Das Wiehern von Pferden ist ein Warn- und Imponierlaut. Wie die Tiere ihn genau erzeugen, hat ein Team von Forschenden untersucht. Ob ein Pferd gestresst oder in akuter Gefahr ist, kann es durch die Variation von hohen und tiefen Tönen ausdrücken.

In älteren Wildwest-Filmen hat man Pferde ständig wiehern hören, sagt Linda Weritz. Die Kommunikationswissenschaftlerin und Psychologin hat sich auf die Kommunikation mit Pferden spezialisiert. Das häufige Wiehern in Filmen entspricht aber nicht dem Wesen von Pferden, sagt sie.

"Man will die Pferde nicht nur zeigen, sondern sie durch ein Wiehern noch präsenter machen. So sind Pferde nicht unbedingt."
Linda Weritz, Kommunikationswissenschaftlerin und Psychologin spezialisiert auf Pferde
Wieherndes Pferd
© picture alliance / Bernhard Richter/Shotshop | Bernhard Richter
Wiehern ist individuell: Ein Pferd weiß, welches andere Pferd aus der Herde gerade wiehert und ob es positive oder negative Emotionen äußert.

Pferde sind Fluchttiere. In der Regel kommunizieren sie stärker über Körpersprache, als zu wiehern. Wohl ein evolutionsbedingtes Verhalten, um in der freien Natur keine Fressfeinde auf sich aufmerksam zu machen.

Pferde wiehern, weiß man heute, vor allem dann, wenn sie von ihrer Herde getrennt werden. Oder auch ansonsten etwas Ungewöhnliches passiert. Wiehern ist sozusagen ein Warnlaut. Nur bei Hengsten ist es mitunter anders – bei ihnen ist das Wiehern auch eine Art Imponiergehabe.

"Die wiehern schon mal gerne, auch um zu zeigen, was für einn toller Hengst sie sind."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova

Wie die Pferde den Wieherlaut erzeugen, ist allerdings nicht so leicht zu untersuchen. Um sich Stimmlippen und Kehlköpfe von Pferden anszusehen, hat ein internationales Forschungsteam unter anderem Kameras eingesetzt, die in die Hälse der Pferde eingeführt wurden.

Wiehern: Mit hohen und tiefen Tönen Emotionen ausdrücken

Die Forschenden, die unter anderem aus Dänemark, Frankreich und Österreich stammen, haben außerdem Luft und Helium durch die Hälse von toten Pferden durchgeblasen. So beschreibt der Evolutionsbiologe Tecumseh Fitch von der Universität Wien die zweite Untersuchungsmethode. Der Biologe forscht zur Evolution von Sprache und Musik. Daraus ergab sich, dass Wiehern die Kombination aus einem Vibrationslaut und einem Pfeifens ist. Es wird in einem Hohlraum im Kehlkopf gebildet.

"Das Wiehern ist super praktisch, weil damit mehrere Dinge gleichzeitig übermittelt werden können."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova

Ungewöhnlich ist, dass keine verwandte Art, wie beispielsweise Zebra oder Esel, wiehert. Nur Pferde erzeugen Laute auf diese Weise. Dabei vermitteln sie gleichzeitig mehrere Informationen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass andere Pferde am Wiehern erkennen können:

  1. Welches bestimmte Pferd den Laut erzeugt
  2. Wo sich dieses Pferd befindet
  3. Dass es in einer stressigen Situation steckt
"Das Wiehern ist quasi das Schweizer Taschenmesser für Pferde: Gerade in brenzligen Situationen haben sie damit ganz viele Möglichkeiten."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova

Durch eine Variation von hohen und tiefen Tönen können Pferde noch differenzierter kommunizieren, hat unter anderem die Leiterin der neuen Studie Elodíe Briefér von der Uni Kopenhagen herausgefunden. "Der tiefe Ton zeigt zum Beispiel die Intensität der Emotion. Der hohe Ton zeigt, ob die Emotion positiv oder negativ ist", sagt Elodíe Briefér.

Shownotes
Wiehern
So kommunizieren Pferde
vom 27. Februar 2026
Moderation: 
Nik Potthoff
Gesprächspartner: 
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova
    Quellen des Beitrags: