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Sexuelle Selbstbestimmung ist in Deutschland nur schrittweise im Recht verankert worden. Diesen Prozess zeichnet die Historikerin Catherine Davies in ihrem Vortrag nach.

1997 wurde Vergewaltigung in der Ehe strafbar. Davor konnte sie nur als Nötigung strafrechtlich verfolgt werden. Das ist vielen noch gut im Gedächtnis – auch weil der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz, CDU, damals gegen die Reform stimmte.

"Bis zum Schluss versuchten einflussreiche Abgeordnete der Union, eine völlige Gleichstellung von ehelicher und nicht-ehelicher Vergewaltigung zu verhindern."
Catherine Davies, Historikerin

Catherine Davies ist Historikerin an der Universität Zürich. In Ihrem Vortrag beschreibt sie, wie sich das Patriarchat auf unser Recht auswirkte. Das beschreibt sie anhand von zwei Reformen des Sexualstrafrechts – 1997, als das sogenannte Ehegattenprivileg abgeschafft wurde, und 1973.

Zwei Reformen des Sexualstrafrechts

Die Rechtsreform von 1973 ist weniger bekannt als die von 1997. Auch damals wurde das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gestärkt. Gleichzeitig wurde damals noch zwischen zwei Arten von Vergewaltigung unterschieden.

Erstens: Die eigentliche Vergewaltigung, bei der ein Fremder sein Opfer in abgelegener Gegend plötzlich überfiel. Zweitens: die sogenannte uneigentliche Vergewaltigung. Hier wurde der Frau ein Mitverschulden zugeschrieben. Sei es, weil sie mit dem Täter geflirtet oder ihn freiwillig in seine Wohnung begleitet hatte, erklärt Catherine Davies.

"Bei der sogenannten uneigentlichen Vergewaltigung wurde der Frau ein Mitverschulden zugeschrieben. Sei es, weil sie mit dem Täter geflirtet oder ihn freiwillig in seine Wohnung begleitet hatte."
Catherine Davies, Historikerin

In ihrem Vortrag zeigt die Historikerin, welche gesellschaftlichen Kämpfe zu den beiden Reformen 1973 und 1997 geführt haben. Dabei interessiert sie sich insbesondere für die Rolle der Frauenbewegung.

Catherine Davies ist Historikerin an der Universität Zürich. Ihren Vortrag "Rechtsstaat und Patriarchat. Eine Geschichte sexueller Gewalt in der Bundesrepublik, 1973 bis 1997" hat sie am 22. Januar 2026 im Rahmen des Institutskolloquiums am Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam.

Hinweis: Unser Bild zeigt die Frauenministerin Claudia Nolte, CDU, während der ersten Lesung über einen Gesetzesentwurf zur Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe im Bonner Bundestag auf der Regierungsbank.

Hörtipp

Drei Schülerinnen sind 15 Jahre alt, als ihre Lehrer mit ihnen eine Beziehung beginnen. Heute fragen sie sich: Wie konnte der emotionale und sexuelle Missbrauch lange unbemerkt bleiben? Ein Podcast über sexualisierte Gewalt an Schulen und die Folgen.

Shownotes
Rechtsgeschichte
Der lange Weg zur sexuellen Selbstbestimmung
vom 05. März 2026
Moderation: 
Nina Bust-Bartels
Vortragende: 
Catherine Davies, Historikerin an der Universität Zürich
  • Einleitung
  • Reform 1973
  • Sexualstrafrecht als Politikum
  • Reform 1997
Quellen aus der Folge:
  • What Is Carceral Feminism? Political Theory. Vol. 48, No. 4 (August 2020), pp. 421-442.
  • Susan Brownmiller: Gegen unseren Willen. Vergewaltigung und Männerherrschaft. Fischer Verlag 1975.
  • Catherine Davies: Rechtsstaat und Patriarchat. Eine Geschichte sexueller Gewalt in der Bundesrepublik 1973–1997. Hamburg: Hamburger Edition.