Routinen gehören zum Arbeiten dazu. Sie zu erlernen, kann ohne persönlichen Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen ein bisschen schwieriger sein. Unsere Reporterin weiß, wie es trotzdem geht.

Ob Jobeinstieg nach dem Studium, in der Ausbildung oder Jobwechsel: Die Corona-Pandemie verändert diese Orientierungsphase gerade ziemlich massiv. Manche befürchten einen Corona-Pay-Gap, also lange Jobsuche, schlechteres Einstiegsgehalt und Auswirkungen auf die ersten Berufsjahre.

Wie gut jemand in seinen neuen Job einsteige, sei von der Branche abhängig, sagt unsere Reporterin Ilka Knigge. Junge Mitarbeitende könnten profitieren, weil sie sich mit den Tools, die man jetzt braucht schon gut auskennen. Insbesondere große, internationale Unternehmen seien oft schon gut darauf eingestellt, dass viel von zu Hause gearbeitet wird.

Hierarchie und Chaos

Wenn der Job allerdings kein klassischer Bürojob sei, könne es im Homeoffice auch schlecht laufen. Es gebe dann ein Lerndefizit.

Rosa zum Beispiel macht eine Ausbildung zur Verfahrensmechanikerin in München. Sie arbeitet auch direkt an und mit Maschinen. Das geht nicht so einfach von zu Hause. Sie hätte eigentlich verschiedene Abteilungen durchlaufen. Durch Kurzarbeit und Homeoffice wurde das aber zum Großteil nichts und auch was ihre Prüfungen angeht, laufe es bisher eher chaotisch, sagt sie.

"Ich habe es so empfunden, dass es sehr kurzfristig Änderungen gab, dass wir in die Entscheidungsprozesse nicht einbezogen wurden. Wir wurden eher vor vollendete Tatsachen gestellt."
Rosa, lernt in München den Beruf der Verfahrensmechanikerin

Rosa sagt, dass Prüfungen kurzfristig verschoben worden sind und manche der Auszubildenden erst kurzfristig erfahren haben, dass sie nach ihrer Ausbildung nicht übernommen werden.

Es geht aber auch ganz anders: Einige Firmen setzen auf Über-Kommunikation, berichtet Ilka. Vorgesetzte, also Chefinnen und Teamleiter sollen ständig ansprechbar sein. Sie werden ermuntert lieber zu viel kommunizieren, zum Beispiel auch, wenn sich an Abläufen etwas ändert.

Warnung vor der Techniklawine

Manche Firmen haben für neue Mitarbeitende in der Pandemie intensive Buddy-Programme eingerichtet. Ein Buddy ist eine feste Kontaktperson, die stets kontaktierbar ist. Andere Unternehmen vernetzen ihre Mitarbeitenden per Mini-Speed-Date und versuchen so, den fehlenden Smalltalk zu ersetzen.

Ein deutsches Start-Up benutzt dafür eine Software, die zufällig einmal pro Woche zwei Mitarbeitende zum Videocall zusammenbringt, damit sie sich kennenlernen. Allerdings warnt
der Autor und Personalberater Dan Schawbel vor einer Techniklawine. Er sagt, die Anzahl an Videomeetings sei gerade sowieso größer als normalerweise.

Offensive Kommunikation kann helfen

Mitarbeitende selbst können ein bisschen nachhelfen, je nach Job. Arbeitswissenschaftlerin Ursula Vranken empfiehlt, offensiv zu sein. Sie erklärt, Arbeitnehmende sollten Unsicherheiten direkt ansprechen und ihr Bedürfnis an Arbeitsmaterialien und Zugänge im Homeoffice offen anmelden.

Auch Personalgespräche und Fortbildungsinteressen sollten klar kommuniziert werden. Ursula Vranken rät dazu sich etwas umfassender über die Firma zu informieren, wenn man neu anfängt. Außerdem sollten die Kolleginnen und Kollegen in Jobportalen geaddet werden, eine Art digitaler Integration.

"Offen zu kommunizieren, was man sich wünscht und was man erwartet. Das empfehlen auch andere Berufsberaterinnen und Berater."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin