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Nach der Erstürmung des Kapitols haben Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Snapchat Trump vorübergehend gesperrt. Sie reduzieren damit massiv die Reichweite der Botschaften des abgewählten Präsidenten.

Das Vorgehen war ungewöhnlich: Der noch amtierende US-Präsident zeichnet ein Video im Garten des Weißen Hauses auf und veröffentlicht es auf Twitter. Schon wenige Augenblicke später wurde dieses Video von Twitter mit dem inzwischen bekannten Hinweis versehen, dass die darin geäußerte Behauptung eines Wahlbetrugs umstritten sei.

"In der kurzen Geschichte der Social-Media-Plattformen ist das schon einmalig, was da in der vergangenen Nacht passiert ist."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Das besagte Video war im Prinzip Trumps Reaktion auf eine Forderung des designierten US-Präsidenten Joe Biden. Der forderte von Trump, vor die Kameras zu treten und mäßigend auf seine Anhängerinnen und Anhänger einzuwirken.

In dem Video forderte Trump seine Anhänger zwar auf, friedlich nach Hause zu gehen. Allerdings goss er auch weiter Öl ins Feuer, so Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Noll. Trump wiederholte nämlich einerseits gleich zu Beginn wieder die Lüge vom Wahlbetrug. Darüber hinaus feierte er den Mob, der das US-Kapitol stürmte mit den Worten: "Wir lieben euch, ihr seid sehr besonders."

Der Tweet wurde von Twitter in einem ersten Schritt sanktioniert, indem er wegen des Gewaltrisikos nicht beantwortet, retweetet oder geliked werden konnte. Später wurde das Video dann ganz aus der Timeline von Trump entfernt. Genauso wie drei weitere Tweets des Präsidenten, weil sie eine Gefahr für die öffentliche Ordnung im Land seien, so die Argumentation von Twitter.

Nach Twitter: Auch Facebook entfernt Trump-Video

Auch auf Facebook hat der Präsident seine Bemerkungen zum Sturm auf das Kapitol verbreitet. Dort konnte das Video zunächst kommentiert, geteilt und geliked werden. Aber auch Facebook reagierte – ebenso wie Youtube: Das Video verschwand.

"Es handelt sich um einen Notfall, und wir ergreifen angemessene Notfallmaßnahmen", sagte Facebook-Vizechef Guy Rosen. Mit der Videobotschaft verstärke Trump das "Risiko der andauernden Gewalt, anstatt es zu verringern".

"Es handelt sich um einen Notfall, und wir ergreifen angemessene Notfallmaßnahmen."
Guy Rosen, Facebook-Vizechef

Facebook setzte noch einen drauf: Der Zuckerberg-Konzern kündigte an, das Nutzer-Konto von Trump für 24 Stunden für weitere Veröffentlichungen unbrauchbar zu machen. Damit folgte Facebook dem Beispiel von Twitter, das Trumps Account zuvor für 12 Stunden gesperrt hatte. Auch Snapchat und Instagram sperrten die Accounts.

Facebook entfernt Videos und Fotos von Kapitol-Angreifenden

Auch hat Facebook in den Timelines der Trump-Unterstützenden aufgeräumt und viele Videos und Fotos vom Sturm auf das Kapitol entfernt. Es gab zum Beispiel Bildmaterial, wie Anhängerinnen und Anhänger in Büros und im Plenarsaal Chaos anrichteten. Solche Aufnahmen stellten eine Unterstützung krimineller Handlungen dar, was gegen die Regeln des Online-Netzwerks verstoße, teilte das Unternehmen mit.

Viele Soziale Netzwerke haben also konsequent auf die Nacht in Washington reagiert. "Aber wenn man sich die Geschichte anschaut, dann haben die Plattformen dem Treiben des US-Präsidenten sehr lange zugesehen", sagt Andreas Noll. Sie haben auch vom Trump profitiert: "Der Präsident hat für Traffic auf den Plattformen gesorgt, sie bekannter gemacht."

"Der Präsident hat für Traffic auf den Plattformen gesorgt, sie bekannter gemacht."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Nach Ansicht vieler Beobachtenden und Moderatorinnen und Moderatoren in den USA, tragen die Sozialen Medien eine Verantwortung für die aufgeheizte Stimmung in den USA. Die Anhänger des Präsidenten, so die Argumentation, befänden sich in einer Art Filter-Blase und seien nicht mehr in der Lage, die Realität zu registrieren.

"Der Trend geht aber dahin, dass sich viele Menschen von den öffentlich sichtbaren Plattformen wie Facebook und Twitter zurückziehen und die Informationen dann über Messenger verbreitet."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

Für Andreas Noll ist das ein gewaltiges Problem, auch wenn bei den großen Plattformen langsam ein Bewusstsein für ihre Verantwortung entsteht. "Der Trend geht aber dahin, dass sich viele Menschen von den öffentlich sichtbaren Plattformen wie Facebook und Twitter zurückziehen und die Informationen dann über Messenger verbreitet", sagt Andreas Noll. Das sei eine ganz große Baustelle.