Ihr seid ständig erschöpft und genervt von der Arbeit und habt das Gefühl, nur noch zu funktionieren? Dahinter kann mehr stecken als ein paar stressige Wochen. Welche frühen Warnzeichen auf Burnout hindeuten und wann professionelle Hilfe sinnvoll ist.

Stressige Phasen im Job kennen viele. Entscheidend ist aber, ob wir uns davon noch erholen können. Denn wenn die Belastung dauerhaft bleibt, die Energie fehlt und wir zunehmend negativ auf unsere Arbeit schauen, kann das ein Warnzeichen für ein Burnout sein.

Psychiater und Psychotherapeut Bastian Willenborg betont allerdings: Burnout ist keine eigenständige medizinische Diagnose. Typischerweise lässt es sich über drei Bereiche beschreiben: starke Erschöpfung, eine zunehmende mentale Distanz zur Arbeit und sinkende berufliche Leistungsfähigkeit.

Burnout kann allerdings das Risiko erhöhen, dass sich daraus eine psychische Erkrankung entwickelt.

"Wenn du so eine arbeitsbezogene Überlastung hast, dich erschöpft fühlst, zunehmend zynisch wirst und weniger leistungsfähig, dann erhöht sich das Risiko für psychische Erkrankungen."
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut

Entscheidend ist außerdem der Bezug zur Arbeit. Entwickeln sich daraus beispielsweise eine Depression oder eine Angsterkrankung, betreffen die Beschwerden meist zunehmend auch andere Bereiche des Lebens: Hobbys machen weniger Freude, Treffen mit Freunden fallen schwerer oder selbst im Urlaub gelingt es nicht mehr, abzuschalten.

Viel Arbeit allein führt nicht zum Burnout

Nicht jede hohe Arbeitsbelastung endet automatisch in einem Burnout. Problematisch wird es vor allem dann, wenn hohe Anforderungen mit wenig Einfluss auf die eigene Arbeit zusammentreffen.

Auch fehlende Anerkennung, als unfair empfundenes Gehalt, ein unsicherer Arbeitsplatz oder wenig soziale Unterstützung können das Risiko erhöhen. Willenborg spricht in diesem Zusammenhang von einer "Gratifikationskrise": Wer viel leistet, aber dafür dauerhaft zu wenig Wertschätzung oder Belohnung erhält, kann zunehmend ausbrennen.

"Nur viel Arbeit bedeutet nicht: Ich kriege ein Burnout. Sondern viel Arbeit und ich habe aber keine Kontrolle über die Arbeit oder meine Arbeit wird nicht wertgeschätzt oder ich bekomme zu wenig Geld."
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut

Ein wissenschaftlich festgelegtes Phasenmodell gibt es laut Willenborg nicht. Häufig beginnt die Entwicklung aber schleichend: Erst kommt die dauerhafte Überforderung, dann gelingt die Erholung schlechter. Darauf können Erschöpfung, Zynismus gegenüber der Arbeit und ein Leistungsabfall folgen.

Warnzeichen: Keine Erholung mehr

Wer nach einem anstrengenden Arbeitstag müde ist, muss sich deshalb noch keine Sorgen machen. Ein frühes Warnsignal ist vielmehr, wenn Erholung über längere Zeit kaum noch funktioniert.

"Viel wichtiger finde ich die Frage: Erhole ich mich noch?"
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut

Auch das Gefühl, nur noch zu funktionieren und das eigene Leben kaum noch wahrzunehmen, sollte ernst genommen werden.

Um gegenzusteuern, können schon Veränderungen im Arbeitsalltag helfen: feste Pausen, klare Regeln zur Erreichbarkeit und weniger Unterbrechungen. Konflikte sollten möglichst angesprochen werden. Auch Aufgaben zu priorisieren und die Arbeitsmenge, wenn möglich, zu reduzieren, kann entlasten.

Außerhalb der Arbeit ist vor allem wichtig, tatsächlich abschalten zu können. Wer von zu Hause arbeitet, kann beispielsweise versuchen, den Arbeitsplatz räumlich vom restlichen Wohnbereich zu trennen. Arbeit im Bett oder ständige Erreichbarkeit machen diese Grenze dagegen schwieriger.

Freunde, Bewegung und Abstand können schützen

Auch soziale Beziehungen können vor Überlastung schützen – im Privatleben genauso wie im Job. Unterstützung durch Freundinnen und Freunde, Familie, Kolleginnen und Kollegen oder Führungskräfte kann helfen, mit Stress besser umzugehen.

Wie Erholung aussieht, ist dabei individuell. Nach einem Tag am Schreibtisch kann beispielsweise Bewegung besser funktionieren, als nur auf dem Sofa zu liegen. Entscheidend sei, herauszufinden, was tatsächlich dabei hilft, den Kopf von der Arbeit freizubekommen.

Professionelle Unterstützung wird vor allem dann wichtig, wenn die Beschwerden nicht mehr nur den Job betreffen.

"Vor allem dann, wenn sich dieses negative Erleben auf der Arbeit auf das andere Leben ausdehnt."
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut

Wenn Erschöpfung, negative Gedanken oder fehlende Erholung über mehrere Wochen anhalten und sich auch auf Freizeit, Beziehungen oder andere Lebensbereiche auswirken, rät Willenborg dazu, sich Unterstützung zu holen.

Shownotes
Wenn Arbeit auslaugt
Warnzeichen von Burnout ernst nehmen
vom 06. September 2026
Moderatorin: 
Rahel Klein
Gesprächspartner: 
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut