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Frauen und Minderheiten sind nicht nur auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Wohnungssuche benachteiligt – sie schlafen auch schlechter. Schlafforscherin Christine Blume erklärt, wie das kommt.

Frauen schlafen schlechter als Männer und Menschen schlafen umso schlechter, je niedriger ihr Bildungsstand ist. Das zeigen Zahlen des Robert-Koch-Instituts aus der repräsentativen Studie "Gesundheit in Deutschland" aus dem Jahr 2024. Wer beide Merkmale erfüllt, trägt das größte Risiko für schlechten Schlaf.

"Das Risiko für Ein- oder Durchschlafstörungen am größten ist bei Frauen, die auch noch einen niedrigen sozioökonomischen Status haben, hatte eine RKI-Studie bereits gezeigt."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Dass Frauen schlechter schlafen, liegt laut Blume an verschiedenen Dingen: "Hormone, höhere Tendenz zu Grübeln, mehr Care-Arbeit und Mental Load." Es klingt dabei erst einmal widersprüchlich, dass Frauen eine etwas längere Schlafdauer haben. Aber die Schlafforscherin ordnet ein.

"Da könnte eine Erklärung sein, dass sie den schlechteren Schlaf, den sie oft haben, mit einer etwas längeren Dauer kompensieren."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Menschen mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status schlafen allerdings oft wirklich auch weniger als Menschen mit einer höheren gesellschaftlichen Stellung. Dazu hat beispielsweise eine Studie aus den USA gezeigt, dass Menschen mit einem niedrigen Einkommen an freien Tagen ein fast doppelt so hohes Risiko haben, weniger als sieben Stunden zu schlafen als Menschen mit hohem Einkommen. An Arbeitstagen war der Unterschied nicht ganz so stark, aber immer noch vorhanden.

Wer benachteiligt ist, schläft weniger

"Unterm Strich bedeutet das: Menschen mit höherem Einkommen können das Schlafdefizit, was sie aus der Arbeitswoche mitbringen, am Wochenende eher ausgleichen als Menschen mit niedrigem Einkommen", erklärt Christine Blume. "Eine Erklärung dafür könnte sein, dass diese Menschen am Wochenende vielleicht noch einen Zweitjob haben, um über die Runden zu kommen und deshalb weniger schlafen können."

Es gibt aber noch mehr Studien, die zeigen: Wer benachteiligt ist, schläft weniger und oder schlechter. Eine Studie aus Deutschland konnte zeigen, dass Arbeitslose am wenigsten schlafen. Menschen, die in Vollzeit arbeiten, haben die beste Schlafqualität.

"Das könnte darauf hindeuten, dass Arbeitslosigkeit ein Zustand ist, der bei vielen Menschen mit Belastungen und Stress einhergeht."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

Auch Menschen, die mit einer Behinderung oder chronischen Einschränkung leben, haben öfter Schlafstörungen als die Durchschnittsbevölkerung. Das gilt ebenso für queere Personen. Und es gibt auch gute Studien aus den USA, die zeigen, dass schwarze Menschen ein höheres Risiko für wenig Schlaf haben.

"Auch hier ist die Kombination aus Frausein und ethnischer Minderheit übrigens besonders ausgeprägt."
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel

In dieser Folge Über Schlafen sprechen Wissenschaftsjournalistin Ilka Knigge und Schlafforscherin Christine Blume auch darüber, wie die Schlaf-Ungerechtigkeit bekämpft werden könnte.

Wir freuen uns über euer Feedback und Themenvorschläge an ueberschlafen@deutschlandfunknova.de.

Shownotes
Schlafungleichheit
Warum guter Schlaf ein Privileg ist
vom 08. September 2026
Moderation: 
Ilka Knigge
Gesprächspartnerin: 
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel
  • Schlafungleichheit in Deutschland und weltweit
  • Gründe für die Unterschiede
  • Die Folgen von Schlafungerechtigkeit
  • Mythencheck: Führt mehr Wissen zu mehr Schlafgerechtigkeit?
  • Mehr Schlafgerechtigkeit - Wie kann das klappen?
  • Podcast-Tipp: Eine Stunde Liebe
Unsere Quellen:
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