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Raketen, Mars, Zukunft: Elon Musk verkauft mit SpaceX eine riesige Vision. Doch Tech-Insiderin Aya Jaff fragt: "Warum braucht der reichste Mensch der Welt eigentlich deine 500 Dollar?". Wir schauen hinter den Hype.

Elon Musk ist überzeugt: Wir als Menschheit stehen irgendwann an einer Kreuzung.

  • Der eine Weg ist, auf der Erde zu bleiben und früher oder später auszusterben.
  • Die Alternative lautet, so Musk: "Wir werden alle zu Raumfahrenden und einer Spezies, die auf verschiedenen Planeten lebt."

Mit SpaceX will Musk den Weg dafür ebnen. Der Börsengang des Raumfahrtunternehmens ist nicht nur der größte, den es je gegeben hat – er könnte Elon Musk zum ersten Billionär der Welt machen.

Musk bald der erste Billionär?

Aya Jaff ist Unternehmerin und Autorin und hat zwei Bücher geschrieben über Finanzen und die Techbranche. Den geplanten Börsengang von SpaceX sieht sie kritisch.

Skepsis beim SpaceX-Börsengang

Die Diskussion rund um das Unternehmen werde vor allem von Zukunftsprognosen getragen. Anders als viele erfolgreiche Börsenkandidaten verfügt SpaceX aus ihrer Sicht nicht über eine vergleichbar stabile Ausgangslage. Die Vorschusslorbeeren und optimistischen Erwartungen teilt sie nicht.

"Es sind reine Projektionen darauf, was Elon Musk erreichen könnte mit SpaceX."
Aya Jaff, Techanalystin, Coderin und Autorin

Dass viele Anlegerinnen und Anleger das Gefühl hätten, Tesla quasi verpasst zu haben und nun bei SpaceX eine Chance wittern, kann Aya nachvollziehen. Sie warnt jedoch davor, Investitionsentscheidungen allein auf der Basis von Hype und Hoffnung zu treffen.

Keine Aufnahme in wichtige Börsenindizes

Als besonders bemerkenswert bewertet sie, dass SpaceX nicht in den S&P 500 und den Nasdaq 100 aufgenommen wurde. Der S&P 500 umfasst die 500 wichtigsten börsennotierten Unternehmen der USA – darunter Konzerne wie Apple, Microsoft oder Amazon. Der Nasdaq 100 konzentriert sich auf die größten Technologieunternehmen und gilt ebenfalls als einer der wichtigsten Aktienindizes weltweit.

"Der S&P 500 hat jetzt SpaceX keine Ausnahmebewilligung gegeben und nicht in ihre Indizes aufgenommen."
Aya Jaff, Techanalystin, Coderin und Autorin

Ihrer Einschätzung nach hatte SpaceX darauf gehofft, in mindestens einen dieser Indizes aufgenommen zu werden. Denn Fonds und ETFs, die die Entwicklung dieser Indizes nachbilden, müssen entsprechende Aktien automatisch kaufen. Eine Aufnahme hätte daher für eine enorme zusätzliche Nachfrage nach SpaceX-Aktien gesorgt.

Suche nach Geld bei Privatanlegern als Warnsignal

Weil diese automatische Nachfrage nun ausbleibe, entstehe eine erhebliche Finanzierungslücke. Die Milliardenbeträge, die über ETF-Käufe in die Aktie hätten fließen können, müssten daher jetzt auf anderem Wege eingesammelt werden.

Das Unternehmen sei verstärkt auf der Suche nach neuen Investoren. Insbesondere Privatanleger würden hier in den Fokus rücken, die von Elon Musk oder der Vision von SpaceX überzeugt sind.

Aya sieht darin einen Grund mehr, den Börsengang eher nüchtern zu betrachten und sich nicht allein von der Begeisterung rund um Musk leiten zu lassen.

"Es macht mich skeptisch, wenn der reichste Mann der Welt um unsere Kleinstbeträge buhlt und versucht, sich besser darzustellen als er ist."
Aya Jaff, Techanalystin, Coderin und Autorin

Aya sieht das Geldeinsammeln bei Privatanlegern als Warnsignal. Wenn selbst Elon Musk als reichster Mann der Welt um Kleinanleger werbe, sollte man genauer hinschauen:

  • SpaceX habe 2025 einen Nettoverlust von fast fünf Milliarden Dollar verzeichnet.
  • Dass die strengen Auswahlgremien des S&P 500 eine Aufnahme ablehnten, ist für sie ein deutliches Zeichen: Wenn professionelle Prüfer skeptisch sind, sollten es Privatanleger ebenfalls sein.

Ein historischer Börsengang mit globaler Dimension

Saidi Sulitatu ist Chefredakteur beim Finanzportal Finanztip und Experte für Börse und Geldanlage. Den Börsengang von SpaceX verfolgt er aus beruflichem Interesse, privat investiere er aber nicht. "Ich habe mich schon vor vielen Jahren aus dem Thema Einzelaktien verabschiedet", sagt er. Von so einem Hype lasse er sich nicht mehr beeinflussen.

Den Börsengang von SpaceX beschreibt er so: "Eine sehr große Firma versucht viel Geld einzusammeln, dass sie für künftige Raumfahrtsatelliten und künstliche Intelligenzaktivitäten braucht." Das Geld komme dabei nicht nur von institutionellen Investoren, sondern auch zunehmend von Privatanlegern weltweit.

"Der Börsengang von SpaceX wird der mit Abstand größte der Geschichte werden: wahrscheinlich ungefähr dreimal so groß wie der bisher größte."
Saidi Sulitatu, Chefredakteur von Finanztip

Besonders auffällig sei bei SpaceX der geplante Umfang des Börsengangs: Er sei der größte der Geschichte und übertreffe den bisherigen Rekord von Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 um ein Vielfaches. Saudi Aramco ist der staatliche saudi-arabische Öl- und Gaskonzern, eines der größten und profitabelsten Unternehmen der Welt.

Zusätzlich spiele die große globale Fangemeinde von Elon Musk eine wichtige Rolle.

Geplant sei, dass rund 30 Prozent der ausgegebenen Aktien auch an Privatanleger gehen sollen, darunter etwa zehn Prozent nach Europa. Damit würden erstmals in diesem Ausmaß auch normale Anleger direkt an einem derart großen Börsengang beteiligt, was den Prozess deutlich von früheren IPOs (Initial Public Offering) unterscheide.

SpaceX – Große Lücke zwischen Bewertung und Realität

Der Vergleich zwischen Tesla-Aktien und SpaceX sei nur eingeschränkt sinnvoll, sagt Saidi Sulitatu. Zwar werde SpaceX oft in einem Atemzug mit früheren Tech-Erfolgen von Musk genannt, doch das Geschäftsmodell sei deutlich komplexer und risikoreicher.

Auch Saidi weißt darauf hin, dass SpaceX aktuell noch Verluste schreibe, was ein klares Risiko für Anleger darstelle. Viele verbänden das Unternehmen vor allem mit Raumfahrt, doch das sei nur ein Teilbereich. Wichtiger seien aktuell andere Sparten wie etwa das Satelliteninternet über Starlink, das als einziger Bereich bereits Gewinne erwirtschafte.

"Man muss sich klarmachen: Heute schreibt SpaceX noch Verluste. Und dass man ein ziemliches Risiko mit der Aktie eingeht."
Saidi Sulitatu, Chefredakteur von Finanztip

Hinzu komme die starke Zukunftsfantasie rund um künstliche Intelligenz und Projekte wie xAI und dessen KI-Chatbot Grok. Auch visionäre Ideen wie orbitale Rechenzentren oder zukünftige Marsflüge würden in den Erwartungen eine Rolle spielen – seien aber hochspekulativ.

Wer eine SpaceX-Aktie kaufe, erwerbe laut Saidi daher nicht nur bestehende Geschäftsbereiche, sondern vor allem Zukunftserwartungen. Der geplante Ausgabepreis von rund 135 Dollar spiegele sehr optimistische Annahmen wider.

Finanzanalysen, etwa des unabhängigen Unternehmens Morningstar, schätzen die faire Bewertung deutlich niedriger ein – bei etwa 63 Dollar, so der Finanzexperte. Das ist weniger als die Hälfte des Ausgabepreises. Daraus ergebe sich eine große Lücke zwischen Realität und Erwartung, die nur durch massive technologische Durchbrüche geschlossen werden könne.

Allerdings spielten an der Börse auch Emotionen eine zentrale Rolle. Wenn viele Anleger an Musks Zukunftsvision glauben, könne der Kurs trotz hoher Bewertung weiter steigen – unabhängig davon, wie realistisch die zugrunde liegenden Annahmen letztlich sind.

Zwischen Innovation und Machtkonzentration

Aya Jaff war selbst tief in der US-Startup-Szene und im Silicon Valley eingebunden. Ihre heutige kritische Haltung gegenüber großen Tech-Unternehmen habe sich aus dieser direkten Erfahrung entwickelt, sagt sie.

In ihrer Zeit im Umfeld eines Milliardärs habe sie Einblicke in die Denkweise der Branche bekommen. Ein zentrales Prinzip sei dabei die Idee gewesen, möglichst Monopolstellungen aufzubauen. Rückblickend sieht sie darin einen Trend, der sich in den letzten Jahren verstärkt habe und von vielen Tech-Bros weitergetragen werde.

Vor allem diese Entwicklung betrachte sie kritisch – da sie langfristig auch gesellschaftliche und demokratische Strukturen beeinflussen könne.

"Wir wissen, was eigentlich der echte Preis für diese monopolistischen Unternehmen sind: Es ist nämlich unsere Demokratie."
Aya Jaff, Techanalystin, Coderin und Autorin

Mit Blick auf SpaceX warnt sie vor möglichen Risiken für Anleger*innen. Im schlimmsten Fall könne eine stark aufgeblähte Bewertung dazu führen, dass Musk mit eigenen Aktien andere Unternehmen übernimmt, während der Kurs für Jahre stagniert. Privatanleger würden dann auf Gewinne warten, die nie eintreten.

Sie zieht dabei Parallelen zur Vergangenheit, etwa zur Telekom-Aktie, die für viele Anleger eine ähnliche Hype-Erfahrung gewesen sei. Jede Generation könne ihre eigene Version solcher Börsenenttäuschungen erleben, getrieben von Euphorie und Gruppendynamik.

Eine sichere Vorhersage sei jedoch nicht möglich, betont sie.

Aktien – Wenn Euphorie zur Investmentfalle wird

Beim Kauf von SpaceX-Aktien rät Aya Jaff vor allem zu einer ehrlichen Selbstprüfung. Entscheidend sei an erster Stelle die Frage, wie stark ein möglicher Verlust finanziell und persönlich tatsächlich schmerzen würde. Es handele sich um eine hochriskante Wette. Sie warnt vor einer Diskrepanz zwischen professioneller Bewertung und privater Hoffnung.

"Man setzt hier auf ein hochspekulatives Geschäftsmodell und letztendlich in eine wilde Fantasie von Raumfahrtechnik."
Saidi Sulitatu, Chefredakteur von Finanztip

Finanzjournalist Saidi Sulitatu ergänzt, dass Anleger sich bei Hype-Aktien selbst kritisch hinterfragen sollten. Wichtig sei, zu erkennen, ob man emotional (zu sehr) von der Begeisterung mitgerissen werde. Mit kleinem Spielgeld könne eine Beteiligung vertretbar sein, solange keine falschen Erwartungen an schnellen Gewinn entstehen.

Entscheidend sei die Einsicht, dass es sich nicht um eine sichere Investition, sondern um ein hochspekulatives Zukunftsversprechen handelt. Kurzfristige Kursanstiege seien möglich, doch ob eine solche "Rakete" auch langfristig stabil bleibe, sei völlig offen.

Experte: Für ETF-Sparer bleibt alles beim Alten

Was ETFs betrifft: Solange wir in breit gestreute Welt-ETFs wie den MSCI World investiere, könnten wir beim SpaceX-Börsengang gelassen bleiben, schätzt Saidi Sulitatu. Obwohl das Unternehmen durch den IPO sehr groß werden könnte, wird nur ein kleiner Teil der Aktien überhaupt frei handelbar sein.

Dieser sogenannte Free Float dürfte in großen ETFs nur mit einem sehr geringen Gewicht von unter 0,1 Prozent einfließen. Selbst wenn ETFs später gezwungen wären, Anteile zu kaufen, hätte das kaum messbare Auswirkungen auf ein breit diversifiziertes Portfolio.

Für ETF-Sparende ändert sich dadurch also praktisch gar nichts.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
SpaceX-Aktie
Warum will Elon Musk unser Geld?
vom 11. Juni 2026
Moderation: 
Ilka Knigge
Gesprächspartnerin: 
Aya Jaff. Techanalystin, Coderin und Autorin des Buchs "Broligarchy"
Gesprächspartner: 
Saidi Sulitatu, Finanztip