Chia, Flohsamenschalen und Vollkornprodukte: Fibermaxxing soll dem Darm guttun und lange satt machen. Tatsächlich essen viele von uns zu wenig Ballaststoffe. Doch Vorsicht: Wer es übertreibt, riskiert Bauchschmerzen – und sehr viel Zeit auf dem Klo.

Bei Fibermaxxing versuchen Menschen ihre Ballaststoffzufuhr mit Chiasamen, Flohsamenschalen, Vollkorn und Gemüse – eben mit High-Fiber-Produkten – zu steigern.

"Beim Fibermaxxing wird die Ballaststoffzufuhr bewusst ganz stark erhöht. Es geht dabei um Darmgesundheit."
Julia Floß, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Floß

Durch die gesunde Ernährung werden wir nach einer Mahlzeit nicht direkt wieder hungrig (und hangry). Auf Dauer kann das natürlich helfen, das Gewicht zu regulieren. Deswegen teilen User im Netz gerade Rezepte für ballaststoffreiche Fiberbowls – und versuchen Nahrungsergänzungsmittel zu verkaufen.

Die Mehrheit isst zu wenig Ballaststoffe

Auf den ersten Blick ist das eine super Sache, denn unsere Darmbakterien brauchen Ballaststoffe, um arbeiten zu können. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt mindestens 30 Gramm Ballaststoffe pro Tag.

Das Problem: In Deutschland erreichen die meisten Menschen diesen empfohlenen Tageswert nicht. Ballaststoffreiche Nahrungsmittel wie Walnüsse, Sauerkraut oder Bohnen, die häufig als Superfood vermarktet werden, essen laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung die wenigsten Deutschen regelmäßig.

Wenn wir aber einfach wahllos mehr Ballaststoffe essen, wie es bei Fibermaxxing angepriesen wird, ist das nicht unbedingt gesund, so Ernährungswissenschaftlerin Laura Merten.

"Die Ballaststoffzufuhr wirkt nicht linear, so nach dem Motto: je mehr, desto besser."
Laura Merten, Ernährungswissenschaftlerin

Ballaststoffe: Mehr ist nicht gleich besser

Der Darm brauche die Vielfalt von Ballaststoffen über einen längeren Zeitraum, erklärt Laura Merten. Demnach sind unterschiedliche Ballaststoffe aus verschiedenen Lebensmitteln wichtiger, als dass wir möglichst viele Ballaststoffe in der Gesamtheit an einem Tag zu uns nehmen.

"Nicht die Menge der pro Tag aufgenommenen Ballaststoffe zählt, sondern auch, wie gut der Darm damit klarkommt."
Laura Merten, Ernährungswissenschaftlerin

Faustregel: Nicht die Menge der aufgenommenen Ballaststoffe an einem Tag zählt – sondern auch, wie gut der Darm damit klarkommt, so Ernährungswissenschaftlerin Laura Merten.

Gesunde pflanzliche Gerichte: Linseneintopf und Kichererbsencurry

Ballaststoffvielfalt bieten Nahrungsmittel wie Vollkornbrot, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse und Nüsse. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Floß: "Die Ballaststoffvielfalt kannst du wunderbar über den Tag verteilt in verschiedenen Mahlzeiten zu dir nehmen."

Zum Frühstück eignet sich ein Porridge mit Beeren oder ein Vollkornbrot mit Tomate. Mittags könnten wir Linseneintopf essen oder ein Kichererbsencurry. Als Snack zwischendurch bieten sich Nüsse oder Äpfel an.

"Wenn der Körper nicht gewohnt ist, so viele Ballaststoffe zu essen, kannst du Blähungen, Völlegefühl, Bauchschmerzen oder sogar Durchfall bekommen."
Laura Merten, Ernährungswissenschaftlerin

Doch auch bei Ballaststoffen gilt: Die Menge macht das Gift: 60 bis 100 Gramm – wie beim Fibermaxxing propagiert wird – sind zu viele Ballaststoffe pro Tag, vor allem, wenn du zu wenig trinkst, sagt Ernährungswissenschaftlerin Laura Merten. Es sollten dann schon etwa drei Liter Wasser oder Tee sein bei der in Fibermaxxing empfohlenen Ballaststoffmenge.

Spaß beim Kochen

Ernährungswissenschaftlerin Laura Merten sagt, dass es gut ist, wenn wir die Ballaststoffmenge schrittweise erhöhen. Aber dafür sollten wir dem Körper Zeit geben – und natürlich ausreichend Wasser und Tee trinken.

Die Fachfrau empfiehlt bei der Ballaststoff-Ernährungsanpassung bis zu drei Litern Wasser oder Tee am Tag. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Floß sagt daher: "Hände weg von der Fibermaxxing-Challenge." Dennoch will sie die Fibermaxxing-Challenge nicht verteufeln, weil sie Aufmerksamkeit schafft, dass wir gesünder essen sollten.

"Problematisch wird so eine Challenge, wenn daraus extreme Gesundheitsversprechen werden und durch den Supplement-Hype jemand viel Geld verdient."
Julia Floß, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Floß

Eine ausgewogene und pflanzenreiche Ernährung ist am Ende immer gesünder – und macht auch beim Kochen mehr Spaß, meint Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Julia Floß.

Shownotes
Fibermaxxing
Zu viele Ballaststoffe sorgen für Blähbauch
vom 11. Februar 2026
Moderation: 
Diane Hielscher
Gesprächspartnerin: 
Julia Floß, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin