Besonders kleine Betriebe und der Mittelstand in den Bereichen wie Handel, Chemie oder Maschinenbau sind teils in eine schwere Krise gerutscht. Die Insolvenzen haben 2025 deutlich zugenommen. Und eine Besserung steht nicht in Aussicht.
"Wir sind ehrlich gesagt schon schwach ins Jahr gestartet", sagt Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven. Denn bereits 2024 verzeichnete die deutsche Wirtschaft ein "Minuswachstum" oder leichte Rezession. Wie die Zahlen am Ende für 2025 aussehen werden, steht noch nicht fest. Vielleicht ein leichtes Plus oder wenigstens eine Null, denkt Nicolas Lieven.
So dramatisch der wirtschaftliche Rückgang für manche Branchen wie die Automobilindustrie in den vergangenen Jahren war, haben wiederum andere wie die Rüstungsindustrie ein fettes Plus eingefahren. Auch Softwareunternehmen haben mit KI ihre Umsätze gesteigert. Und "die ganz großen Konzerne, die machen ihr Geschäft zum Großteil im Ausland, so im Schnitt 80 Prozent", sagt der Wirtschaftsjournalist.
"Du siehst überall Sparprogramme und Stellenabbau."
Großen Druck auf die deutsche Wirtschaft haben die US-Zölle ausgelöst. Zum einen machen sie unsere Waren teurer, zum anderen lenken viele andere Länder, die ebenfalls von den Zöllen betroffen sind, ihre Waren nach Europa, erklärt Nicolas Lieven. Der europäische Markt wird mit Waren überschwemmt, womit dann die deutschen Anbieter erheblich zu kämpfen haben.
Globalisierung setzt Deutschland unter Druck
Viele Jahre hat die deutsche Wirtschaft von der Globalisierung profiert. China galt als die Werkbank deutscher Unternehmer. Doch inzwischen ist China ein harter Konkurrent in vielen Wirtschaftsbereichen, allen voran der Automobilbranche, da dort günstige E-Autos produziert werden.
Ein großer Wettbewerbsnachteil sind die hohen Energiekosten in Deutschland. Im Ausland wie in den USA oder in China sind diese niedriger, somit wird in diesen Ländern günstiger produziert. Und noch ein negativer Punkt laut Nicolas Lieven ist, dass der europäische Markt nicht geschlossen auftritt und seine wirtschaftliche Macht nicht geltend machen könnte. Dieser Markt sei eigentlich größer als der US-amerikanische, weil in der EU mehr Menschen leben als in den USA, erklärt der Wirtschaftsjournalist.
Wirtschaftswende blieb aus
Nach dem Ende der Ampelregierung war die Hoffnung groß, dass die schwarz-rote Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz der Wirtschaft zu einer Wende verhelfen kann. Doch aus den Wahlversprechen sei nichts geworden oder sie seien sogar gebrochen worden – wie die Lockerung der Schuldenbremse. Die Baustellen sind nach wie vor dieselben, auch nach dem angeblichen "Herbst der Reformen": Rente, Bürokratieabbau.
Stattdessen: viele Arbeitsgruppen und Kommissionen. Selbst wenn dort sinnvolle Vorschläge gemacht werden, wird das noch dauern. Sicher sind dagegen die kommenden Landtagswahlen 2026. Aktuell ist die Stimmung eher getrübt, der Konsum ist verhalten, die Leute sparen für unsichere Zeiten. Von Aufbruchsstimmung, wie sie der Kanzler noch zu Beginn des Jahres verkündet hat, sei nichts spüren.
Sichtbar wird die trübe Stimmung vor allem in den Städten und dem offensichtlichen Leerstand vieler Geschäfte. Kleine Betriebe und der Mittelstand in den Bereichen wie Handel, Chemie oder Maschinenbau sind von Insolvenz bedroht, erklärt Nicolas Lieven.
"Die Insolvenzzahlen sind relativ hoch – wie seit zehn Jahren nicht mehr."
Das mache den Menschen Angst, sie sorgten sich um ihren Arbeitsplatz. "Das wird auch erst mal so weitergehen", glaubt der Wirtschaftsjournalist. Laut Bundesagentur für Arbeit sei es gerade so schwer wie nie, einen Job zu finden. "Vor allem, und das stimmt echt nachdenklich, sind Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger betroffen", sagt Nicolas Lieven. Das seien ja diejenigen, auf die die Gesellschaft hoffe, die in Zukunft die Rente finanzieren müssten.
Gleichzeitig zieht die Inflation an, viele Menschen kämpfen mit den steigenden Lebensmittelpreisen. Auch bei den Mieten gibt es keine Entspannung, im Gegenteil, sie steigen weiter.
Zumindest was die Wirtschaft angeht, hegt Nicolas Lieven etwas Hoffnung, dass es 2026 ein Miniwachstum geben könnte. Der Staat investiert viel in Rüstung und Infrastruktur, und diese Investitionen könnten vielleicht insgesamt ein positives Signal senden, sodass es zu einer wirtschaftlichen Erholung komme.
