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Tausende Menschen, darunter viele Minderjährige, sind auch nach vier Wochen noch in Ceuta. Viele haben keine Unterkunft und wissen nicht, wie es weitergeht. Auch die Einwohner sind verzweifelt. Was tut Spaniens Regierung, um die Situation zu lösen?

Es ist Ende Juli 2026, als innerhalb weniger Tage Zehntausende Menschen nach Ceuta gelangen. Viele von ihnen schwimmen stundenlang über das Meer von Marokko aus in die spanische Exklave an der nordafrikanischen Küste.

Von 60.000 bis 80.000 Migrant*innen ist die Rede – die Zahlen gehen bis heute auseinander, weil sie vor allem auf Schätzungen beruhen.

Auch die Zahl der Toten geht auseinander. Manche Hilfsorganisationen gehen von mehr als 140 Menschen aus, die bei ihrem Versuch, nach Ceuta zu kommen, gestorben sind.

Tausende, die doch noch auf Asyl hoffen

Jan-Philipp Scholz ist in den vergangenen Wochen zwei Mal als Reporter für die Deutsche Welle in Ceuta – Ende Juli und in der zweiten Augusthälfte.

Viele Menschen sind wieder nach Marokko zurückgekehrt, berichtet er. Die Situation vor Ort sei aber immer noch unübersichtlich, chaotisch und für viele Migrant*innen gefährlich.

"Die Menschen waren schlecht ernährt, es gab erste Fälle von Krätze. Staatliche Unterstützung gab es kaum, außer dem Roten Kreuz und einigen privaten Hilfsinitiativen."
Jan-Philipp Scholz, Reporter

Offiziellen Schätzungen zufolge befinden sich derzeit acht- bis neuntausend irregulär eingereiste Migrant*innen in Ceuta – und das in einer Stadt, die halb so groß ist wie Potsdam, sagt Jan-Philipp Scholz. Darunter seien zum Teil Marokkaner, vor allem aber Minderjährige und Menschen aus dem Sudan, die sich Chancen auf Asyl erhoffen.

Notunterkünfte und eine Unterbringungsmöglichkeit für erwachsene Migrant*innen gibt es zwar in Ceuta, aber die Kapazitäten seien maßlos überschritten. Laut Aussagen vor Ort seien sie um über fünftausend Prozent überschritten.

Daher schlafen die meisten auf Matratzen oder sogar auf dem nackten Boden, berichtet der Journalist. "Hinter der Grenze zwischen Marokko und Ceuta befindet sich ein Gewerbegebiet, dort sind Hunderte Menschen auf Matratzen oder nur unter einer Decke, vielleicht noch mit einer Plane drüber."

Mädchen besonders gefährdet

Die Gruppe, der es in Ceuta jedoch am allerschlechtesten geht, sind Mädchen, sagt Jan-Philipp Scholz. Es seien Zwölf- bis Vierzehnjährige, die dort komplett ungeschützt seien. Die Mädchen schliefen auf der Straße und hätten extreme Angst – auch wenn es darum ging, ins Gebüsch zu gehen, denn Toiletten gab es vor Ort nicht.

"Eine Ärztin in der Notaufnahme hat mir gesagt, dass täglich Mädchen und junge Frauen kommen, die sexuell belästigt und zum Teil vergewaltigt wurden."
Jan-Philipp Scholz, Reporter

Während die Lage in Ceuta katastrophal bleibt und Kinder ohne jegliche Versorgung auf der Straße leben, streitet die spanische Zentralregierung darüber, wie sie mit der Situation umgehen soll, berichtet Franka Welz, Korrespondentin in Madrid.

"Dinge, die in größeren Krisenfällen Standard sind, passieren hier erst mit einem Monat Verspätung", fasst sie zusammen. So sei erst jetzt ein zentraler Krisenmanager eingesetzt und die EU um Hilfe ersucht worden.

Abschreckung durch Vernachlässigung?

Warum die spanische Regierung um Ministerpräsident Pedro Sánchez so viel Zeit verstreichen ließ, sei schwer zu beantworten, sagt die Korrespondentin. "Eine Option ist, dass es wirklich ein zynisches Kalkül dabei gab, zu denken: Wenn die Leute sich selbst überlassen sind, sehen sie, wie schlecht es ihnen hier geht und gehen von sich aus zurück nach Marokko." Und das sei zum Teil ja auch passiert.

Eine andere Option sei, dass die spanische Regierung dachte, die Menschen, die irregulär nach Ceuta gekommen waren, ohne Umschweife wieder zurückschicken zu können – auch wenn das rechtlich nicht so einfach ist, wie es dargestellt wurde, sagt Franka Welz.

"Es ist der Eindruck eines fatalen Miss- beziehungsweise auch wochenlangen Nicht-Managements entstanden. Und das hat mittlerweile zu einer sehr ernsten humanitären Krise in Ceuta geführt."
Franka Welz, Korrespondentin in Madrid

In den kommenden Wochen sollen nun zumindest 500 minderjährige Migrant*innen aufs spanische Festland kommen – so die zuständige Ministerin für Kinder und Jugend, Sira Rego. Doch Korrespondentin Franka Welz zweifelt, ob das wirklich so passieren wird. Diesen Plan habe es schon vor Wochen gegeben, er sei aber nicht umgesetzt worden, auch weil es dazu innerhalb Spaniens unterschiedliche Auffassungen gebe. Und auch Vertreter der EU sagen: Alle, die irregulär gekommen sind, sollen wieder zurück.

Letzteres ist laut dem neuen zentralen Krisenmanager nicht ohne Weiteres möglich, weil Minderjährige eine gewisse Schutzwürdigkeit besitzen, sagt Franka Welz. Fakt sei aber, dass es derzeit keinen konkreten Plan gibt, wie es in Ceuta weitergehen soll.

Die Stimmung in Ceuta kippt

In der spanischen Enklave selbst steigt die Anspannung, berichtet die Korrespondentin. Viele der rund 84.000 Bewohner*innen seien durch die Situation extrem herausgefordert und frustriert. Es gebe Proteste, die immer größer würden, berichtet Franka Welz. "Am Dienstag- und Mittwochabend waren es schon Hunderte, die demonstriert und politische Konsequenzen gefordert haben."

"Im Anschluss an die Demo gingen einige Bewohner von Ceuta an einen der Strände und haben improvisierte Unterkünfte zerstört, die Migranten sich dort aufgebaut hatten."
Franka Welz, Korrespondentin

Laut der Korrespondentin ist das Risiko groß, dass die Situation vor Ort endgültig kippen könnte und es entweder zu Auseinandersetzungen zwischen Einwohnern und Migranten oder zwischen Migranten und dem Militär kommt.

Um zu verhindern, dass wieder Tausende Menschen versuchen, nach Spanien zu gelangen, ist man dabei, die ohnehin stark gesicherte Grenze zu Marokko noch stärker abzuriegeln.

Und die Menschen vor Ort? Sie bleiben. Jan-Philipp Scholz berichtet von einer 14-Jährigen, mit der er gesprochen hat. Für sie sei es keine Option zurückzugehen – trotz so vieler Wochen auf der Straße, in ständiger Angst und Bedrohung. Sie weiß um ihre Rechte, sagt der Reporter, dass Spanien sich eigentlich um sie kümmern muss. "Und sie hat sich in den Kopf gesetzt, nicht aufzugeben."

Ihr habt Anregungen, Wünsche, Themenideen? Dann schreibt uns an unboxingnews@deutschlandradio.de

Shownotes
Ceuta
Wie geht es für die Geflüchteten in der Exklave weiter?
vom 27. August 2026
Moderation: 
Rahel Klein
Gesprächspartnerin: 
Franka Welz, Korrespondentin in Madrid
Gesprächspartner: 
Jan-Philipp Scholz, war als Reporter in Ceuta