Sprit, Heizen, Lebensmittel: Vieles wird teurer – und die Politik ringt um Entlastungen. Doch Tankrabatt und Steuerbonus helfen oft nicht den Richtigen. Warum direkte Hilfen kompliziert sind und weshalb viele Menschen wohl weiter warten müssen.
Die Preise steigen – und zwar längst nicht mehr nur an der Tankstelle. Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven erklärt, dass höhere Energiepreise inzwischen fast alle Lebensbereiche betreffen. Sprit verteuere nicht nur das Autofahren, sondern auch Transporte, Heizungen oder Dünger für die Landwirtschaft. Die Folgen würden oft erst Monate später sichtbar.
"Kraftstoffe lagen im April bei plus 26 Prozent, Heizöl sogar bei plus 55 Prozent."
Lieven macht deutlich: Die offiziellen Inflationszahlen seien nur Durchschnittswerte. Für viele Menschen könne die persönliche Belastung deutlich höher ausfallen – etwa bei hohen Heizkosten oder langen Arbeitswegen. Gerade Mieterinnen und Mieter in älteren Häusern würden die Preissteigerungen besonders stark spüren.
Warum Entlastungen so kompliziert sind
In der Politik wird deshalb über verschiedene Hilfen diskutiert: niedrigere Einkommensteuer, höhere Pendlerpauschale oder geringere Kfz- und Stromsteuern. Doch genau da beginnen die Probleme. Viele der diskutierten Maßnahmen würden vor allem Menschen mit höheren Einkommen stärker entlasten.
"Die Sorge ist, dass am Ende wieder vor allen Dingen diejenigen profitieren, die es gar nicht nötig hätten."
Lieven erklärt, dass etwa eine niedrigere Einkommensteuer Haushalten mit wenig Geld oft kaum helfe, weil sie ohnehin nur wenig Einkommensteuer zahlen. Ähnlich sei es bei der Pendlerpauschale: Wer viel verdient, profitiere meist stärker.
Auch direkte Preisbremsen sieht er kritisch. Der Tankrabatt etwa habe Milliarden gekostet, gleichzeitig aber Menschen mit hohem Spritverbrauch besonders entlastet. Profitiert hätten teilweise auch Mineralölkonzerne.
"Je mehr Sprit du verbrauchst, desto mehr profitierst du natürlich davon."
Direkthilfen wären einfacher – theoretisch
Am wirksamsten wären aus Sicht vieler Fachleute direkte Zahlungen vom Staat. Also Geld, das unmittelbar auf dem Konto landet. Genau das sei aber in Deutschland erstaunlich kompliziert.
Lieven sagt, dass dem Staat bis heute nicht einmal die Kontodaten aller Bürgerinnen und Bürger vorlägen. Selbst wenn diese Daten vorhanden wären, fehlten oft Personal und Strukturen in den Behörden, um schnelle Auszahlungen umzusetzen.
"Auf dem Blatt sieht das total einfach aus – aber die Kontodaten liegen bis heute nicht von allen Bundesbürgern vor."
Deshalb rechnet er kurzfristig nicht mit schnellen Hilfen. Seine Sorge: Am Ende werde sich die Regierung eher auf Steuererleichterungen einigen – und viele Menschen würden dann erst über ihre nächste Steuererklärung profitieren.
"Mit Soforthilfen rechne ich in den kommenden Monsaten ehrlich gesagt nicht."
Sollten Inflation und Energiepreise aber dauerhaft hoch bleiben, werde der Staat laut Lieven irgendwann handeln müssen – spätestens dann, wenn viele Haushalte ihre Heizkosten nicht mehr stemmen können.
