Hypnose wurde lange Zeit als Humbug abgetan - heute wird sie in der Medizin eingesetzt, etwa um Schmerzen beim Zahnarzt zu lindern oder bei Schlafstörungen zu helfen. Dabei ist wenig erforscht, was die Hypnose genau in unserem Gehirn macht.

Eine Studie der Uni Jena hat jetzt gezeigt, dass die Hypnose nicht die Wahrnehmung selbst verändert, sondern eher Einfluss darauf nimmt, was unser Gehirn mit der Wahrnehmung macht. Die Forscher haben dafür Probanden Quadrate auf einem Bildschirm zählen lassen - zunächst ohne Hypnose, dann hypnotisiert.

Imaginäres Brett stört beim Zählen

Den hypnotisierten Probanden wurde suggeriert, sie hätten ein Brett vor dem Kopf, das ihnen die Sicht auf den Monitor versperrt. Das Ergebnis: Von den nicht-hypnotisierten Probanden zählten mehr als 90 Prozent die richtige Anzahl der Quadrate. Von den hypnotisierten Probanden löste lediglich die Hälfte die Aufgabe richtig.

Der Input bleibt unverändert

Während des Experiments zeichneten die Forscher die Hirnströme der Probanden auf. Bei den Hypnotisierten zeigte sich, dass die Signale, die direkt nach dem visuellen Reiz im Gehirn entstehen, keine Auffälligkeiten zeigten. Der Input bleibt also auch bei Hypnose unbeeinflusst. Die Signale, die erst nach der Verarbeitung durch das Hirn entstehen, fielen hingegen deutlich schwächer aus. 

"Es ist spannend, dass der Sehsinn, den wir für sehr objektiv halten, so stark beeinflussbar ist."
Barbara Schmidt, Biologische und Klinische Psychologie Uni Jena

Hypnotisierte sehen demnach zunächst ganz normal. Das Gehirn nimmt den optischen Reiz auf und verarbeitet ihn. Erst nach dieser Verarbeitung wird der Reiz in deutlich geschwächter Form weitergegeben.

Kommunikationsstörung im Hirn

Die Forscher aus Jena gehen davon aus, dass der Kommunikationsprozess im Gehirn gestört wird. Der Bereich, der für die Aufnahme des Reizes zuständig ist, kann nicht mehr mit dem Bereich zu kommunizieren, der für die Verarbeitung verantwortlich ist. Das korrekte Zählen der Quadrate wird dadurch gestört. 

Warum unser Gehirn diese Fähigkeit besitzt, will das Team der Uni Jena in weiteren Experimenten untersuchen.