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"Indianer" ist ein kolonialistischer Sammelbegriff für die indigenen Völker Amerikas. Was verbinden wir mit diesem Wort? Tommy Orange, Mitglied der Cheyenne und Arapaho Tribes, also Nachfahre von Native Americans, liefert in seinem Romandebüt "Dort dort" Antworten auf diese und ähnliche Fragen.

Tony hat das fetale Alkoholsyndrom, weil seine Mutter während der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat. Tonys Augen, seine Nase, sein Mund – alles in seinem Gesicht steht zu weit auseinander. Und sein Mund steht immer offen. Weil seine Lider herunterhängen, sieht er total fertig aus, egal, ob er die Nacht durchgemacht oder viel geschlafen hat.

Als er sechs Jahre alt ist, erklärt ihm seine Oma, was es mit dem fetalen Alkoholsyndrom auf sich hat. Aber Tony ist noch zu jung, um das zu verstehen. Fetales Alkohol-Syn-Drom – Tony versteht nur Drom. Immer sieht er Drom, sein unförmiges Gesicht, wenn er in einen Spiegel sieht. Nicht allerdings, wenn er die Tracht des indigenen amerikanischen Volkes anlegt, dem er abstammt. Das erfüllt ihn mit Stolz und er sieht kein Drom mehr in seinem Spiegelbild.

Tony dealt für Octavio

Neun Jahre später: Tony ist jetzt 15 Jahre alt. Er dealt schon seit einer ganzen Weile für Octavio. Das Geschäft läuft gut. Dann hat Octavio eine Idee: Wo viele Menschen sind, muss es auch viel Geld geben, in einer Kasse für Eintrittsgelder, oder für Preisgelder – wieso also nicht mal die Kasse eines großen Stadions überfallen. Tony muss nicht von dieser Idee überzeugt werden. Für ihn ist es keine Frage, ob er dabei ist, denn er würde sehr viel tun, um endlich einmal ernst genommen zu werden.

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Beim Powwow kommt es zum tödlichen Schuss

Schnell haben sich die beiden die passende Großveranstaltung ausgeguckt. Tony soll sich in seine alte Tracht zwängen, die ihn als Native American ausweist und dann zum nächsten großen Powwow von Oakland gehen. So ein Powwow ist ein riesiges Fest, zu dem Native Americans aller existierenden Stämme aus ganz Nordamerika anreisen, um gemeinsam zu tanzen.

Orvil will beim Powwow tanzen

Orvil ist 14 Jahre alt. Heimlich hat er sich die Tracht seiner Tante genommen und übt einen Tanz, den er in einem Video gesehen hat. Seine Tante will nicht, dass er die alten Rituale ihrer indigenen Vorfahren lernt. Doch Orvil ist entschlossen: Er will beim nächsten Powwow in Oakland mittanzen – zwischen all den anderen mitten auf dem Baseballfeld.

Der schicksalhafte Moment, der sie vereint und wieder auseinanderreißt

Tony und Orvil kennen sich nicht. Aber sie werden einen kurzen Moment miteinander teilen. Sie werden dabei ihre Trachten tragen und sich besonders fühlen. Beide werden dazugehören und sich an etwas erinnern, das sie selbst gar nicht erlebt haben, an einem Ort, den es eigentlich nicht mehr gibt.

Und einer von beiden wird an diesem Ort sterben.

Das Buch

"Dort dort" (OT: "There there") von Tommy Orange, aus dem US-Amerikanischen Englisch ins Deutsche übersetzt von Hannes Meyer, erschienen bei Hanser Berlin, 284 Seiten, Hardcover: 22 Euro, E-Book: 16,99 Euro, Hörbuch-CD: 15,80 Euro (gelesen von Christian Brückner, Parlando); ET: 19. August 2019