Korruption, geheime Deals und ein Machtwechsel an der FIFA-Spitze: Die Geschichte der WM 2026 beginnt lange vor dem Anpfiff. Wie wurde FIFA-Präsident Gianni Infantino zum mächtigsten Mann des Fußballs?
Gianni Infantino: US-Präsident Donald Trump bezeichnet er als "engen Freund". Als FIFA-Präsident ist er spendabel. Und er sagte einst, er könne sich in die Lage von Arbeitsmigranten versetzen – die für die Fußball-WM nach Katar kamen, und deren Arbeitsbedingungen immer wieder kritisiert wurden.
Doch wer ist FIFA-Präsident Gianni Infantino wirklich? Wie konnte er so mächtig werden? Und warum erfährt er Kritik? Mit diesen Fragen haben sich die Deutschlandfunk-Sportjournalisten Maxi Rieger und Matthias Friebe für ihren Podcast "Behind the Games" beschäftigt.
Schon früh übernahm Infantino einen kleinen Verein
Nach der langen Recherche kann Maxi Rieger mittlerweile Sätze von Gianni Infantino vervollständigen. So sage der Präsident des Weltverbandes ständig, die kommende FIFA Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko werde eine Abfolge von 100 Superbowls. Vor US-Publikum sage Infantino häufig, dass der Sport überall in der Welt Football heißt, nur hier Soccer.
Der FIFA-Präsident wurde 1970 in der Schweiz als Sohn italienischer Gastarbeiter geboren. Seine Kindheit war schwierig, weil Italiener dort häufig diskriminiert wurden. Doch damals begann schon seine Leidenschaft für den Fußball. Und fürs Management: Mit Freunden übernahm er einen kleinen italienischen Verein in den Schweizer Bergen.
Infantino, der Nachrücker
Dann machte er eine steile Karriere: Infantino wurde 2009 Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union UEFA. Dass er 2016 die Nachfolge von Sepp Blatter als FIFA-Präsident antrat, hatte er Korruptionsermittlungen zu verdanken.
Denn eigentlich war der Franzose Michel Platini als Präsident gesetzt, erklärt Maxi Rieger. Sepp Blatter kündigte wegen der FIFA-Korruptionsaffäre seinen Rücktritt an. Bei den Ermittlungen kommt heraus, dass die FIFA zwei Millionen Euro an Platini zahlte.
Wie kam die Fußball-WM nach Nordamerika?
Die FIFA-Ethikkommission sperrte Platini und Blatter deshalb – der Weg war frei für Gianni Infantino. Platini wurde erst 2022 von den Vorwürfen freigesprochen.
Im Wahlkampf versprach Infantino den mehr als 200 Fußballverbänden, die Mitglied der FIFA sind und den neuen Präsidenten wählen, mehr Geld. "Das Geld der FIFA ist euer Geld", sagte er. "Das ist die Grundlage seiner Macht", erklärt Maxi Rieger.
"Er hat gar keine Skrupel, mit wem er Deals eingeht."
Denn dieses Wahlversprechen hielt Infantino. Anfang der 2000er hatte die FIFA finanzielle Probleme, die Infantino löste. "Das schaffte er, weil er gar keine Skrupel hat, mit wem er Deals eingeht", sagt Maxi Rieger.
So sponsort Saudi Aramco, der staatliche Erdölkonzern von Saudi-Arabien und der weltweit größte Ölproduzent, die FIFA. Und Infantino möchte unbedingt die Fußball-WM 2026 in die USA bringen. Es wird die größte WM aller Zeiten, mit 48 statt zuvor 32 Mannschaften. Für die FIFA geht es um zweistellige Milliardenbeträge.
Mit Marokko gab es zwar einen aussichtsreichen Gegenkandidaten. Doch Infantino und Trump haben schon vorher ausgemacht, dass die WM in die USA kommt. Das gab Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos 2020 sogar zu. "Du wolltest die WM und ich wollte die WM, wir haben das gemeinsam gemacht, noch bevor ich ins Amt kam", sagte Trump. Ein Deal, der nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollte.
Genau so laufe es häufig. "Wenn etwas bei einer WM-Vergabe keine Rolle spielt, dann ist es die Bewerbung, die interessiert niemanden", sagt Alexander Koch, ein ehemaliger Kommunikationsmitarbeiter der FIFA.
"Es geht nicht darum, was am besten für den Fußball ist."
Was zählt: Welche Kontakte man hat, welche Versprechungen man abgeben kann und wie viel Druck man auf die Länder ausüben kann, erklärt Maxi Rieger. "Es geht nicht darum, was am besten für den Fußball ist."
Dabei wird häufig betont, Fußball und Politik trennen zu wollen. "Gianni Infantino verwischt diese Grenze so sehr, wie das vielleicht kein anderer Sportfunktionär vor ihm gemacht hat", stellt Maxi Rieger klar.
FIFA sitzt in Trumps "Friedensrat"
Nur ein Beispiel dafür sei der FIFA-Friedenspreis. Den dachte sich Infantino aus und überreichte ihn Donald Trump, weil der sich immer beschwert hat, keinen Friedensnobelpreis bekommen zu haben.
Die FIFA sitzt auch in Trumps "Friedensrat". Deshalb gibt es mittlerweile sogar eine Ethikbeschwerde, denn der FIFA-Präsident muss politisch neutral sein. "Das ist er ganz offensichtlich nicht."
Kein Kulturwandel nach dem Korruptionsskandal
Vor allem hat Gianni Infantino Macht. Er gebe im Hinterzimmer die Richtung vor. Und die Verbände bekommen mehr Geld, genauso wie die Funktionäre.
"Wenn man wie DFB-Präsident Bernd Neuendorf dafür, dass er im FIFA-Rat sitzt, 250.000 US-Dollar pro Jahr bekommt, dann kritisiert man vielleicht nicht mehr so viel", sagt Maxi Rieger. Eigentlich wollte sich die FIFA nach dem Korruptionsskandal 2015 verändern. Doch Maxi Rieger sagt, es habe keinen Kulturwandel gegeben. "Es ist schlimmer geworden."
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