Plötzlich läuft ein Elefant vors Auto - überrascht?! Wie Überraschungen bei uns ablaufen, hat ein Psychologe analysiert: Erst wundern, dann kurz nachdenken und danach freuen oder ausrasten.

In Neuwied in Rheinland Pfalz ist ein Elefant durch die halbe Stadt marschiert, ganz allein – links und rechts viele Leute mit offenen Mündern. 

Der Elefant ist bei einem Zirkus ausgebüxt, der gerade in der Stadt gastiert, berichtet unsere Reporterin Caro Bredendiek. Wahrscheinlich hat er den Elektrozaun seines Geheges zerrissen und ist dann einen Kilometer weit durch Neuwied spaziert. Dabei wurde niemand verletzt und das Tier hat sich ganz friedlich wieder einfangen lassen.

Die Elefantendame Kenia am 6. Juni 2018 auf dem Weg durch Neuwied
© Polizeidirektion Neuwied/Rhein
Die Elefantendame Kenia am 6. Juni 2018 auf dem Weg durch Neuwied

Für die Einwohner von Neuwied eine Sensation: Du biegst um die Ecke und dann steht da ein Elefant. Caro hat sich gefragt: Was passiert in solchen Situationen in unserm Kopf, was passiert mit uns bei Überraschungen?

Per Definition ist eine Überraschung ein Ereignis, das unerwartet ist, das wir nicht vorhersehen konnten. Das setzt eine  Erwartung darüber voraus, was normal für uns ist. Sonst könnten wir Abweichungen  - Überraschungen – nicht erkennen, erklärt Caro.

Verschiedene Überraschungsgrade

Der Sozialpsychologe Fritz Strack sagt, so erkläre sich, dass ein Zirkusmitarbeiter vom Elefanten weniger überrascht sei als ein Anwohner in Neuwied.

"Wenn der Herr aus dem Zirkus den Elefant sichtet, dann ist der wahrscheinlich weniger überrascht als der Anwohner, weil der Herr aus dem Zirkus wahrscheinlich schon diese Erwartung hat, den Elefant irgendwo sehen zu können."
Fritz Strack, Sozialpsychologe

Bei demjenigen, der überrascht wird, funktioniert der Autopilot nicht mehr. Eine automatische, antrainierte Reaktion kann es bei einer neuen Situation nicht geben – nur eine neue und spontane Reaktion. 

Fritz Strack hat den Ablauf von Überraschungsreaktionen untersucht. Dabei hat er die Mimik analysiert und festgestellt: Es gibt immer wieder einen Moment, bei dem überraschte Menschen die Augenbrauen zusammenziehen. Das ist immer die erste Reaktion bei Überraschungen. Darin zeigt sich die Anstrengung, etwas verstehen zu wollen.

"Im Verlauf ist es zunächst eine ganz kurze negative Emotion, die aus der Anstrengung resultiert, das Unerwartete verstehen zu wollen. Dann kommt es zu einer Bewertung."
Fritz Strack, Sozialpsychologe

Die Überraschung ist ein Zwischenmoment: Erst wundern, dann kurz nachdenken und danach freuen oder ausrasten.

Kalkulation bringt Langeweile

Grundsätzlich sind Überraschungen keine Anstrengung. Viele Leute tendieren dazu, alles zu kalkulieren. Sie gucken schon vorher mal in die Speisekarte in dem Restaurant, wo sie essen gehen möchten, Besuche werden eine Woche im Voraus angekündigt. Das hilft bei der Orientierung, gibt Sicherheit, aber das bringt auch Langeweile.

Caro findet, dass überraschende Blumengeschenke eben mehr Freude machen, als angekündigte. Und bei dem Elefanten ist es wahrscheinlich auch gut, dass es eine Überraschung war: Die Leute in Neuwied können noch in zehn Jahren davon erzählen.

Mehr zum Thema Gehirn bei Deutschlandfunk Nova: