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Als am 16. Dezember 1971 der unabhängige Staat Bangladesch gegründet wird, ist auch der Krieg des geteilten Pakistan beendet. Nach der Spaltung Indiens 1947 bestand das Land aus Ost- und Westpakistan. Im Krieg um einen eigenständigen Staat auf dem Territorium Ostpakistans sind bis zu sechs Millionen Menschen umgekommen.

Im November 1970 zieht ein schweres Unwetter über Ostpakistan. Ein Wirbelsturm zerstört weite Teile des Landes, macht die ohnehin spärliche Infrastruktur dem Erdboden gleich und nimmt Hunderttausenden das Leben. Das Land wird an einem einzigen Tag ins Chaos gestürzt. Verantwortlich dafür ist aber nicht nur der Sturm.

Schon lange leben die meisten Ostpakistanis in Armut, weil Großgrundbesitzer die Bäuerinnen und Bauern ausbeuten. 50 Prozent ihres Ertrags müssen die Bauern abgeben. Die andere Hälfte reicht nicht, um die etwa 50 Millionen Menschen in Ostpakistan zu ernähren.

Parlamentswahl 1970

Etwa einen Monat nach dem verheerenden Unwetter finden im Dezember 1970 Parlamentswahlen in Pakistan statt, zu der in Ostpakistan die Partei der Awami-Liga antritt. Wegen des Mountbatten-Plans von 1947 sind beide Teile Pakistans voneinander getrennt, Indien liegt zwischen ihnen, wobei in Ostpakistan viel mehr Menschen leben als im westlichen Landesteil.

Pläne für einen neuen unabhängigen Staat

Die Awami-Liga will Ostpakistan von dem mehr als 1.500 Kilometer entfernten Westpakistan abspalten und einen eigenständigen Staat gründen. Als sie mit 98 Prozent aller Stimmen in Ostpakistan gewählt wird, will sie diesen Plan in die Tat umsetzen, stößt aber auf strikte Ablehnung des pakistanischen Armeechefs und Präsidenten Yahya Khan.

Eine gespaltene Nation im Krieg

Yahya Khan gibt vor, verhandeln zu wollen, schindet tatsächlich aber nur Zeit, um die westpakistanische Armee in Stellung zu bringen. Am 26. März 1971 ist es soweit: Mit dem ersten Schuss beginnt ein Krieg um die Unabhängigkeit Ostpakistans, der erst Mitte Dezember 1971 beendet ist und bei dem schätzungsweise bis zu sechs Millionen Menschen zu Tode kommen.

Westpakistan zieht seine Truppen aus dem östlichen Landesteil zurück. Nach der Rückkehr der politischen Führer der Awami-Liga wird der unabhängige Staat Bangladesch am 16. Dezember 1971 auf dem Territorium Ostpakistans gegründet.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Historiker Michael Mann erläutert das komplizierte Verhältnis zwischen Ost- und Westpakistan nach der Staatsgründung 1947.
  • Bangladesch-Experte Alexander Benatar beschreibt das europäische Verhältnis zu Bangladesch.
  • Musiker Klaus Voormann hat im Sommer 1971 das "Concert for Bangladesch" im New Yorker Madison Square Garden organisiert, bei unter anderem George Harrison und Eric Clapton aufgetreten sind.
  • Max Stille von Netz, Partnerschaft für Entwicklung und Gerechtigkeit, berichtet über die Aufarbeitung des Krieges – sowohl in Bangladesch als auch in Pakistan.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld blickt zurück in die wechselvolle Geschichte von Bangladesch vor und nach der Staatsgründung 1971.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Arne Hell schildert den Beginn der Kämpfe um die Unabhängigkeit Ostpakistans von Westpakistan.