Egal ob in Beziehungen oder Freundschaften – wenn sich jemand zwischen uns und eine geliebte Person drängt, werden manche schnell eifersüchtig. Kein Gefühl, für das wir uns schämen müssen. Es bietet die Gelegenheit, Verbindungen neu zu überdenken.

Wer glaubt, dass es Eifersucht nur in Liebesbeziehungen geben würde, hat wohl die Zeit in der Grundschule vergessen: Damals als die Klassencoolsten jede Woche jemand Neues zu ihren besten Freundinnen und Freunden auserkoren und früh das Gefühl von Verlustängsten gesät haben. "Niemand fühlt sich gern beiseitegeschoben", sagt Psychologin und Paartherapeutin Felicitas Heyne.

"Es ist interessant, sich zu fragen, was sagt die Eifersucht über mich aus?"
Felicitas Heyne, Psychologin und Paartherapeutin

Statt uns für das Gefühl zu schämen, sollten wir uns fragen, warum wir denken, dass eine Freundin oder ein Freund jemand anderen lieber hat als uns. Sind wir nur verunsichert oder steckt wirklich etwas dahinter? Eifersucht habe auch immer mit Enttäuschung zu tun, sagt die Psychologin. Nämlich deshalb, weil eine Person uns weniger Aufmerksamkeit schenkt, als wir es gern hätten. Das sei ein Zeichen dafür, dass uns eine Freundschaft besonders wichtig ist.

Ein Ungleichgewicht kann Freundschaften beenden

Sollte sich dieses erste Gefühl bewahrheiten und es besteht wirklich ein Ungleichgewicht in der Freundschaft, könne Eifersucht auch die Erkenntnis hervorbringen, dass der Freundschaft ein Stellenwert eingeräumt werde, den sie eigentlich nicht verdient habe. Das sei im ersten Moment schmerzhaft, aber danach sehr nützlich, weiß die Psychologin.

"Ich räume der Freundschaft einen zu hohen Stellenwert ein, den sie eigentlich nicht verdient hat."
Felicitas Heyne, Psychologin und Paartherapeutin

Eifersucht in Corona-Zeiten

Die aktuellen Kontaktbeschränkungen haben auch zur Folge, dass wir bestimmte Menschen weniger sehen können — weil wir zum Beispiel nicht mit dem Zug in andere Teile Deutschlands fahren können. Das kann zu Eifersucht führen, weil unsere Freundinnen und Freunde nun mit anderen Menschen mehr Zeit verbringen können.

Felicitas Heyne sagt, dass wir uns dabei immer vor Augen halten sollen, dass wir uns in einer Ausnahmesituation befinden, die vorüber geht. Trotzdem sollten wir auch hier prüfen, ob an unserer Eifersucht etwas dran ist. Sollte sich der Eindruck nach Ende der Kontaktsperre bestätigen, könnten wir den Grad der Freundschaft infrage stellen.

Ähnlich sei es bei polyamoren Beziehungen, die durch Corona eingeschränkt würden. Die Krise richte den Scheinwerfer auf Schwachstellen der Beziehung, die sowieso irgendwann zum Problem geworden wären. Grundsätzlich sollen wir aber aktuell keine radikalen Entscheidungen treffen und berücksichtigen, dass die Situation gerade für alle schwer ist.

Kommunikation und Nachsicht

Ganz abgesehen davon, dass Eifersucht nicht schlimm ist und ein Indikator für tieferliegende Probleme sein kann, solltet ihr sie ansprechen. In Freundschaften oder jeglichen Beziehungen: "Bewahrt euch in diesen Momenten eine unaufgeregte Ehrlichkeit", sagt die Psychologin und rät zu entspannten, zeitlich nicht begrenzten
Momenten, um über die Probleme zu sprechen.

Außerdem solltet ihr nicht in Situationen über Eifersucht sprechen, in denen ihr emotional aufgewühlt seid. Das Gegenüber brauche die Möglichkeit, ihre Seite darzustellen, beton Felicitas Heyne, denn oft interpretieren wir Situationen nicht richtig und am Ende gibt es überhaupt keinen Grund eifersüchtig zu sein.