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"Kairos" heißt der neue Roman von Jenny Erpenbeck, benannt nach einem Begriff aus dem Altgriechischen für den rechten Zeitpunkt. Die Geschichte handelt von der Beziehung zwischen Katharina und Hans. Es geht um Regeln, wie politisch das Private ist und wie sehr die Politik das Private beeinflusst.

Die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck beschreibt in ihrem neuen Roman eine toxische Beziehung – und setzt sie in die Zeit der Wende, Ende 1989, in die Zeit des Zusammenbruchs der DDR, des Staates, zu dem viele Menschen eine ambivalente Beziehung hatten – und unter dem viele litten.

Es passiert an einem Freitag im Juli 1986. Katharina verlässt das Antiquariat gerade noch rechtzeitig, um ihren Bus zu kriegen. Der 57er Bus schließt schon die Türen, da steht Katharina noch in der Ladentür. Sie läuft los. Und der Busfahrer öffnet ausnahmsweise noch einmal die hintere Tür für sie.

Liebe auf den ersten Blick am Alexanderplatz

Unterwegs verdunkelt sich der Himmel. An jeder Haltestelle drängen Menschen auf der Flucht vor dem aufkommenden Gewitter in den Bus. Und so wird Katharina von der Tür weiter in den Bus geschoben. Da sieht sie ihn zum ersten Mal. Und er sieht sie. Hans. Das weiß sie da natürlich noch nicht. Dann regnet es los, wie verrückt. Zum Glück ist ihre Haltestelle am Alexanderplatz unter der S-Bahn-Brücke. Sie steigt aus. Und er auch. Gemeinsam warten sie auf das Ende des Regens. Und da sehen sie sich ein zweites Mal an. Und dann lächelt er. Und sie lächelt auch.

Wenn Katharina das Antiquariat nur einen Augenblick später verlassen hätte, hätte sie den Bus verpasst, und somit diesen Mann, in den sie sich auf den ersten Blick verliebt: Hans. Katharina geht noch am selben Tag mit zu ihm nach Hause.

"Sie hören erst Schallplatten und schlafen dann miteinander, im Ehebett, das Hans aber nicht so nennt. Er nennt es 'die breite Liege'."
Lydia Herms über den Roman "Kairos" von Jenny Erpenbeck

"Kairos", der Titel des Romans ist ein Begriff aus dem Altgriechischen für den rechten Zeitpunkt, oder für den Moment der richtigen Entscheidung. Vielleicht auch benannt nach Kairos, dem Gott des glücklichen Augenblicks. Der Roman beginnt mit Hans’ Tod. Katharina kann nicht bei der Beerdigung sein. Zu dem Zeitpunkt hält sie sich in den USA auf. Der Sohn von Hans informiert sie. Erst ein halbes Jahr später schafft sie es, die zwei Kartons zu öffnen, in denen die Dokumente ihrer Liebe liegen: Briefe, Notizen, Einkaufszettel, Fotos, Postkarten, Zeitungsartikel. Die ersten Aufzeichnungen sind von 1986, die letzten von 1992.

Das Buch

"Kairos" von Jenny Erpenbeck ist bei Penguin erschienen, 350 Seiten, gebundene Ausgabe (Hardcover): 22 Euro, E-Book: 18,99 Euro, Hörbuch von der Autorin gelesen, mp3-CD: 22 Euro, Download: 14,95 Euro; Erscheinungstag: 30.08.2021.