• Deutschlandfunk App
  • ARD Sounds
  • Spotify
  • Apple Podcasts
  • Abonnieren

Viele junge Menschen zweifeln daran, später von der staatlichen Rente leben zu können. Deshalb will die Bundesregierung private Vorsorge fördern – mit staatlichen Zuschüssen für Investments in ETFs und Fonds. Ob das wirklich so attraktiv ist?

Die Sorge vor Altersarmut ist für viele Menschen in Deutschland längst Realität – besonders bei Jüngeren. Chiara, mit der wir in einer Straßenumfrage über Rente sprechen, formuliert ihre Sorge so: "Wir arbeiten unser ganzes Leben und am Ende sind wir arm."

Das Problem der alternden Gesellschaft

Vielen ist klar: Das deutsche Rentensystem funktioniert in seiner jetzigen Form nicht mehr. Das liegt daran, dass das deutsche Rentensystem nach dem sogenannten Generationenvertrag funktioniert. Das heißt: Die aktuell arbeitende Generation zahlt mit ihren Beiträgen direkt die Renten der heutigen Rentner*innen.

Doch damit dieses sogenannte Umlageverfahren funktioniert, muss es mehr Einzahlende geben als Beziehende. Doch genau das Gegenteil ist in Deutschland der Fall: Es gibt immer mehr Menschen im Ruhestand, deren Renten finanziert werden müssen. Gleichzeitig werden die Beitragszahlenden, also die Arbeitnehmer*innen, immer weniger. Während früher auf einen Rentner etwa sechs Erwerbstätige kamen, sind es heute nur noch rund Zwei.

"Man kriegt es bei älteren Leuten mit, die Pfandflaschen sammeln, um über die Runden zu kommen."
Jana, Abiturientin

Viele Menschen – ob jung oder alt – machen sich Sorgen um die Rente. Jana erzählt in der Straßenumfrage, dass es sie zum Nachdenken bringt, wenn sie sieht, wie ältere Menschen Pfandflaschen sammeln. Tatsächlich war in Deutschland 2024 fast jede fünfte Person über 65 armutsgefährdet. Diese Zahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das geht aus dem aktuellsten EU-Daten hervor.

Virginie setzt deshalb lieber auf private Vorsorge. Sie sagt: "Ich glaube nicht, dass wir viel staatliche Rente bekommen werden."

Private Altersvorsorge wichtiger denn je

Auch die Bundesregierung will die private Altersvorsorge ausbauen und dabei gezielt finanzielle Anreize schaffen. Konkret ist geplant, dass Menschen Geld in ein Altersvorsorgedepot einzahlen und damit in ETFs, Aktien oder Fonds investieren können. Der Staat will die Einzahlungen in das sogenannte Altersvorsorgedepot bezuschussen. Bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro soll der Staat maximal 540 Euro pro Jahr dazugeben.

Kritik an hohen Kosten

Doch wie wirksam diese Förderung ist, hängt stark von den Kosten für das Depot ab. Aktuell ist ein Kostendeckel von etwa 1,0 Prozent im Gespräch. Niels Nauhauser, Rentenexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, findet das zu viel: "Dieser Kostendeckel gilt nur für das sogenannte Standard-Depot eines jeden Anbieters. Das ist irreführend, weil jeder Anbieter sein eigenes Standard-Depot hat."

"Der Kostendeckel von einem Prozent ist immer noch viel zu hoch."
Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Ein Blick nach Schweden zeigt, dass es deutlich günstiger gehen kann. Dort liegen die Verwaltungskosten für den staatlichen Fonds AP7 Såfa bei rund 0,05 Prozent.

Wieso es in Schweden günstiger geht und inwiefern sich das deutsche Altersvorsorgedepot von Schwedens Aktienrente unterscheidet, erklären Gregor und Anca in der neuen Folge von What the Wirtschaft.

Habt ihr auch manchmal einen WTF-Moment, wenn es um Wirtschaft und Finanzen geht? Wir freuen uns über eure Themenvorschläge und Feedback an whatthewirtschaft@deutschlandfunknova.de.