Mehr als ein Viertel der unter 25-jährigen Männer wählt AfD. Einige wie Loki sorgen sich deshalb, andere wie Nils finden, die AfD hat Recht. Welches Männerbild haben sie? Wie beeinflusst sie Social Media? Zeigen sie ihre Gefühle? Ihre Antworten.

Unser Reporter Florian Brückner ist quer durch Deutschland gefahren und hat mit unter 25-jährigen Männer gesprochen und sie zu ihrer Vorstellung von Männlichkeit, der Beeinflussung durch Social Media, ihre Haltung zu Gefühlen und zur AfD gefragt.

"Was bedeutet für dich, ein Mann zu sein?"

Nils, 19, aus Rendsburg
"Ein Mann zu sein bedeutet, ein Gefühl von Sicherheit einem anderen Menschen zu geben. Zum Beispiel im Fall meiner Freundin: du packst Sachen an, die eine Frau nicht machen würde. Also typischerweise im Handwerk oder so."
Arne, 18, aus Lindau
"Für mich bedeutet männlich sein auch, nachts auf der Straße laufen zu können, ohne Angst zu haben. Zu wissen, dass man einen Vorteil in der Gesellschaft hat, bei Arbeitgebern zum Beispiel."

Einige der Befragten haben Florian geantwortet, dass Männer eher stark, rational, entscheidungsfreudiger und weniger empathisch als Frauen seien. Auch biologisch wurden Unterschiede zwischen Männern und Frauen begründet. Andere erkennen auch ihre Privilegien, die sie als Männer gegenüber Frauen in der Gesellschaft haben. Eine offene Abwertung von Frauen hat keiner der Befragten gegenüber Florian geäußert.

Die Soziologin Katja Sabisch ist Professorin für Gender Studies an der Ruhr Uni Bochum und hält eine Abgrenzung vom Weiblichen in der Phase der Pubertät für eine normale Entwicklung bei der Identitätsbildung. Das könne allerdings Richtung Radikalisierung kippen, wenn negative Einflüsse beispielsweise von Manfluencern oder der Peer Group hinzukommen.

"Sprichst du über deine Gefühle? Und wenn ja, mit wem?"

Basti aus Deggendorf
"Bei mir im Freundeskreis ist es schon so, dass es halt schon ein bisschen komisch ist, Gefühle zu zeigen. Da fühlt man sich auch komisch, wenn man zum Beispiel mal weint."
Arne, 18, Lindau
"Das wird als unmännlich angesehen - aber für mich ist es schon eher männlich, wenn man auch zu seinen Gefühlen stehen kann."
Nils, 19 Rendsburg
"Ich habe einen besten Freund. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Der weiß alles über dich."

Für die meisten, mit denen Florian gesprochen hat, war es nicht selbstverständlich, über die eigenen Gefühle zu sprechen. Wichtig ist die Familie, Freundeskreis oder bester Freund, wo man sich sicher fühlt und Gefühle äußern kann. Das Bild von "unmännlich", wenn Gefühle gezeigt werden oder geweint wird, ist stark verankert.

"Ich kann an diesen Gesprächen ganz gut sehen, wie wirkmächtig diese Stereotype und diese Geschlechterklischees sind."
Florian Brückner, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Damit Männer im jungen Erwachsenenalter aus toxischen Umfelden wieder herausfinden und sich nicht Richtung Manosphere, Frauenhass und Radikalität entwickeln, sind diese sozialen Bindungen zu Familie und Freunden entscheidend, betont Soziologin Katja Sabisch.

"Warum wählen viele unter 25-Jährige AfD?"

Loki, 19, Lindau
"Wo ich so am meisten Sorgen habe: Rechtsextremisten kriegen immer mehr Zuspruch und immer mehr Macht."
Nils, 19, Rendsburg
"Es kann sein, dass wir aktuell überlastet sind, weil wir eigentlich nicht in der Lage wären, all diese Menschen zu fördern und zu integrieren."
Basti aus Deggendorf
"Ich glaube einfach, dass die jungen Männer darin Sicherheit finden. Struktur, die vielleicht zu Hause nicht herrscht."

Die Aussagen der Befragten zur AfD waren sehr unterschiedlich, erzählt Florian. Einige äußern sich besorgt über den Trend, dass immer mehr Unter-25-Jährige AfD wählen. Andere stimmen der Politik der AfD zu, insbesondere im Bereich der Migrationspolitik.

Soziologin Katja Sabisch erklärt, dass autoritäre Politik mit Geschlechterthemen mobilisiert. Über Social Media werden junge Männer mit diesen Themen angesprochen und in ein autoritäres und rechtsextremes Denken hineingezogen. Mit dieser Art Männlichkeitspropaganda mobilisieren sie gegen ein vermeintlich feindliches Äußeres.

"Wie nutzt du Social Media?"

Arne, 18, Lindau
"Mein Kontakt war über Social Media mit den ganzen Leuten, mit der Politik und so was. Und da bin ich halt auch einfach auf diesen Populismus reingefallen."
Nils, 19, Rendsburg
"Dieser Zwiespalt zwischen links und rechts wird immer größer. Es gibt jetzt gar nicht mehr die Mitte, sondern immer nur noch das Extreme."

Die Befragten haben Florian davon berichtet, dass sie die Polarisierung auf Social Media deutlich wahrnehmen. Dennoch halten sie ein Social-Media-Verbot für Jüngere nicht für die richtige Lösung.

Katja Sebisch sieht eine Gefahr in der Kombination aus autoritärem Zeitgeist mit Sozialen Medien, diese könne schnell zur Radikalisierung führen. Auf Social Media würde man als junger Mann sehr schnell mit frauenfeindlichen Inhalten konfrontiert werden.

Schlagworte wie Muskelaufbau, Rolex und schnelle Autos heizen die Algorithmen an, die diese mit antifeministischen und rechtsextremen Inhalten verknüpfen, glaubt sie. So werde man in eine Blase hineingezogen - insbesondere, wer dafür gerade besonders empfänglich ist.

Shownotes
Unter 25-Jährige
Wie Männer heute ticken
vom 04. April 2026
Moderatorin: 
Anke van de Weyer
Gesprächspartner: 
Florian Brückner, Deutschlandfunk-Nova-Reporter
Interviewpartnerin: 
Katja Sabisch, Soziologin, Professorin für Gender Studies, Ruhr Uni Bochum