Bluttransfusionen können Leben retten. Aber, in den letzten Jahren haben verschiedene Studien gezeigt, dass Bluttransfusionen auch Gefahren bergen können, von denen Patienten bisher nichts gehört haben.

Infektionen, Verklumpungen des Blutes in den Gefäßen des Empfängers - mit anschließendem Organversagen oder Lungenödeme. All das sind mögliche Folgen nach Bluttransfusionen, die zum Teil erst Jahre später auftreten und die jetzt durch neue Studien belegt wurden. Die ARD-Dokumentation "Böses Blut - Kehrtwende in der Intensivmedizin" hat sich ausführlich damit beschäftigt.

Herausforderung für das Immunsystem

Nach einer Blutspende, wird die Körperflüssigkeit getestet und aufbereitet. Klar. Aufbereitet heißt zum Beispiel, dass das, was hinterher weiterverwendet wird, ist eher ein Konzentrat aus roten Blutkörperchen. Nichtsdestotrotz sind es rote Blutkörperchen, Proteine oder Antigen-Strukturen von anderen Patienten - von Fremden. "Und trotz dieses Reinigungsprozesses können immer noch weiße Blutkörperchen, Leukozyten, von dem Spender drin sein, mit dem sich das Immunsystem des Patienten dann auseinandersetzen muss", erklärt der Oberarzt Patrick Meybohm.

"Trotz des Reinigungsprozesses können immer noch weiße Blutkörperchen vom Spender drin sein, mit denen sich das Immunsystem des Patienten dann auseinandersetzen muss."
Patrick Meybohm, Arzt an der Uniklinik Frankfurt

Auch Eigenblut ist nicht immer die Lösung

Selbst wenn das eigene Blut eines Patienten genommen wird, das vielleicht einige Zeit vor der Operation abgenommen und gelagert wurde - selbst in diesem Fall kann es zu Lagerungsschäden und damit zu Problemen für den Patienten kommen. Der Grund: Blutkörperchen können beschädigt sein und wenn der Körper dieses geschädigte Blut zurückbekommt, besteht auch hier die Gefahr, dass er darauf reagiert.

Aids ist kein Problem mehr

HIV, Hepatitis - diese Risiken sind seit Jahrzehnten bekannt und stellen kein Problem mehr dar. Aber neuere Studien mit zehntausenden Patienten haben gezeigt, dass es eben auch andere Arten von Risiken und Komplikationen geben kann, wenn Patienten Bluttransfusionen erhalten.

Alternativen zur Transfusion

Patrick Meybohm ist leitender Oberarzt im Bereich Anästhesie und Intensivmedizin an der Uniklinik Frankfurt. Zusammen mit einer Gruppe anderer Ärzte arbeitet er an Alternativen zur Bluttransfusion. Die Initiative nennt sich Patient Blood Management. Im Zentrum ihrer Bestrebungen steht die gute Vorbereitung von Patienten vor einer Operation. Außerdem sollen sie während einer Operation möglichst das eigene gefilterte und gereinigte Blut zurückbekommen.