Kurz zur Party, nett Hallo sagen – und dann wieder weg. Viele machen das inzwischen bewusst. Psychologen sprechen von "Erfahrungseffizienz": Zeit und Energie sollen sich lohnen. Warum frühes Gehen oft gesünder ist als Durchhalten aus Höflichkeit.

Kurz vorbeischauen, ein Getränk, ein paar Gespräche – und dann wieder gehen. Für viele ist das kein Zeichen von Unhöflichkeit, sondern bewusste Selbstfürsorge. Lexa aus Berlin macht das inzwischen regelmäßig. Sie trifft ihre Freundinnen und Freunde gern, sagt aber: Partys am Abend passen nicht mehr zu ihrem Alltag.

"Ich komme um 21 Uhr und gehe um 22.30 Uhr. Das ist doch ein Hammer-Kompromiss."
Lexa aus Berlin

Sie erklärt, dass sie lieber früh im Bett liegt – auch wegen ihres Hundes. Freunde reagierten darauf teils genervt. Trotzdem bleibt sie dabei. Für sie überwiegt der Gewinn an Energie.

Warum wir früher gehen

Im Deutschlandfunk-Nova-Team hat sich Nora Wilker mit dem Phänomen beschäftigt. Sie erklärt, dass Psychologinnen dafür den Begriff Erfahrungseffizienz nutzen. Gemeint ist: Menschen planen ihre Zeit so, dass sie möglichst viele Bedürfnisse unter einen Hut bekommen.

"Man hat oft mehrere Abendpläne im Kopf, die sich gegenseitig ausschließen – also geht man wenigstens kurz vorbei."
Nora Wilker, Deutschlandfunk-Nova-Team

Ein Beispiel ist Michel aus Berlin. Früher blieb er so lange wie möglich, heute setzt er auf kurze Auftritte mit Wirkung.

"Inzwischen denke ich darüber nach, wie man einen prägnanten, kurzen Eindruck macht."
Michel, aus Berlin

Er erzählt, dass er versucht, eine witzige Geschichte zu erzählen oder kurz zu helfen – damit sein früher Abgang weniger auffällt.

Wenn Bleiben mehr kostet als Gehen

Nicht alle gehen früh aus Effizienz, sondern aus Erschöpfung. Paula aus Berlin merkt schnell, wenn ihre Energie aufgebraucht ist.

"Nach 45 Minuten merke ich: Ich habe eigentlich gar nicht die Energie, um da zu sein."
Paula, aus Berlin

Studien zeigen: Zu langes Bleiben kann Stress auslösen. Dieses Gefühl, innerlich festzustecken, sei ein klares Signal. Die Psychologin Claudia Brinkmann bestätigt das.

"Das bringt uns mit unseren Bedürfnissen in Kontakt – und das ist eine gute Voraussetzung, gut auf sich zu achten."
Claudia Brinkmann, Psychologin

Gerade sensible Menschen seien schneller überfordert, erklärt Nova-Reporterin Nora Wilker. Viele hätten gelernt, Höflichkeit nicht mehr über das eigene Wohlbefinden zu stellen. Eine Ausnahme bleibe oft nur das Mitternachts-Anstoßen bei Geburtstagen.

Shownotes
Psychologie des Feierns
Warum viele heute früher von Partys abhauen
vom 12. Januar 2026
Moderator: 
Thilo Jahn
Gesprächspartnerin: 
Nora Wilker, Deutschlandfunk Nova Reporterin