Es geht um Frauenrechte, den Boom von Hochzeitssendung im Fernsehen, die LGBTI-Bewegung und um die Jungfräulichkeit junger Frauen. Eine Stunde Liebe reist in die Türkei, nach Istanbul.

In einer Bar auf der asiatischen Seite von Istanbul, im hippen Stadtteil Moda, erzählen die Feministin Esra, geboren in Anatolien und Mode-Studentin Bilgin, geboren in Ulm, über Jungfräulichkeit, Sex und Beziehungen vor der Ehe.

"Ich bin 31 und wohne mit meinem Freund zusammen. Aber ich glaube, dass meine Familie tatsächlich ab und an noch glaubt, dass ich Jungfrau bin.“
Esra, Feministin

Auf der europäischen Seite, nähe der Hauptschlagadern Istanbul, die Straße Istiklal, treffen wir den LGBTI-Aktivisten Celik Özdemir. Bis 2013 hat er erfolgreich als Manager für ausländische Firmen gearbeitet und viel Geld verdient. Dann veränderte sich Celiks leben durch die Gezi-Proteste. 

Er ging in die Lokalpolitik, als einer der ersten offen schwulen Politiker des Landes arbeitet er jetzt für die CHP im Staddteil Sisli. Er stellt fest: "Moslem, Türke, Mann. Wenn du eine andere Identität hast, bekommst du Probleme in der Türkei." Die Toleranz gegenüber Minderheiten schwinde.

"Auch wenn die AKP und Erdogan in den letzten 15 Jahren sagen, die Gesellschaft sei liberaler geworden, das stimmt nicht. Konservativ sein und nationalistisch, das nimmt zu."
Celik Özdemir, LGBTI-Aktivist und CHP Politiker

Celik erzählt von der schwierigen Situation der LGBTI-Community. 80 Prozent der Türken sind der Meinung, Homosexualität sei "moralisch inakzeptabel". Außerdem nehmen sogenannte hate crimes zu. Transsexuelle wurden brutal ermordet, vor allem syrische Flüchtlinge waren betroffen.

Wenn Frauen die Scheidung fordern

Nähe des gentrifizierten Künsterviertels Tophane sind wir in der Kanzlei von Anwältin Ipek Bozkurt. Sie ist Mitbegründerin einer Organisation, die sich gegen den Mord an Frauen einsetzt. Die Zahl solcher Fälle, vor allem wenn Ehefrauen die Scheidung fordern, ist in der Türkei gestiegen, auf 328 Fälle im Jahr 2016. 

“Eine Demokratie ist leider nicht in Stein gemeißelt. Du musst sie schützen, und was dafür tun, um das Recht im Land zu schützen."
Ipek Bozkurt, Anwältin

Ipek kämpft dafür, dass die Täter vor Gericht nicht mehr so milde Strafen bekommen. Und sie kämpft für Demokratie. "Ich hoffe auf ein Nein im Referendum, aber wenn es ein Ja ist, dann müssen wir halt neue Wege finden, um zu kämpfen", stellt sie fest. Ein Präsidialsystem würde den ohnehin schon sehr autoritären Regierungsstil von Erdogan noch weiter stärken.