Erik Niedling lebt ein ganzes Jahr, als sei es sein letztes. Auf Listen hat er aufgeschrieben, was er alles erledigen will.

"Lebe jeden Tag, als sei es dein letzter" - das liest man schon mal in alten Poesie-Alben, Abizeitungen oder als Lebensmotto in sozialen Netzwerken. Was für die Lebensplanung wohl wenig sinnvoll und zudem auch nicht praktisch umsetzbar erscheint, hat Erik Niedling so gemacht. Wobei er aus dem Tag ein ganzes Jahr gemacht hat - aber das hat er eben konsequent so gelebt, als sei es tatsächlich sein letztes.

Ganz wichtig für dieses Vorhaben: Seine Das-will-ich-noch-tun-Liste

  1. Datensicherung analog/digital
  2. Testament verfassen
  3. Bestimmung eines Nachlassverwalters
  4. Meine letzte Ausstellung planen
  5. Sport treiben
  6. Drogenexperimente machen
  7. Mit Rosa ein Abenteuer erleben und einen Schatz vergraben

(Auszug)

Erik hat es durchgezogen. Er hat sich von ihm wichtigen Menschen verabschiedet, und er sagt, es hat sich so angefühlt als sei es ein echter, kein simulierter Abschied. Er hat sich mit Freunden gestritten, vor allem mit denen, die in ihrem persönlichen Umfeld selbst von Krankheit und Tod betroffen sind. Und er hat Punkte auf seiner Liste gestrichen. Die Realität kam dazwischen. Die 1000 Euro, die Erik für den "Besuch im Casino" gebraucht hätte, waren einfach nicht da. Überhaupt war die Finanzierung seines Projekts oft schwierig.

"Ich war gut ausgestattet für dieses Jahr, aber das Geld hat nicht gereicht, und ich war mehrmals zwischendrin kurz davor, also wirklich kurz davor insolvent zu gehen, aber so richtig!"
Erik Niedling

Erik schafft es irgendwie. Er lebt ein Jahr lang so, als sei es sein letztes. Und er erledigt viele der Aufgaben, die er vor seinem fiktiven Tod noch erledigen wollte.

Doch am Ende hat sich der Tod dann doch gar nicht so fiktiv angefühlt. Nach dem Jahr fällt Erik in ein tiefes Loch. Was soll er mit seinem Leben jetzt bloß anfangen?

"Wenn da jetzt was passiert wäre und ich wäre wirklich tot gewesen, hatte ich so ein Gefühl der inneren Ruhe, weil ich das Gefühl hatte, ich habe alles getan, was ich tun wollte, und ich habe Ordnung hinterlassen."
Erik Niedling