Schlachthof. Auf dem Weg dorthin hat die Herde, angeführt von der Leitkuh Betsy Mae, viele Menschen getötet. Angefangen mit Sam Menendez, ihrem Züchter und "Freund".
Es endet mit dem Einsatz von Schnellfeuergewehren durch achtunddreißig Soldaten in einer ungefähr zehn Minuten andauernden Schießerei, bei der sechs Kameraden getötet und elf verletzt werden. Sechsundneunzig Rinder überleben das Massaker nicht.
Ein Vorfall im Jahr 2034 verändert alles
Keine Sorge, niemand hat hier was nicht mitgekriegt. Das blutige Ereignis, das unter dem Namen "Schlachthaus-Massaker" in die Geschichtsbücher eingehen würde (gäbe es in absehbarer Zeit noch jemanden, der Geschichtsbücher liest) ist nie passiert. Es findet im Jahr 2034 statt, also in der Zukunft, und auch nur vielleicht. Eine Voraussetzung wäre, dass wahr werden würde, was Nadja Niemeyer in ihrem unfassbar aufregenden Pamphlet "Gegenangriff" in aller Ausführlichkeit beschreibt:
Durch ein in Laboren entwickeltes Retrovirus erlangen Tiere weltweit nicht nur eine höhere Intelligenz, sondern auch eine Art Schwarm-Bewusstsein. Zuerst betrifft es zwei Hauskatzen, dann die Rinder eines Bio-Bauernhofs, am Ende jeden Vogel, jeden Nager, jeden Fisch.
Der Kampf der Tiere gegen die Spezies Mensch
Und weil die Tiere bereits sehr lange Zeit mit der Spezies Mensch auf dem Planeten Erde aushalten müssen, und nicht alle Tiere diese Zeit überlebt haben, nutzen die, die noch da sind, ihre neugewonnenen Fähigkeiten dazu, eine gemeinsame Entscheidung zu treffen: Der Mensch muss weg.
Doch bevor die Tiere ihren Plan in vollem Umfang durchziehen, muss er getestet werden. Sie tun das auf einer kleinen thailändischen Insel, die eigentlich nicht besiedelt werden darf, aber durch korrupte Machenschaften leider doch von wenigen, sehr reichen Menschen bewohnt wird. Sie sind die ersten von acht Milliarden Menschen. Und nein, es wird nicht so ablaufen wie in dem Schlachthaus in Kalifornien. Diese spontane Aktion darf lediglich als Vorgeschmack auf das, was kommt, betrachtet werden.
Das Buch:
"Gegenangriff: Ein Pamphlet" von Nadja Niemeyer, Diogenes, 171 Seiten, gebundene Ausgabe: 18 €, eBook: 14,99 €, Hörbuch-Download, gelesen von Cathrin Störmer, ca. 9 €; ET: 25.05.2022
Die Autorin:
Nadja Niemeyer ist ein Pseudonym der Person, die das Pamphlet verfasst hat.
