Seit ihrer Gründung vor 250 Jahren spielen Gefühle in der US-Politik eine wichtige Rolle. Früher ging es um das Streben nach Glück und um Empathie, doch heute stehen Hass, Wut und Häme im Vordergrund. Ein Vortrag der Amerikanistin Heike Paul.
Vor 250 Jahren, am 4. Juli 1776, wurde die amerikanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet. Darin erklärten 13 Kolonien ihre Unabhängigkeit vom britischen Königreich. Die Declaration of Independence, das Gründungsdokument der USA, gilt als ein Dokument der Aufklärung, in dem die Souveränität des Volkes und die Gleichheit aller Menschen festgehalten wird.
"Die US-amerikanische Nation war von Beginn an der Aufklärung aber auch einer demokratischen Gefühlskultur verpflichtet."
Doch in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung geht es um mehr als nüchterne Rechte. Der Text selbst ist ein emotional aufgeladenes Dokument, in dem es auch explizit um Gefühle geht, zum Beispiel um das Streben nach Glück, "happiness" im Englischen. Die Unabhängigkeitserklärung nimmt bis heute eine besondere emotionale Stellung in der US-amerikanischen Politik ein. Sie hat einen quasi sakralen Status, sagt Heike Paul.
Gefühle sind Teil der US-amerikanischen Demokratie
Heike Paul ist Professorin für Amerikanistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. In ihrem Vortrag erklärt sie, ausgehend vom Beispiel der emotionalen Verehrung der Unabhängigkeitserklärung, welche Rolle Emotionen historisch im US-amerikanischen Demokratieverständnis gespielt haben und wie sich der Umgang mit Emotionen unter der Regierung von Donald Trump grundlegend verändert hat.
"Empathie ist gefährlich und fehl am Platz – so wird es im Moment verhöhnt."
Seit der zweiten Amtszeit von Donald Trump, erklärt Heike Paul, spielen nicht nur Wut, Hass und Häme eine zentrale Rolle und werden dazu eingesetzt, die US-amerikanische Gesellschaft zu spalten. Zum ersten Mal in der Geschichte, wird Empathie selbst, wird Mitgefühl für die vermeintlich "Falschen" als "toxische Empathie" abgekanzelt und ins Lächerliche gezogen. Dadurch wird das US-amerikanische politische Demokratieverständnis grundsätzlich in Frage gestellt.
Heike Paul ist Professorin für Amerikanistik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Ihr Vortrag hat den Titel "Gefühlte Aufklärung? Politische Emotionen und die amerikanische Demokratie". Sie hat ihn am 18. März 2026 in Bad Homburg gehalten im Rahmen der Vortragsreihe "Umkämpftes Vermächtnis. Die 'Declaration of Independence' als lebendige Tradition, 1776 – 2026". Veranstaltet wird die Reihe vom John McCloy Transatlantic Forum des Forschungskollegs Humanwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung und der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte.
- Beginn Vortrag
- Teil 1 "Entstehung des US-amerikanischen Staatsbürgersentimentalismus"
- Fazit Teil 1
- Teil 2 "Neue Affektökonomie unter Donald Trump"
- Schluss
