Soni protestiert in Tirana – jeden Abend. "Bis sich etwas verändert", sagt sie. Auslöser ist ein geplantes Luxusresort der Familie Trump. Doch für viele geht es längst um mehr: Korruption, Macht und die Zukunft Albaniens.
Wenn sie losgehen, um zu demonstrieren, dann haben sie auch Flamingos dabei: aus Pappe, Plastik oder Holz. Seit Wochen gehen in Albanien Tausende Menschen auf die Straße.
Sie protestieren gegen ein geplantes Luxusprojekt an der Mittelmeerküste des Landes. Jared Kushner will dort ein Urlaubsresort entwickeln. Er ist Finanzinvestor, Immobilienentwickler, manchmal auch inoffizieller Unterhändler und Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Kushners Ehefrau ist Ivanka Trump.
Die Menschen sind wütend
Das Resort soll an der Mittelmeerküste entstehen. Auf der Insel Sazan und in der Nähe der Narta-Lagune auf dem gegenüberliegenden Festland. Die Lagune ist ein wichtiges Vogelschutzgebiet: Vor allem Flamingos brüten und rasten hier. Deshalb wurde der Vogel mit seinem rosa Gefieder zum Symbol der Proteste.
"Was ganz klein angefangen hat, ist inzwischen eine Bewegung geworden, die nicht mehr aufzuhalten ist."
Soni ist von Beginn an bei den Protesten dabei. Am dritten Tag gab es Zusammenstöße mit der Polizei. "Wir wurden von Wasserwerfern getroffen, das Wasser war mit Pfefferspray versetzt", berichtet sie. An dem Tag blieb der Protest friedlich. Mittlerweile nehmen Menschen aus allen Teilen der Gesellschaft teil: Studierende, Arbeiter*innen, Junge und Alte, Familien.
Bei den Demonstrationen geht es um die Kushners und das geplante Luxusresort. Aber längst auch um die Korruption im Land, so Soni. Es gehe um Wut und Frust, die sich über Jahre angestaut hätten. Wem gehört das Land? Warum wird die Bevölkerung nicht eingebunden?
"Viele haben das Gefühl, dass Korruption unser Land kaputt macht. Dass unser natürlicher Reichtum, unsere Natur, einfach weggegeben wird."
Bislang ist noch keine Baugenehmigung für das Resort erteilt. Im März 2024 hatte Kushners Investmentfirma Baupläne auf der Plattform X veröffentlicht. Ebenso kursieren Renderings, also Architekturvisualisierungen, die einen Wasserpark, Yachthäfen, Golfplätze, Casinos und so weiter zeigen. Es geht quasi um eine ganze Stadt, die entstehen soll, sagt die Journalistin Franziska Tschinderle.
Ein Milliardeninvestment aus dem Ausland
Sie lebt seit vier Jahren in Tirana, Albaniens Hauptstadt, und hat zur geplanten Luxusbebauung recherchiert. Albaniens Premierminister Edi Rama spricht von einem möglichen Investment von vier Milliarden Euro. "Die wird natürlich nicht Kushner alleine stemmen oder sein Fonds", sagt Franziska Tschinderle. Zu den Investoren zählen wohl auch die beiden Milliardäre Moutaz Al-Khayyat und sein Bruder Ramez Al-Khayyat aus Syrien.
Wie für Soni ist auch für Franziska Tschinderle ein Video entscheidend für die Flamingo-Bewegung. Als ein Demonstrant in dem geplanten Baugebiet von privaten Sicherheitskräften angegriffen wurde, gibt es ein Video davon, das geteilt wurde. "Das dürfte so eine Art Ursprung gewesen sein. Viele haben sich in diesem Video gesehen."
"Für mich war das so ein bisschen der Moment, wie aus einer relativ kleinen, überschaubaren Naturschutz-Protestbewegung auch ein Demokratie-Protest wird."
Premierminister Edi Rama macht sich mal über die Protestierenden lustig, mal zeigt er Verständnis. "Er spielt wirklich ein doppeltes Spiel", sagt Franziska Tschinderle. Das spielt er auf Facebook und Instagram rauf und runter. Sein Motiv sei es, einen Keil in die Protestbewegung zu treiben. Denn die ist eben auch sehr heterogen.
Die Frage ist nun auch, wer diesen Protest nun wie politisch nutzen kann.
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