In Deutschland sollen ab Herbst alle Menschen Blut spenden dürfen – ganz egal, welche sexuelle Orientierung sie haben. Bislang mussten homosexuelle Männer ein Jahr lang auf Sex verzichten, um Blut zu spenden.

Die Regeln für das Blutspenden sollen geändert werden. Der Bundestag hat die Ärztekammer zur fachlichen Überarbeitung der bisher geltenden Regeln verpflichtet. Das schreibt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf seiner Instagramseite.

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Ab Herbst soll jede*r zur Blutspende zugelassen werden. Voraussetzung ist, dass man in den vergangenen vier Monaten keinen Sex mit Risiko hatte. Das bedeutet, dass die blutspendende Person ausschließlich Sex mit einer Person hatte.

Bisher galt, dass homosexuelle Männer ein Jahr lang auf Sex verzichten müssen, um Blut spenden zu dürfen.

"An dieser Regel gab es viel Kritik, denn es geht an der Realität der meisten Menschen vorbei, ein Jahr ohne Sex zu leben."
Andreas Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Der Beschluss stammt von einem Gremium, bestehend aus Paul-Ehrlich-Institut, dem Robert Koch-Institut, dem Arbeitskreis Blut und der Bundesärztekammer, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Andreas Schmitt.

"Laut dem Gremium im Bundestag kann man nach dieser Zeit eine Infizierung ausschließen."
Andreas Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ab Herbst ist es dann egal, ob der oder die Blutspendende Sex mit einem Mann oder einer Frau hat.

Sex ohne erhöhtes Risiko

Interessengruppen wie die Deutsche Aidshilfe beklagten lange Zeit den Generalverdacht hinter der Regelung und kritisierten ihn als nicht zeitgemäß. Laut Robert Koch-Institut sinkt die Zahl der HIV-Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben, seit Jahren. 2019 gab es 1.600 Infektionen. Auf heterosexuellen Weg haben sich laut den Zahlen des Robert Koch-Instituts 650 Menschen angesteckt.

Die Bundesärztekammer hat die unterschiedliche Behandlung zwischen homo- und heterosexuellen Männern noch im März in einer Anhörung im Bundestag verteidigt. Die Begründung: Die Gefahr einer Infektion mit dem HI-Virus sei bei homosexuellen Männern höher. Es gehe um die Sicherheit von Empfängerinnen und Empfängern der Blutspenden. Dagegen argumentierte die Deutsche Aidshilfe, dass die zwölfmonatige Rückstellungspflicht diskriminierend sei.

"Viele Menschen entscheiden sich für eine Blutspende nicht, weil es vielleicht manchmal 20 € Entschädigung gibt, sondern weil sie helfen wollen und was Gutes machen wollen."
Andreas Schmitt, Deutschlandfunk-Nova-Reporter