Moaz' Eltern sind vor drei Jahren beim Hamas-Angriff auf Israel umgebracht worden. Er kann sich trotzdem eine gemeinsame Zukunft für Israelis und Palästinenser vorstellen. Und dann ist da noch die Wahl.
Es ist einer der größten Massenmorde an Jüdinnen und Juden seit dem Holocaust: Am 7. Oktober 2023 töteten Hamas-Kämpfer fast 1200 Menschen. 251 Menschen wurden aus Israel in den Gazastreifen entführt. Der Angriff richtete sich vor allem gegen Kibbuze und gegen das Nova-Musik-Festival.
Nach dem 07.10.2023 begann Israel eine große Offensive gegen die Hamas in den palästinensischen Gebieten in Gaza. Dabei kamen palästinensischen Angaben zufolge über 60.000 Menschen ums Leben. Die Unicef geht davon aus, dass mehr als 50.000 Kinder im Gazakrieg getötet oder verletzt wurden. Laut palästinensischen Behörden sind mindestens 20.000 Minderjährige in Gaza durch die Angriffe der israelischen Armee getötet worden.
Trauer in Israel, Not und Leid in Gaza
Seit dem 10.10.2025 ist eine Waffenruhe in Gaza in Kraft, doch nach wie vor gibt es Kampfhandlungen, nach wie vor gibt es zahlreiche Tote und Verletzte. Hilfsgüter kommen nur stark kontrolliert in den Gazastreifen. Es fehlt an sauberem Trinkwasser, medizinischer Versorgung, Nahrung und einer verlässlichen Stromversorgung. Über 1,7 Millionen Menschen leben in Behelfsunterkünften, bei rund 2,1 Millionen Einwohnern.
"Meine Eltern gehörten zu den ersten Opfern des Hamas-Angriffs. Am 7. Oktober, morgens um 7.45 Uhr, habe ich sie das letzte Mal gesprochen", sagt der israelische Autor und Friedensaktivist Maoz Inon. Bis 16 Uhr haben er und seine Verwandten versucht, die Eltern telefonisch zu erreichen.
Frieden als einzige Zukunft
Wir müssen Rache entschieden ablehnen, davon war Maoz Inons jüngerer Bruder überzeugt. Und er überzeugte auch seine Familie: "Er hat uns erklärt, dass Rache unsere geliebten Eltern, nicht ins Leben zurückbringen würde. Sie würde nur den Kreislauf des Blutvergießens immer weiter verschärfen."
"Der Verlust ist wie eine atomare Kraft. Ich entscheide mich, diese gewaltige zu nutzen, um Licht und Frieden zu bringen."
"Die Zukunft heißt Frieden", so haben Maoz Inon und der Palästinenser Aziz Abu Sarah ihr Buch genannt. "Ich wache morgens auf und frage mich: Wie kann ich heute Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung fördern?", sagt Maoz Inon.
"Wir fordern Sanktionen gegen all jene, die an religiöse Überlegenheit glauben, ethnische Säuberung befürworten oder auf Rache setzen."
Und dann ist da noch die israelische Regierung
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hingegen setzt auf Rache. Auf der Gedenkfeier für die Opfer des 7. Oktobers 2023 drohte er allen, die an dem Angriff und den Geiselnahmen beteiligt waren mit dem Tod. Er ist vom Internationalen Gerichtshof zur Fahndung ausgeschrieben. Der Vorwurf: Kriegsverbrechen in Gaza – unter anderem der Einsatz von Hunger als Waffe gegen die Zivilbevölkerung und unmittelbare Angriffe auf diese.
In Israel sieht sich Benjamin Netanjahu dem Vorwurf ausgesetzt, er sei vor dem Hamasangriff 2023 recht konkret gewarnt worden – von den Arabischen Emiraten zum Beispiel. Unter anderem die Zeitung Haʾaretz hat dazu recherchiert.
"Ich persönlich finde den Bericht sehr fundiert und kann mir vorstellen, dass es diese Warnungen – in dem Fall von den Vereinigten Arabischen Emiraten – wirklich gegeben hat", sagt Julio Segador. Er berichtet für Deutschlandfunk Nova aus Tel Aviv.
Am 27. Oktober 2026 wählt Israel ein neues Parlament. "Möglicherweise ist das Ganze auch wahlentscheidend", sagt Julio Segador, bezogen auf die Berichte, die verschiedene Vorwarnungen Benjamin Netanjahus beschreiben.
"Wenn sich das noch verfestigt, wenn neue Berichte kommen, dann glaube ich, kann sich Benjamin Netanjahu nicht halten."
Wie auch immer die Wahl ausgehen mag: Der Schlüssel zum Frieden im Nahen Osten und für die Sicherheit von Israelis und Juden in der ganzen Welt, liegt für den Autor und Aktivisten Maoz Inon klar in einer sicheren Zukunft der Palästinenser.
"Es wird für niemanden Sicherheit geben, weder für Israelis noch für Juden in der Diaspora, solange es für das palästinensische Volk keine Sicherheit und keine Gleichberechtigung gibt."
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