Wer Bio kauft, tut das meist aus einer Überzeugung heraus und mit dem Gefühl, etwas Gutes für sich und die Umwelt getan zu haben. Was aber nur wenige wissen: Bei vielen Bio-Siegeln schwingt oft Esoterik mit – und damit nicht selten auch ein wissenschaftskritisches Weltbild.

Hohle Kuhhörner gefüllt mit Kuhmist, die im Winter ein- und im Frühling wieder ausgegraben werden, um aus dem Mist magischen Dünger herzustellen, der dann nach einem speziellen Ritual hochverdünnt auf den Feldern verspritzt wird – das klingt sehr nach Esoterik und weniger nach der handfesten Biogurke aus dem Laden um die Ecke.

Produkte, die aus der bio-dynamischen Landwirtschaft stammen, sind aber oft mit genau solchen Ritualen entstanden, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler. Grundsätzlich habe die bio-dynamische Landwirtschaft durchaus ihr Gutes, vor allem Demeter habe eines der strengsten Bio-Siegel, erklärt sie.

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Also nichts gegen das bio-dynamische Prinzip als solches. Was allerdings problematisch ist: Anbauverbände wie Demeter oder Biolebensmittel-Unternehmen wie Rapunzel fielen gerade in letzter Zeit mit Äußerungen auf, die an Verschwörungsmythen erinnern.

Präparate ohne wissenschaftlich bewiesene Wirkung

Welche große Rolle Esoterik in Teilen der Biobranche spielt, beobachtet der Journalist Oliver Rautenberg seit rund acht Jahren auf seinem Blog. Darin setzt er sich vor allem kritisch mit der Anthroposophie auseinander, also der esoterischen Weltanschauung, die der bio-dynamischen Landwirtschaft zugrunde liegt.

Ein großer Kritikpunkt: Für die Wirkung von Mitteln wie dem magischen Dünger, bestimmten Heilpflanzen oder Bergkristallen gibt es keine stichhaltigen wissenschaftlichen Beweise. Dennoch sind bei Demeter alle Bauern per Richtlinie verpflichtet, die Rituale genau so anzuwenden.

Anfällig für Verschwörungsmythen

Dass bei Demeter oder Rapunzel eine wissenschaftskritische Haltung durchscheint, wurde besonders in der Corona-Pandemie deutlich: Im Frühjahr 2020 erklärte beispielsweise der Gründer von Rapunzel, Joseph Wilhelm, Masken seien in der Corona-Pandemie "die höchste Form von Demütigung" und in Zukunft könnten Jagdkommandos Impfgegner einfangen. Er distanzierte sich später von dieser Aussage, wenn auch nur halbherzig.

"Gerade jetzt in Bezug auf die Corona-Pandemie sind da einige Akteure aus der Biobranche wirklich mit Äußerungen hervorgetreten, die sehr sehr stark in der Kritik standen."
Oliver Rautenberg, bloggt über Esoterik in der Bio-Branche

Und auch in der aktuellen Demeter-Kundenzeitschrift werde ein seltsames Weltbild offenbart, sagt Oliver Rautenberg. Es gebe "zerstörerische Geisteseliten" und man müsse sich "frei von der Forschung" machen. Derartige Aussagen erinnerten ihn an die Thesen, die man bei Demonstrationen gegen die Coronaschutzmaßnahmen zu hören bekomme.

Naturheilkunde im herkömmlichen Bio-Anbau

In der herkömmlichen Bio-Landwirtschaft finden bio-dynamische Präparate keine Anwendung, dafür aber die Homöopathie. Bei fast allen Anbauverbänden ist sie für Krankheitsbehandlungen vorgeschrieben oder wird zumindest stark empfohlen – sogar beim vergleichsweise laschen Bio-EU-Siegel.

Der Anbauverband Naturland bekennt sich in seinem Leitbild zumindest zu einer ideologiefreien Weltanschauung und der Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen. Werden Tiere krank, schlagen aber auch die Naturland-Richtlinien zunächst Naturheilverfahren vor. Das könnten beispielsweise Quarkwickel bei Euter-Entzündungen oder ätherische Öle im Stall bei Atemwegserkrankungen sein. Oder eben Homöopathie.

Eine persönliche Entscheidung

Markus Fadl von Naturland sagt aber auch: Es gehe darum, dem Tier zu helfen. Sollten Globuli das nicht tun, würde das Tier am Ende des Tages die Behandlungen erfahren, die es brauche.

"Das wichtige ist, dass am Ende des Tages das Tier, wenn es erkrankt, die Behandlung bekommt, die es braucht."
Markus Fadl, Pressesprecher von Naturland

Manchmal könne man hier auch einfach bei den Höfen des Anbauverbandes nachfragen, welche Methoden genutzt werden, sagt der Journalist Oliver Rautenberg. Grundsätzlich seien für ihn Bioprodukte immer unterstützenswert, er versuche aber persönlich "streng esoterische Bio-Marken zu meiden". Es gilt also abzuwägen – zwischen den Vorteilen, die der Bio-Anbau eben bietet und den Nachteilen, die damit in manchen Fällen einhergehen.