Eigentlich wollte sich die Deutsche Bahn auf das Inlandsgeschäft beschränken und endlich für pünktliche Züge sorgen. Doch jetzt steigt der Konzern bei der ukrainischen Eisenbahn ein. Klingt nicht nach Lösung. Aber: Die Auslandstöchter machen Gewinne.

Die Deutsche Bahn hat angekündigt, aus dem Auslandsgeschäft auszusteigen und sich um die Probleme in Deutschland zu kümmern. Nun steigt das Unternehmen aber bei der ukrainischen Eisenbahn Ukrsalisnyzja ein. Dort will die Deutsche Bahn vor allem beraten.

Die Ausweitung der Geschäfte im Ausland wird generell kritisiert, zum Beispiel von dem Grünen-Politiker Anton Hofreiter. Im Handelsblatt schreibt er: "Diese expansive Ausweitung der Geschäftstätigkeit der Bahn im Ausland macht keinen Zug in Deutschland pünktlicher."

Arriva und Schenker sorgen für Gewinne

Dennoch ist die Bahn seit einigen Jahren auch im Ausland tätig. Zum Beispiel hat das Unternehmen 2010 die Auslandstochter Arriva gekauft, berichtet der Wirtschaftsjournalist Nicolas Lieven. Arriva ist in 14 Ländern Europas aktiv, vor allem im Regionalverkehr mit Bahn und Bussen. Außerdem gehört zur Bahn der Logistikdienstleister Schenker, der in 140 Ländern weltweit tätig ist.

Beide Tochterunternehmen machen Gewinne: Arriva immerhin 300 Millionen Euro pro Jahr, so Nicolas Lieven. Und auch Schenker kommt auf mehrere hundert Millionen Euro Plus im Jahr. Das Problem ist eher, dass die Gewinne aus dem Auslandsgeschäft nicht an den Mutterkonzern, die Deutsche Bahn zurückfließen, so Nicolas Lieven.

"Natürlich könnte man mehr Geld von den Auslandstöchtern auch innerhalb der Deutschen Bahn investieren."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Denn was im Ausland verdient wird, wird zum Großteil auch wieder im Ausland investiert, sagt Nicolas Lieven. Obwohl die Deutsche Bahn dringend Geld braucht, um in neue Züge und den Ausbau des Schienennetzes zu investieren. Denn Jahre lang wurde kaum investiert. Deshalb soll die Deutsche Bahn aus Steuergeldern bis 2030 86 Milliarden Euro erhalten.

"Die Bahn hat wahnsinnig viele Probleme, aber die sind nicht im Ausland, sondern im Inland."
Nicolas Lieven, Wirtschaftsjournalist

Diese Investitionen sollen im Inland bleiben und nicht in die Auslandsgeschäfte fließen. Und die Gelder werden dringend benötigt, eben weil die Bahn vieles verschlafen hat. "Der Konzern hat sich mit sich selbst beschäftigt", sagt Nicolas Lieven.

Ob es nun Sinn macht aus allen Auslandsgeschäften auszusteigen, auch wenn diese Geld bringen, ist die Frage. Denn damit allein lässt sich das deutsche Schienennetz auch nicht erneuern.