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Auf Karten wird die sogenannte Völkerwanderung oft vereinfacht dargestellt. Es zogen keine ganzen Völker durch Europa, sondern wechselnde, gemischte Verbände. Von Mythen und Hunnen-Stereotypen und davon, wie die Migration am Ende der Antike verlief.

Lange Zeit wurde die Phase zwischen dem Einfall der Hunnen in Europa ab etwa 375 und der Gründung des Langobardenreichs in Italien 568 als Völkerwanderung bezeichnet. Auf Karten wurden mit bunten Linien die Züge der Völker durch den europäischen Kontinent bis in den Norden Afrikas nachgezeichnet.

Dahinter verbarg sich die Vorstellung, ganze Völker seien unterwegs gewesen auf der Suche nach neuen Siedlungsräumen. Der Grund dafür soll angeblich die Flucht vor den nach Europa drängenden Hunnen gewesen sein.

Heeresverbände wanderten, keine Völker

Doch mittlerweile wissen wir, dass ein tiefgreifender Wandel diese Epoche prägte. Er zog soziale, politische und kulturelle Umbrüche nach sich. Es war eine Epoche, in der mit dem Ende des weströmischen Reichs 476 ein machtpolitisches Vakuum entstand.

In dieser Folge Eine Stunde History beschäftigen wir uns mit der sogenannten Völkerwanderung. Dafür sprechen wir mit den Wissenschaftler*innen Mischa Meier, Roland Steinacher und Verena Epp.

Die Hunnen: ein Konglomerat aus Reiterkriegern

Der Althistoriker und Migrationsforscher Mischa Meier von der Universität Tübingen untersucht die Geschichte der sogenannten Völkerwanderung. Dabei befasst er sich auch mit den Hunnen, ihrem Vordringen nach Europa und den Folgen, die sie auf dem Kontinent ausgelöst haben. Er ist Autor des Buches "Die Hunnen. Die Geschichte der geheimnisvollen Reiterkrieger".

Ihre Geschichte zu beschreiben, ist schwierig, denn sie haben keine Zeugnisse hinterlassen. "Alles, was wir. über die Hunnen wissen, ist das, was römische Autoren über sie gesagt haben", so Mischa Meier, "und da haben wir das grundsätzliche Problem, dass antike Autoren immer mit Barbaren-Stereotypen gearbeitet haben."

"Man spekuliert zum Beispiel darüber, dass die Hunnen möglicherweise Flüchtlinge gewesen sind, die auf der Flucht waren vor noch stärkeren und größeren Reiterkriegerverbänden."
Mischa Meier, Althistoriker und Migrationsforscher

Die Idealisierung des Römischen Reiches

Der Althistoriker Roland Steinacher von der Universität Innsbruck befasst sich mit der Umgestaltung der römischen Welt im frühen mittelalterlichen Europa. Er beschreibt die Bedeutung der germanischen Verbände, die zur Sicherung der Außengrenzen des weströmischen Reichs engagiert worden waren.

Bei seiner Forschung zu Rom geht es auch darum, mit Stereotypen aufzuräumen.

"Beginnen wir mal damit, dass die römische Gesellschaft eine höchst hierarchische war und weit von diesen modernen Idealisierungen entfernt."
Roland Steinacher, Althistoriker

Die Identität der wandernden Gemeinschaften erklärt die Historikerin Verena Epp von der Universität Marburg. Sie arbeitet unter anderem zur mittelalterlichen Migrationsgeschichte.

Völker seien diese Gemeinschaften nicht gewesen. Eher Funktionsgemeinschaften, Kriegerbeutegemeinschaften oder auch Gewaltgemeinschaften.

Wanderung und die Folgen für das Römische Reich

Außerdem erklärt der Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Dr. Matthias von Hellfeld die Phasen der Wanderungen. Ebenso, welche Folgen die Migration für das Ende des Imperium Romanums hatte.

Und Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Christine Werner erzählt von den Vandalen und ihrem Zug von der Ostsee bis nach Nordafrika.

Kontakt

E-Mail: history@deutschlandfunknova.de

Shownotes
4. bis 6. Jahrhundert
Die sogenannte Völkerwanderung
vom 04. September 2026
Moderator: 
Markus Dichmann
Gesprächspartner: 
Dr. Matthias von Hellfeld, Historiker und Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte
Gesprächspartner: 
Mischa Meier, Althistoriker und Migrationsforscher, Uni Tübingen
Gesprächspartner: 
Roland Steinacher, Althistoriker, Uni Innsbruck
Gesprächspartnerin: 
Verena Epp, Historikerin, Mittelalterliche Geschichte, Uni Marburg
Beitrag: 
Christine Werner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin
  • Deutschlandfunk Nova-Reporterin Christine Werner schildert den langen Zug der Vandalen
  • Althistoriker Mischa Meier befasst sich mit den Hunnen
  • Historiker Roland Steinacher erläutert Umgestaltung der römischen Welt im frühen mittelalterlichen Europa
  • Historikerin Verena Epp erklärt die mittelalterliche Migrationsgeschichte in Europa