Die Pandemie ist nicht vorbei. Viele Menschen sind Kontaktpersonen und begeben sich in Quarantäne. So wie Noemi. Mit ihr und der Psychotherapeutin Christine Brähler haben wir darüber gesprochen, wie man mit Einsamkeit am besten umgehen und ob man sich darauf vorbereiten kann.

Noemi (25) wohnte bis vor kurzem in einer 7er-WG und hat sich dort wegen Corona in Quarantäne begeben. Obwohl sie nicht selbst in Isolation war, habe es sich so angefühlt, sagt sie.

Sie sei eigentlich viel Kontakt gewöhnt und sei bewusst in eine große WG gezogen. Das WG-Leben sei ihr und allen dort sehr wichtig. Und dann kam Corona.

"Es war das Gefühl einer gewissen Hilflosigkeit, ich habe mich zum Beispiel gefragt: Kann ich jetzt aus meinem Zimmer raus oder habe ich mich infiziert?"
Noemi, war in einer 7er-WG in Selbstisolation

Mit Maske über den WG-Flur zu laufen oder sich absprechen zu müssen, wer auf die Toilette geht, die Tür immer geschlossen zu halten und auf einen Raum beschränkt zu sein. Das alles fühlte sich komisch an, sagt Noemi. Dazu kam, dass sie in dieser Zeit für ein Praktikum umziehen musste und sich nicht mehr richtig von allen verabschieden konnte. Das habe das Gefühl der Einsamkeit verstärkt.

Gegen die Einsamkeit

Noemi erzählt, dass sie ihre WG-Gruppe online wiederbelebt haben, um sich auszutauschen. Sie und ihre Mitbewohnerin hätten viel telefoniert und gemeinsam abends online Filme geschaut. Außerdem hätte sie Dinge gemacht, für die sie vorher keine Zeit hatte: Tagebuch schreiben und jeden Tag Yoga zum Beispiel. Und sie hatte das Privileg, einen Hund zu haben und mit diesem spazieren gehen zu können.

Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester hat Noemi außerdem die Aktion "Brieffreundschaften" ins Leben gerufen. Sie spricht genau diejenigen an, die in diesen Zeiten einsam sind. Die Idee entstand, weil ihre Schwester eine Brieffreundschaft mit einem älteren Mann in einem Altersheim führt.

Kontakt halten!

Christine Brähler, klinische Psychologin und Psychotherapeutin, kennt sich mit Einsamkeit aus und weiß, wie wir am besten mit ihr umgehen.

"Wir haben unser soziales Netzwerk aufgeräumt“, sagt sie. Wir hätten jetzt weniger Kontakte, dafür aber sozial bessere. Ihr Tipp für Menschen, die sich gerade in Isolation oder Quarantäne befinden und nicht einsam fühlen wollen: ständigen Kontakt halten zu einer Person, der sie vertrauen. Nicht nur schreiben, sondern auch digital per Video telefonieren.

Manche Menschen, die sich vor der Pandemie nicht gesehen gefühlt haben, hätten jetzt das Gefühl, gesehen zu werden. Dabei meint sie explizit nicht nur introvertierte Menschen. Tendenziell sei es aber so, dass Menschen mit introvertierten Zügen das Alleinesein besser ertragen könnten.

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