Bloß kein Stress?! Von wegen! Stress macht uns produktiver und dadurch auch zufriedener - wenn wir es richtig anstellen.

Ihr seid grade im Stress? Perfekt! Genau der richtige Zeitpunkt, sich zusätzlich zu all den eh schon drängenden Aufgaben noch eine neue Aufgabe aufzuhalsen. Um dadurch noch glücklicher, zufriedener und effektiver zu werden! Sagt zumindest Keith Wilcox. Der US-Forscher und sein Team von der Columbia State University haben folgenden Versuch gestartet: Ein Produktivitäts-Experiment mit 28.806 Teilnehmern, die allesamt eine To-Do-List-App benutzt haben. Darüber konnten die Wissenschaftler beobachten, wie die Teilnehmer Aufgaben planen, erfüllen oder verschieben.

Stress macht uns produktiver

Das auf den ersten Blick überraschende Ergebnis: Wer besonders beschäftigt war - also immer schön viele Aufgaben auf seiner To-Do-Liste gleichzeitig hatte - rutschte weniger oft ab in die Prokrastination, hat Aufgaben also weniger stark aufgeschoben. Kurz: Wer beschäftigter ist oder es zu sein glaubt, der prokrastiniert weniger.

"Wenn ich eine Deadline habe und ein paar Aufgaben im Hintergrund, von denen ich weiß, da muss ich liefern, kann das schon helfen. Die Frage ist nur, wie viele Aufgaben."
Markus Dörr, Coach und Experte für Zeitmanagement

Der Coach und Zeitmanagement-Experte Markus Dörr rät allerdings, es nicht zu übertreiben: "Wenn ich weiß, ich habe zehn Deadlines am nächsten Tag und ich erreiche sie nicht, bringt es mir nichts, mir noch zwei Aufgaben mehr aufzuhalsen - das hat dann eher etwas mit Realitätsverlust zu tun."

Zu viele Aufgaben und zu wenige davon schaffen - das nennt Markus Dörr Demotivation mit Ansage. Dann doch lieber: Planen mit Puffer. Am Abend vorher die am nächsten Tag anstehenden Aufgaben grob notieren. Dann - so verspricht Markus Dörr - werdet ihr durch geschicktes Priorisieren, mehr Bewusstheit und weniger Gehetze eure Aufgaben nicht nur in einer anderen Qualität abliefern - sondern auch noch rechtzeitig.