Jered Threatin ist Musiker. Weil er nicht warten wollte, bis sich der Erfolg von alleine einstellt, hat er sich einfach eine glamouröse Karriere gefaked.

Die Band: Fake. Die Karriere: Fake. Die Europa-Tournee: Fake. Das einzige, was echt ist: die Musik. Die stammt von Jered Threatin, Musiker aus Los Angeles. Weil er keinen Bock hatte zu warten, bis irgendwer zufällig auf ihn aufmerksam wird, hat er die Dinge selbst in die Hand genommen.

Professionell und fake

Er hat sich eine sagenhafte Karriere als Metal-Musiker kreiert. Zum Beispiel mit einer professionellen Website, die er für seine Band "Threatin" ins Netz gestellt hat. Für seine Facebook-Seite hat er sich ordentlich Fans gekauft und auf seinem Youtube-Kanal findet man einige ziemlich gut produzierte Videos, wie das zu seiner aktuellen Single "Living is Dying", ein "behind the scenes"-Clip oder ein Interview. Letzteres ist inzwischen allerdings gelöscht.

"In dem Video erklärt er, dass es für ihn einfacher und schneller ist, alles selbst zu spielen und aufzunehmen, als anderen Musikern zu erklären, wie es klingen soll."
Sebastian Sonntag hat das inzwischen gelöschte Interview von Jered gesehen

Unser Reporter Sebastian Sonntag hat das Interview noch gesehen, bevor es vom Netz genommen wurde: "Jered kommt darin ziemlich selbstbewusst rüber", sagt er. Und er kauft ihm auch ab, dass er alle Instrumente selbst gespielt hat. Einige von Jereds Videos auf Youtube sind auch erstaunlich erfolgreich, haben viele Views und Likes. Aber auch da hat der Musiker wohl ein wenig nachgeholfen.

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Auf einem dieser Videos ist Jered Threatin sogar live auf der Bühne vor einem feiernden Publikum zu sehen. Aber auch das Video wirft Zweifel auf, denn man sieht entweder ihn auf der Bühne oder das Publikum. Das ist also ziemlich geschickt geschnitten. Aber: Der ganze Auftritt hat gereicht, damit Jered sich eine Europa-Tournee zusammenbuchen konnte.

"Auf seiner Tour-Ankündigung standen vor allem Clubs in Großbritannien drauf, aber auch in Frankreich, Italien und Deutschland."
Sebastian Sonntag über die "Europa-Tournee" von Jered Threatin

Einen Termin hatte sich Jered Threatin auch in Deutschland gesichert. Der Gig sollte im Café Central in Weinheim stattfinden. Das gehört Michael Wiegand. Und der sagt, der Musiker wollte seine Location einfach mieten:

"Wir wollten halt 1000 Euro Miete. Dann hab ich so einen kleine Vertrag aufgesetzt und dann hat er auch innerhalb von zwei Tagen überwiesen."
Michael Wiegand, Besitzer des Café Central in Weinheim

Ob und wie viele Menschen am Ende zum Konzert kommen, ist für Michael Wiegand nicht so wichtig. Klar, er hatte ein wenig mit Getränke-Einnahmen gerechnet. Aber 1000 Euro für einen Abend, das ist für den Café-Besitzer schon in Ordnung. Selbst gebucht hätte Michael Wiegand den Musiker aber nicht, denn dann wäre er davon abhängig gewesen, Karten zu verkaufen.

Ich fake mir die Welt, wie sie mir gefällt

Kontakt hatte Michael Wiegand zu dem Musiker ausschließlich per Mail. Sebastian Sonntag durfte einen Blick in den E-Mail-Verkehr der beiden werfen und findet: Am Anfang klang das alles noch ziemlich professionell.

"Die Mails kommen von einer Casy Marshall von einer Booking-Agentur mit dem Namen Stage Right-Bookings."
Sebastian Sonntag über den E-Mail-Verkehr zwischen Musiker und Club-Besitzer

Auch die Booking-Agentur hat eine offizielle Website, aus der hervorgeht, dass offensichtlich mehrere Bands in der ganzen Welt betreut werden. Darunter auch Threatin. Allerdings kann man auf der ganzen Website nichts anklicken - außer dem Kontaktformular. Es ist also nicht ganz unwahrscheinlich, dass Bookerin Casey samt Agentur auch von Jered gefaked sind.

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Aufgeflogen ist das Ganze, weil zu den paar Konzerten, die Jered mit gebuchten Musikern tatsächlich in Europa gespielt hat, einfach keine Leute gekommen sind. Bestenfalls mal eine Hand voll. Die Clubbesitzer haben sich dann gegenseitig informiert, dass da was nicht stimmen kann.

"Aber immerhin: Die drei, vier Leute, die eins seiner Konzerte gesehen haben, sagen, dass er eine echt ziemlich gute Show abgeliefert hat."
Sebastian Sonntag über das Urteil der Konzertbesucher

Das Krasse an der Geschichte ist, findet Sebastian Sonntag, wie viel Kohle und auch Energie Jered Threatin in diesen Fake gesteckt hat. Die hätte man vielleicht besser investiert, um eine echte Karriere als Newcomer zu starten, so sein Urteil.

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