Überlegt es euch gut, ob ihr einer App Zugriff auf das Smartphonemikro erlaubt. Das Mikro könnte genutzt werden, um heimlich Informationen über das Nutzungsverhalten zu sammeln – und zwar über Audiosignale im Ultraschallbereich, die wir Menschen nicht hören können.

Viele Apps, die wir auf unser Smartphone installieren, fragen nach einer Zugriffserlaubnis für das Mikrofon. Zum Verschicken von Audionachrichten zum Beispiel ist das ja durchaus eine sinnvolle Sache. Forscher der Uni Braunschweig haben jetzt aber über 234 Androidapps identifiziert, die die Freigabefunktion des Mikrofons missbrauchen.

"Diese Spionageapps, die suchen mit dem Mikrofon nach Tonsignalen, die wir Menschen gar nicht hören können."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova

So senden beispielsweise Geschäfte Audiosignale aus und wissen damit, dass wir gerade den Laden betreten haben oder vor einem Plakat stehst. Informationen, die Unternehmen helfen, Werbung noch genauer zu personalisieren. "Bei den 35 untersuchten Geschäften in zwei EU-Städten war das Signal in vier Geschäften zu hören", sagt unser Netzreporter Andreas Noll. 

Noch steckt die Technik in den Kinderschuhen, aber sie wird immer populärer. In TV-Streams ist es aber bislang noch nicht nachgewiesen worden.

Gefahr auch in den eigenen vier Wänden

Auch wer zu Hause mit einem stationären Computer surft, ist vor den Audiosignalen nicht sicher. Jede Webseite könnte im Prinzip ein Ultraschallsignal senden und den Nutzer dann eindeutig identifizieren - egal, ob die Privatsphäreeinstellungen beim Browser auf Maximum gestellt sind oder nicht. Das kann für scheinbar harmlose Werbung genutzt werden, aber auch für Dinge, die die Privatsphäre massiv verletzen können, so Andreas Noll.

Nicht jede App ist böse

Von den  234 identifizierten Apps sind aber nicht alle gleich bedenklich, sagt Andreas. Wer zum Beispiel spezielle Gutscheinprogramme von Geschäften nutzen will, muss sich orten lassen, sonst funktioniert das nicht. Manches Tracking ist vielleicht also vertretbar, sagt Andreas, andere Apps hingegen machen datenschutzrechtlich verbotene Dinge. 

Wer Informationen über sein Verhalten, Interessen und Gewohnheiten schützen will, der sollte auf jeden Fall die Zugriffsrechte in den Einstellungen seines Smartphones überprüfen. Ist es wirklich notwendig, dass ein Spiel oder eine Newsapp dein Mikro benutzt?

"Der Rat muss also hier erst einmal lauten: So wenig Rechte wie möglich den Apps geben und im Zweifelsfall lieber auf die App verzichten."
Andreas Noll, Deutschlandfunk Nova