Das Klima auf den Straßen wird rauer und aggressiver. So das Ergebnis einer Studie der Unfallforschung vom Gesamtverband der Versicherer. Drängeln, beim Überholen andere zum Abbremsen zwingen – und auch die Radfahrenden tragen ihren Teil dazu bei.

Die Studie von der Unfallforschung vom Gesamtverband der Versicherer (GdV) sagt: Fast die Hälfte der Autofahrerinnen und -fahrer drängeln, wenn ihnen jemand zu langsam fährt. Und fast jeder Dritte schert nach dem Überholen manchmal so dicht ein, dass er die Person, die hinter ihm fährt, damit zum Bremsen zwingt.

Die Zahlen zeigen auch: Vor ein paar Jahren ging es noch nicht so aggressiv zu wie heute. Bei einer Straßenumfrage in Berlin-Kreuzberg sagen viele Menschen, dass sie es auch genau so empfinden. Christian zum Beispiel findet, dass die Leute nicht so viel Acht geben: "dass man dann geschnitten wird oder sehr nah an einem vorbeigefahren wird. Ich fahre viel mit dem Motorroller, da fällt es mir auch manchmal auf."

"Die Leute fahren so wie ohne Führerschein."
Mischa, bei einer Straßenumfrage in Berlin

Auch Mischa fühlt sich nicht mehr so sicher im Straßenverkehr. Er beobachtet, dass viele Menschen auf ihr Handy schauen und dabei weniger auf die Straße achten.

Nachrichten schreiben während der Fahrt

Die Nutzung von Smartphones wird ebenfalls in der Studie des GdV erwähnt. Demnach schreibt jeder Vierte während der Fahrt zumindest ab und zu eine Nachricht, jeder Fünfte nutzt beim Fahren sogar Social Media.

Und auch die Fahrradfahrenden kommen in der Studie vor. "Und auch die verhalten sich rücksichtsloser", berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Nora Wilker, die sich die Studie für uns angeschaut hat. "Fast jeder zweite überholt Autos auch mal links oder schlängelt sich irgendwie quer durch den Verkehr", sagt sie.

Selbst- und Fremdwahrnehmung gehen weit auseinander

Insgesamt lässt sich sagen: Eigentlich verhalten sich alle im Straßenverkehr unaufmerksamer und aggressiver, aber das Selbst- und Fremdbild klaffen weit auseinander. Über 90 Prozent der befragten Autofahrerinnen und -fahrer behaupten etwa, dass sie besonders rücksichtsvoll an Radfahrenden vorbeiziehen. "Gleichzeitig beobachten aber auch knapp 90 Prozent, dass andere die Radfahrer zu eng überholen würden", sagt Nora Wilker.

Die Unfallforschung der Versicherer fordert nun Verkehrsplanende und auch Verkehrspsychologen und -psychologinnen auf, Konzepte gegen aggressives Verhalten im Verkehr zu entwickeln. Denn natürlich erhöhen Aggressionen, Provokationen und unaufmerksames Verhalten die Unfallgefahr – und gefährden damit auch die Gesundheit und das Leben von anderen Menschen.

Shownotes
Verkehr
Mehr Aggressionen auf der Straße
vom 18. August 2026
Moderatoren: 
Krissy Mockenhaupt und Nik Potthoff
Gesprächspartnerin: 
Nora Wilker, Deutschlandfunk Nova