Was macht, eine Frau die aus einer der reichsten Familien Großbritanniens stammt? Die so klug und selbstbestimmt war, dass sie im Großbritannien des ausgehenden 19. Jahrhunderts keinen Mann findet? Und die so viel Geld hat, dass sie tun und lassen kann, was sie will? Sie erfindet ein Land. Den Irak.

"Einige Personen von augenscheinlicher Wichtigkeit standen vor ihren Haustüren am Fuß des Berges; ich ritt zu ihnen und fragte, ob ich den Scheich sehen könne."
Gertrude Bell, Forschungsreisende, Historikerin, Agentin

Gertrude Bell wird 1868 geboren und wächst in der Grafschaft Yorkshire auf. Ihre Familie ist reich - eine Stahl-Dynastie, die das britische Empire mit Material für das stetig wachsende Eisenbahnnetz versorgt. Bell macht als erste Frau einen Abschluss im Fach Geschichte an der Universität Oxford, wo sie auch Arabisch, Persisch und Hebräisch lernt. Als sie dann in die Gesellschaft eingeführt wird, um einen Ehemann zu finden, scheitert dieses Projekt an ihrer Ausbildung und ihrer Intelligenz. Sie gilt schlicht und einfach als "too Oxfordy".

Im Dienste ihrer Majestät

Das Ergebnis: Bell kann sich aufgrund ihrer finanziellen Unabhängigkeit leisten, zu tun und zu lassen, was sie will. Sie reist um die Welt, sie entwirft Gärten, sie übersetzt persische Gedichte und sie bewegt sich im Kreise einflussreicher Persönlichkeiten des viktorianischen Empires. Anfang des 20. Jahrhunderts geht sie in den Orient, arbeitet als Agentin im Dienste ihrer Majestät. Und spielt eine wichtige Rolle für die Entstehung des Irak.

"Es ist schockierend wie sich der Osten um mein Herz geschlungen hat, so sehr, dass ich nicht mehr weiß wo ich bin und wo er ist. Ich bin mehr Bürgerin Bagdads als viele, die in Bagdad geboren sind."
Gertrude Bell, Forschungsreisende, Historikerin, Agentin

Martina Schulte hat die Tagebücher und Briefe an Gertrudes Eltern gelesen und ist mit der viktorianischen Industriellentochter durch den gesamten Mittleren Osten gereist. Sie sieht in Gertrude eine "arabische Träumerin", die bei aller Wüstenromantik auch immer pragmatisch, kühl kalkulierend und durch und durch imperialistisch war.

Der Werner-Herzog-Film "Königin der Wüste" über Gertrude Bell kommt heute in die Kinos. Die Besprechung zum Film hört ihr in "Eine Stunde Film".

Ausschnitte aus "Lawrence of Arabia" mit freundlicher Genehmigung von Sony Pictures Home Entertainment