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Nach dem Wahlsieg Péter Magyars in Ungarn steigen die Chancen der Ukraine auf neue EU-Hilfen. Sofia aus Kiew freut sich darüber – wenn auch vorsichtig. Dass die Hilfen ein Ende des Krieges bedeuten würden, glaubt sie aber nicht.

Russland greift die Ukraine seit Beginn des Angriffskriegs fast jede Nacht mit Drohnen an. In der Nacht auf Donnerstag (16.04.2026) waren die Angriffe besonders heftig. Inzwischen gibt es auch tagsüber Attacken.

Für die Menschen im Land gehören Angriffe und die damit verbundene Unsicherheit zum Alltag. Auch für Sofia Oganesian, die in Kiew lebt. Wenn sie morgens aufwacht, greift sie als Erstes zum Handy.

"Es ist Teil der ukrainischen Kultur geworden, dass man seinen Nächsten morgens schreibt und fragt, wie es ihnen geht."
Sofia, ist zurück in die Ukraine gezogen

Zurück in die Ukraine – trotz Krieg

Sofia ist im Herbst 2025 nach Kiew zurückgekehrt. Sechs Jahre hatte sie zuvor in Hamburg gelebt, studiert und gearbeitet. Sie habe die Entscheidung zurückzugehen, sehr bewusst getroffen.

"Ich habe meine Familie, meine Freunde und mein Land sehr vermisst. In diesen schwierigen Zeiten wollte ich bei ihnen und Teil dieser Gesellschaft sein."
Sofia, ist zurück in die Ukraine gezogen

Sofia betont: "Ohne internationale Unterstützung wäre es unmöglich, in der Ukraine zu leben." Genau diese Unterstützung könnte jetzt leichter kommen. In Ungarn ist Viktor Orbán abgewählt worden. Sein Nachfolger Péter Magyar hatte angekündigt, EU-Hilfen für die Ukraine nicht länger zu blockieren.

Dabei geht es um rund 90 Milliarden Euro, die die EU der Ukraine als Kredit zur Verfügung stellen will. Sofia verfolgt die Entwicklungen genau – und reagiert mit vorsichtigem Optimismus: "Ich freue mich sehr für Ungarn und die Menschen dort. Gleichzeitig bin ich vorsichtig. Es ist noch zu früh zu sagen, was passiert."

ARD-Korrespondentin Gesine Dornblüt, die aus Kiew berichtet, sagt, dass es noch dauern könnte, bis das Geld tatsächlich fließt. "Péter Magyar hat angekündigt, die Blockade aufzugeben. Aber die Regierungsbildung wird dauern." Daher könnte es Wochen, vielleicht Monate dauern, bis das Geld freigegeben wird.

90 Milliarden – viel Geld, aber knapp gerechnet

Die Höhe des Kredits klingt enorm, ist aber laut Gesine Dornblüt eher das Minimum. "Es geht nicht um zusätzlichen Spielraum, sondern darum, einen Staatsbankrott zu verhindern." Die Journalistin erklärt: Allein für dieses Jahr liegt das Haushaltsdefizit der Ukraine bei rund 52 Milliarden US-Dollar. Bis 2029 könnten sich die Fehlbeträge auf mehr als 136 Milliarden summieren.

"Das Geld wird kein Gamechanger sein, ist aber essentiell notwendig, damit sich die Ukraine weiter verteidigen kann."
Gesine Dornblüt, ARD-Korrespondentin

Dabei, betont Gesine Dornblüt, sei die Ukraine kein Land, das nur Unterstützung brauche. Über die Jahre habe sie sich auch zu einem wichtigen Partner entwickelt. "Das Land gibt seine Expertise bei Drohnen und neuen Drohnenkampftaktiken an andere Länder weiter, zum Beispiel in den Nahen Osten."

Weiterleben in der Ukraine: Zwischen Hoffnung und Leid

Ein Ende des Krieges sei trotzdem nicht in Sicht. Für viele Menschen in der Ukraine bedeutet das: durchhalten. So auch für Sofia. Sie wünscht sich, dass Europa den Krieg nicht aus den Augen verliert. "Unsere Menschen sterben jeden Tag. Wir brauchen die Unterstützung genauso wie 2022."

Sofia Oganesian stehr vor einem Baum mit weißen Blüten
© Sofia Oganesian

Gleichzeitig geht das Leben weiter, sagt Sofia. Es gebe Momente der Hoffnung, aber auch Nachrichten von der Front, dass jemand, den man kennt, gestorben sei.

"Es ist die Absurdität dieses Lebens, dass Tod und Leben zusammen gehen. In der Ukraine spürt man das jeden Tag, jeden Moment."
Sofia, lebt in Kiew

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Shownotes
90 Milliarden
Was ein EU-Kredit der Ukraine bringen könnte
vom 16. April 2026
Moderation: 
Rahel Klein
Gesprächspartnerin: 
Gesine Dornblüth, ARD Korrespondentin in Kiew
Gesprächspartnerin: 
Sofia Oganesian, aus Kiew