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Markus (Foto) ist 30, als er die Diagnose Darmkrebs bekommt. Es folgen Operation, Chemotherapie, Reha. Was die Diagnose mit seinem Leben gemacht hat und ob Krebsfälle bei jungen Menschen wirklich zunehmen, unboxen wir in dieser Folge.

Immer wieder – in unregelmäßigen Abständen – hat Markus Bauchschmerzen. Er kommt kurz mal auf den Gedanken, dass es eine Krebserkrankung sein könnte, schiebt diese Eingebung dann aber weg, weil er eigentlich zu jung für solch eine Diagnose ist. Das denkt er zumindest – und geht von einer Magenentzündung aus.

Er vereinbart einen Arzttermin, um sich untersuchen zu lassen. Dann der Schock: Diagnose Darmkrebs. Die starken Unterleibsschmerzen, die Markus hatte, sind im Nachhinein betrachtet ein Glücksfall. Denn sonst hätte er die Symptome seiner Erkrankung möglicherweise erst viel später festgestellt.

Die Symptome für eine Tumorerkrankung im Darm können sehr unterschiedlich sein: Das Deutsche Krebsforschungszentrum rät beispielsweise, auf folgende Auffälligkeiten zu achten:

  • Anhaltende Verdauungsbeschwerden
  • Auffälliger Stuhl (beispielsweise, wenn er Blut enthält)
  • Schmerzen im Bauchraum

Mit knapp 30: Zielstrebig, lebenslustig und an Darmkrebs erkrankt

Mit knapp 30 ist Markus plötzlich mit dieser schweren Erkrankung konfrontiert – und auch damit, dass er eine große Operation überstehen muss und schlimmstenfalls sterben könnte.

Markus ist Doktorand, sportlich und unternehmungslustig. Sein Leben, das bis zu diesem Zeitpunkt in recht geordneten Bahnen verlief, wird auf den Kopf gestellt. Er weiß nicht, was ihn in den kommenden Tagen, Wochen, Monaten – vielleicht sogar Jahren – erwartet. Die Unsicherheit ist zunächst groß. Aber er verdrängt die Krankheit nicht. Er akzeptiert, dass er Darmkrebs hat.

"Ich war ziemlich geschockt, aber andererseits auch so gut aufgefangen worden, von super Ärztinnen und Ärzten, und einem richtig guten Umfeld."
Markus, ist jung an Darmkrebs erkrankt

Ganz entscheidend ist für ihn in diesem Moment, dass sein Umfeld ihn auffängt. Egal, ob Ärzte, Freunde oder seine Familie – Markus fühlt sich gehalten und getragen. Und: Er ist von Anfang an optimistisch. Er ist sich sicher, dass er die Krankheit übersteht und wieder gesund wird.

Bereits eine Woche nach seiner Darmspiegelung, bei der der Tumor festgestellt wird, folgt die Operation. Das Gute: Der Tumor kann komplett entfernt werden.

Aber Markus' Ärzte empfehlen ihm dennoch, im Anschluss eine Chemotherapie zu machen. Das macht Markus auch. Die Behandlung geht sechs Monate lang und ist körperlich und mental anstrengend. Umso glücklicher ist Markus darüber, dass sie eine Woche vor Weihnachten 2024 endet.

Neuer Blick aufs Leben

Er nennt es das beste Weihnachtsgeschenk überhaupt und startet gelöst ins neue Jahr. Für Markus verändert die Erkrankung sein Leben. Seine Perspektive ändert sich: Er wertschätzt das Leben mehr, will Orte sehen und Dinge erleben, aber auch zielstrebig bleiben und seine Doktorarbeit abschließen.

Und: Er will Menschen Mut machen, die von einer Krebsdiagnose überrascht werden. Andere will er für dieses Thema sensibilisieren.

"Es ist mir ein Anliegen, dafür zu sensibilisieren, weil ich gemerkt habe, dass das Thema Krebs in unserem Alter nicht weit verbreitet ist. Aber es ist ein Thema, das alle angeht."
Markus, ist jung an Darmkrebs erkrankt

Pascal Kiss ist Wissenschaftsjournalist. Die Frage, ob immer mehr jüngere Menschen an Krebs erkranken, lässt sich seines Erachtens nach nicht eindeutig beantworten. Denn dabei müssten viele Faktoren beachtet werden. Eine Studie aus dem Jahr 2023 vermittelte den Eindruck eines extremen Anstiegs.

Bis zu 80 Prozent betrage dieser bei jüngeren Menschen, hieß es in dieser Studie. So dramatisch sei der Anstieg allerdings prozentual betrachtet nicht, sagt der Wissenschaftsjournalist.

Denn man müsse bei den Zahlen auch auch das Bevölkerungswachstum und die verbesserte Diagnostik berücksichtigen, erklärt Pascal Kiss.

"Es gibt Hinweise, dass der Anteil bei manchen Krebsarten auch bei jüngeren Menschen zunimmt."
Pascal Kiss, Wissenschaftsjournalist

Bei einem Bevölkerungsanstieg von zwei Milliarden Menschen (im Studienzeitraum 1990 - 2019) ist ein verhältnismäßiger Anstieg von Krebserkrankungen auch bei jüngeren Menschen nicht überraschend, sagt der Wissenschaftsjournalist.

Die verbesserte Diagnostik, auch durch routinemäßige Untersuchungen, sorge wohl auch dafür, dass mehr Erkrankungen festgestellt werden, die zudem wahrscheinlich auch früher erkannt werden.

Der allgemeine Anstieg der Krebszahlen, also nicht nur bei Jüngeren, sondern insgesamt, hängt wohl unter anderem damit zusammen, dass die Demografie sich wandelt und es immer mehr ältere Menschen gibt. Darauf weist das Deutsche Krebsforschungszentrum hin.

Unser Lebensstil begünstigt Krebs

Allerdings lässt sich anhand von Daten auch ein langsamer, aber kontinuierlicher Anstieg bei einigen Krebserkrankungen ablesen, sagt Pascal Kiss. Besonders bei Hautkrebs, Brustkrebs und Darmkrebs zeigt sich dieser Trend.

In der Altersgruppe zwischen 20 und 29 ist ein Anstieg bei Darmkrebs zu erkennen, aber auch bei 30- bis 39-Jährigen. In beiden Altersgruppen sind Frauen seltener betroffen als Männer.

Die Ursachen dafür, dass beispielsweise Darmkrebs zunimmt, führt der Wissenschaftsjournalist unter anderem auf unsere Lebens- und Ernährungsweise zurück.

Empfehlung: Viele frische Lebensmittel

Eine generelle Empfehlung laute beispielsweise, dass unsere Nahrung aus 75 Prozent frisch zubereiteten Lebensmitteln bestehen sollte. Viele greifen aber häufig zu Fertiggerichten und hoch verarbeiteten Lebensmitteln, sagt der Wissenschaftsjournalist.

Auch ein hoher Body-Mass-Index und Diabeteserkrankungen könnten die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, erhöhen.

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Weltkrebstag
Jung und krebskrank: Passiert das immer öfter?
vom 04. Februar 2026
Moderation: 
Ilka Knigge
Gesprächspartner: 
Pascal Kiss, ARD-Wissenschaftsredaktion
Gesprächspartner: 
Markus, war an Darmkrebs erkrankt
Unsere Quellen: