Constantin Schreiber war wieder für seine TV-Serie "Moscheereport" in deutschen Moscheen unterwegs. Diesmal ging es ihm um Islam und Homosexualität. Im Gespräch erzählt Constantin von seinen Begegnungen.

Seit 2017 gibt es den "Moscheereport". In der TV-Reihe spricht der Journalist Constantin Schreiber mit muslimischen Gläubigen, mit Imamen und Wissenschaftlern. Diesmal wollte Constantin mehr zu Islam und Homosexualität wissen.

Schwulsein unter Muslimen

Für seine Reportage hat er unter anderem den Libanesen Ibrahim getroffen. Er ist schwul. In seiner Heimat Libanon, so berichtet er, ist ihm ein angebliches Date zur Falle geworden. Islamisten haben auf ihn gewartet: Sie haben ihn geschlagen und aus dem dritten Stock vom Balkon geworfen.

2015 ist Ibrahim nach Deutschland geflohen. Im Interview mit Constantin erzählt er, dass er sich in Deutschland ein neues Leben aufgebaut hat.

Porträtfoto Constantin Schreiber
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Constantin Schreiber spricht fließend Arabisch. Seine TV-Reihe "Moscheereport" läuft auf Tagesschau 24.

Constantin hat auch nach Gesprächspartnern in deutschen Moscheen gesucht. Einzig ein Imam in Berlin ist bereit gewesen, mit ihm zu sprechen. In den Moscheen werde erwartet, dass Schwule nicht über ihre sexuelle Orientierung sprechen, sagt Constantin. In der islamischen Gemeinde, um die es im Moscheereport geht, müssen Mitglieder ein Aufnahmeformular unterschreiben, in dem sie unter anderem erklären, dass sie nicht homosexuell sind.

Was steht im Koran?

Laut Koran-Experte geht es im Koran nicht explizit um Homosexualität und die Frage, ob sie verboten ist oder nicht, sagt Constantin. Doch es gibt verschiedene Auslegungen des Korans.

"Wie bei ganz vielen Dingen, wenn man über Religion spricht, kommt es darauf an, was die Theologie daraus macht."
Constantin Schreiber, Tagesschau-Moderator

Die Interviewpartner haben aber auch erklärt, dass der Islam früher sehr viel liberaler gegenüber Homosexuellen war - auch im Vergleich zur westlichen Welt. "Es ist immer die Frage, was Imame und was die muslimische Theologie daraus macht", sagt Constantin. Und zurzeit sei es so, dass es kaum liberale Ansätze gebe.

Europäischer Homophobie-Export

Inwieweit Homophobie kulturell und/oder religiös geprägt ist, ist nicht einfach zu bewerten, sagt Constantin. Im Nahen Osten wurden gerade während der Kolonialzeit Tabus gegenüber Homosexuellen quasi durch die Kolonialmächte importiert. "Die Europäer sind irgendwann gegangen und die Homophie ist geblieben", sagt Constantin.

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