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Russland braucht dringend Soldaten für den Drohnenkrieg gegen die Ukraine. Die Kreml-Regierung will deshalb auch Studierende verpflichten. Obwohl niemand während des Studiums einberufen werden darf, versucht es das Regime dennoch.

Russland braucht für seinen Krieg gegen die Ukraine immer mehr Soldaten. Deshalb versucht das Militär, auch Studierende für den gefährlichen Einsatz an der Front zu gewinnen.

Es gibt keine offiziellen Zahlen zu der Rekrutierung von Studierenden, da während des Studiums niemand einberufen werden darf, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Evgenii Dulepinskii. Laut dem unabhängigen russischen Journalistenteam "Faridaily" verlangt das Ministerium für Wissenschaft und Hochschulbildung von den Universitäten jedoch, dass mindestens 2 Prozent der Studierenden Vertragssoldaten werden.

Armee hofft auf Riesenpotenzial durch Studierende

Im letzten Jahr waren über 2 Millionen Männer an Universitäten eingeschrieben, das wären dann rund 40.000 Soldaten auf einen Schlag für die russische Armee. Da sind Studierende an den Berufsfachschulen noch nicht einberechnet, die auch rekrutiert werden sollen.

Das russische Studentenmedium "Grosa", das mittlerweile aus dem Exil berichtet, hat Fälle an 269 Universitäten und Berufsfachschulen dokumentiert, wo Studierende für den Dienst in Drohnentruppen angeworben wurden. "Die Dunkelziffer dürfte aber deutlich höher sein", sagt Evgenii.

"Auch russische Menschenrechtler, mit denen ich gesprochen habe, berichten von vielen Studierenden, die vom Militär angeworben werden und sich dann Rechtsberatung suchen."
Evgenii Dulepinskii, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Unserem Reporter ist es gelungen, mit Menschenrechtsaktivisten und Studierenden zu sprechen. Daniel (Name geändert), ein Student aus Moskau, hat ihm erzählt, dass an seiner Uni eine Veranstaltung stattgefunden hätte, um Studierende für die Drohnentruppe zu gewinnen.

"Als Gruppensprecher sollte ich das an meine Kommilitonen weiterleiten. Ich sehe das aber kritisch und habe es nicht gemacht. Ich habe allen geraten, sich davon fernzuhalten."
Daniel, Student in Moskau (Name geändert)

Es werde von Seiten der Uni mit Druck gearbeitet. Besonders die Studierenden, die im Studium nicht so erfolgreich sind, würden zu Gesprächen bei der Prüfungskommission eingeladen, berichtet Daniel. Sie sollen einen Vertrag für den Dienst bei einer Eliteeinheit unterschreiben. "Das war für mich ein Schock", sagt Daniel.

Mit Druck und Tricks dauerhaft für die Armee verpflichtet

Studierenden würde angeboten, statt einer Exmatrikulation ein Urlaubssemester zu nehmen, um als Drohnenpiloten zu dienen. Dort könnten sie viel Geld verdienen oder müssten später nichts mehr fürs Studium bezahlen. Vor allem würde ihnen versprochen werden, dass der Militärvertrag nur ein Jahr dauere.

Da aber in Russland die Mobilmachung weiterhin gilt, sind alle Militärverträge faktisch unbefristet. Sonderregelungen für Studierende gibt es nicht, auch wenn ihnen das versprochen werden würde, warnen Menschenrechtsaktivisten.

Die Studierenden sind entweder durch den staatlichen Druck eingeschüchtert oder gleichgültig, weil sie denken, es werde sie nicht betreffen, erzählt Daniel.

"Die Universität sollte nicht als Instrument staatlicher Propaganda dienen. Lehrkräfte sollten ihre Studierenden schützen – und so etwas boykottieren, statt bei dieser tödlichen Propaganda mitzumachen."
Daniel, studiert in Moskau

Wie viele Soldaten aus dem Kreis der Studierenden so gewonnen werden konnten, ist unbekannt. Menschenrechtsaktivisten berichten, dass Studierende selten freiwillig in die Armee gehen.

Auch Daniel kennt keine Studierenden an seiner Uni, die einen Militärvertrag unterschrieben haben. Evgenii sagt: "Viele Russen, die den Krieg nicht unterstützen, hoffen, dass die Kampagne weitgehend ins Leere läuft."

Shownotes
Zwangsrekrutierung
Russlands Plan, Studierende für den Krieg zu gewinnen
vom 12. Mai 2026
Moderatorin: 
Lena Mempel
Gesprächspartner: 
Evgenii Dulepinskii, Deutschlandfunk-Nova-Reporter